1. Startseite
  2. Frankfurt

Bahn will mehr Züge auf die Schiene bringen

Erstellt:

Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

Kommentare

Soll schon Jahre vor der Fertigstellung des Fernbahnhofs deutlich mehr Verkehr abwickeln: der Frankfurter Hauptbahnhof. Dafür soll unter anderem das Gleisvorfeld neu gestaltet werden.
Soll schon Jahre vor der Fertigstellung des Fernbahnhofs deutlich mehr Verkehr abwickeln: der Frankfurter Hauptbahnhof. Dafür soll unter anderem das Gleisvorfeld neu gestaltet werden. © Andreas Arnold/dpa

Zusätzliche Gleise am Hauptbahnhof und in Sachsenhausen sollen schnell Kapazität schaffen

Mit einem umfangreichen Ausbauprogramm für die oberirdischen Schienenstrecken will die Bahn die Kapazitäten um den Haupt- und Südbahnhof in den nächsten Jahren erweitern. Nötig wird das, um die Zeit bis zur Inbetriebnahme des Fernbahntunnels zu überbrücken.

Mit der Fertigstellung des Tunnels bis Ende der Dreißigerjahre hat der Bund eine ohnehin sportliche Zeitplanung vorgegeben, da allein die Bauzeit sicher acht Jahre betragen dürfte. Doch schon bis 2030 möchte der Bund die Fahrgastzahlen auf der Schiene verdoppeln. Bereits von 2026 an muss der Hauptbahnhof daher deutlich mehr Züge aufnehmen: Von dann an soll auf ersten ICE-Strecken bereits der im Deutschlandtakt vorgesehene 30-Minuten-Takt gelten.

Darauf stellt sich die Schienen-Infrastrukturtochter der Bahn, DB Netz, ein. Seit rund einem Jahr prüfen ihre Fachleute, wo es rund um Haupt- und Südbahnhof Engpässe gibt und wie sie sich lösen lassen. Eine eisenbahnbetriebstechnische Untersuchung hat DB Netz eigens erstellen lassen. Die Ergebnisse und die Ausbaupläne will die Bahn-Tochter im Frühjahr öffentlich vorstellen.

Gleisvorfeld wird umgestaltet

Herzstück des Ausbaus soll das Erweitern der Gleis-Kapazität im Hauptbahnhof selbst sein, erklärt Gerd-Dietrich Bolte, Leiter der Infrastrukturprojekte im Regionalbereich Mitte von DB Netz. "Wir wollen Fahrmöglichkeiten flexibilisieren und Kapazitäten erhöhen" sowie Verspätungen reduzieren. In mehreren Schritten soll das Gleisvorfeld umgestaltet werden, damit mehr Fahrmöglichkeiten entstehen. Mehr Züge könnten dann gleichzeitig ein- und ausfahren und auch mehr Bahnsteige erreichen, es soll mehr Abstellmöglichkeiten für Züge geben.

An den Bahnsteigen soll die Kapazität für den Regionalverkehr erhöht werden, indem zusätzliche Signale erlauben, dass zwei Züge hintereinander ein Gleis benutzen. Zudem soll Gleis 25 bis Ende 2027 wieder in Betrieb sein, mit 180 Metern lang genug für Regionalzüge.

Das zweite Herzstück der Kapazitätserweiterung soll der Ausbau des Abzweigs Schlachthof in Sachsenhausen werden. Hier, südlich der Deutschherrnbrücke, stößt die nord- auf die südmainische Strecke. Bisher müssen alle Züge von Norden die Gleise der südmainischen Strecke kreuzen, um die Bahnsteige am Südbahnhof zu erreichen. Ein zusätzliches Gleis von der Deutschherrnbrücke zur Nordseite der südmainischen Strecke soll dies verhindern. "Dadurch reduzieren wir viele Verspätungen", ist Bolte überzeugt.

Für den Ausbau gibt es zwar neben der Strecke genug Platz, für die neue Gleisverbindung muss dennoch der gesamte Abzweig umgebaut werden. Das steht aber zum Teil sowieso an: Die alte Brücke der nordmainischen über die südmainische Strecke sei "abgängig" und müsse ersetzt werden, erläutert Bolte. Westlich davon bis Südbahnhof sei die Strecke breit genug für ein Gleis mehr. Auch der Südbahnhof soll mehr Kapazität erhalten: Gleis 10 bekommt wieder einen Bahnsteig. Und DB Netz prüft, ob das Gleis verlängert werden kann bis zur Umgehungsbahn Richtung Stadion. Knackpunkt ist die Brücke über die Schweizer Straße.

Anderer Ausbauplan ist gestrichen

Eine andere Erweiterung legt DB Netz nach Prüfung zu den Akten: den Ausbau der Strecke zwischen Haupt- und Südbahnhof. Er war lange Teil der unter dem Titel "Frankfurt RheinMain plus" gebündelten Ausbauvorhaben von Land, Stadt, Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). "Im Kern wird dieser Ausbau durch den Fernbahntunnel ersetzt", betont Bolte. Besonders im Bereich der Uni-Klinik fehle der Platz. Außerdem sei der Bau einer zusätzlichen Main-Querung neben der Main-Neckar-Brücke nötig. Bis das genehmigt und umgesetzt sei, "würde es auch bis Mitte des nächsten Jahrzehnts dauern". Es wäre also nicht schneller als der Tunnel.

In der Gesamtsicht von Tempo, Nutzen und Kosten habe die eisenbahnbetriebstechnische Untersuchung daher den oberirdischen Ausbau nicht empfohlen, sagt Bolte. Die Fachleute seien zum Schluss gekommen, dass es mehr bringe, schnell die vielen kleineren Kapazitätserweiterungen an Haupt- und Südbahnhof umzusetzen. "Das hat einen größeren Nutzen." Den allergrößten Nutzen habe dann der Tunnel mit seinem Kapazitätsplus von 20 Prozent. Selbst mit dem oberirdischen Ausbau zwischen Haupt- und Südbahnhof seien bloß fünf Prozent mehr Kapazität möglich, erklärt Bolte.

Dennoch prüft DB Netz derzeit, ein drittes Gleis vom Südbahnhof bis über die Kennedyallee nutzbar zu machen. Hier liegt bereits ein Rangiergleis. Damit die ganzen Erweiterungen überhaupt möglich sind, muss erst die Bahn-Technik modernisiert werden: Bis Ende 2027 soll der Südbahnhof ein Elektronisches Stellwerk erhalten. Das kann flexibel angepasst werden, wenn Ausbauten in Betrieb gehen. "Wir wollen jedes Einzelprojekt so schnell wie möglich umsetzen", sagt Gerd-Dietrich Bolte, "um schnell Kapazität zu schaffen."

Auch interessant

Kommentare