56 Meter breit, 50 Meter lang und 15 Meter hoch ist die Traglufthalle im Hausener Bad, das dadurch für die Wintermonate von einem Frei- in ein Hallenbad umgewandelt wurde. Gestern zogen die ersten Schwimmer ihre Bahnen. FOTO: rainer Rüffer
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56 Meter breit, 50 Meter lang und 15 Meter hoch ist die Traglufthalle im Hausener Bad, das dadurch für die Wintermonate von einem Frei- in ein Hallenbad umgewandelt wurde. Gestern zogen die ersten Schwimmer ihre Bahnen.

Ersatz für Rebstockbad

Freibad ist nun ein Hallenbad: "Es ist beeindruckend"

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Eine Traglufthalle soll das Rebstockbad in Frankfurt ersetzen. Das funktioniert aber nur teilweise. Ein Ortsbesuch.

Das Hausener Freibad ist jetzt ein Hallenbad. Zumindest im Winter. Möglich macht dies die neue Traglufthalle aus Kunststofffolie, eine überdimensionale weiße Hülle, 56 Meter breit, 50 Meter lang und 15 Meter hoch, unter der das Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken verschwunden sind. Konstant 30 Grad herrschen in der Halle, die 25 000 Kubikmeter Luft fasst.

Temperaturen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Auch Sportdezernent Mike Josef (SPD), der sich bereits nach ein paar Minuten die ersten Schweißperlen von der Stirn wischen musste. Zusammen mit Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt (BBF), weihte er gestern die neue Halle nach über zwei Jahren intensiver Planung ein. Binnen der vergangenen sieben Wochen wurde sie im Freibad an der Ludwig-Landmann-Straße errichtet. Dort, wo am 3. Oktober noch die Freibad-Freunde ihre Bahnen zogen. Unter freiem Himmel.

Traglufthalle am Hausener Freibad: 15 Schwimmvereine und 40 Schulen teilen sich Becken

"Für uns wird das schon eine Umgewöhnung", sagte eine Schwimmerin auf dem Weg zu den Umkleiden. Sie gehört einem der 15 Schwimmvereine an, die künftig das Bad nutzen werden. Denn die Traglufthalle soll die verlorenen Wasserflächen des Rebstockbades, das neu gebaut wird, ersetzen. Zumindest zu großen Teilen. In Gänze, betonte Zielinski, sei dies nicht möglich. Neben den Schwimmvereinen würden 40 Schulen die Flächen nutzen.

"Training in einer Traglufthalle ist gewöhnungsbedürftig. Die Luft ist eine ganz andere", sagte die Schwimmerin, die ursprünglich im Rebstockbad trainierte. Seit dieses geschlossen ist, seien sie nach Bornheim ausgewichen und jetzt eben nach Hausen. Aber: Man habe alle Trainingseinheiten durchziehen können.

Schwimmbäder in Frankfurt: Fehlende 50-Meter-Bahn ein „Armutszeugnis“

Dieses Glück hätten nicht alle Vereine, betonte Michael Ulmer, Sportdirektor der SG Frankfurt. Es gebe insgesamt zu wenig Wasserflächen in Frankfurt. Die Haube über dem Hausener Freibad sei zwar gut, weil sie zumindest einen Teil der Flächen des Rebstockbades auffange. "Wir brauchen aber ein Sportbad mit einer 50-Meter-Bahn. Es ist ein Armutszeugnis, dass eine Großstadt wie Frankfurt dies nicht hat", sagte Ulmer. Die fehlenden Wasserzeiten zeigen sich darin, dass viele Vereine keine Mitglieder mehr aufnähmen. Und: Die Schwimmkurse für Kinder seien hoffnungslos überlaufen.

Das weiß auch Mike Josef, der sich deswegen ein klares Ziel gesetzt hat: Alle Kinder sollten in naher Zukunft bis zum neunten Lebensjahr die Möglichkeit haben, einen Schwimmkurs zu besuchen. Vielleicht in solch einer Traglufthalle wie in Hausen? Das wäre tatsächlich möglich, sagte der Sportdezernent. 500 000 Euro koste die Miete dafür pro Jahr, die Stadt habe die Option sie zu kaufen. Der Neubau eines Schwimmbades würde hingegen fünf bis zehn Jahre dauern und bis zu 40 Millionen Euro kosten. "Man könnte das Hausener als Blaupause für die anderen Frankfurter Freibäder nehmen", sagte er.

Traglufthalle am Hausener Freibad ein „Quantensprung“

Über einen Löwengang geht es im Hausener, das morgens ab 6.30 Uhr geöffnet hat, nun von den Umkleiden in die Halle. Der Boden ist geblieben, es wurden keine Flächen versiegelt oder Bäume gefällt. "Es ist beeindruckend", sagte Carolin Friedrich, sportpolitische Sprecherin der CDU, die einst in der Traglufthalle der Ernst-Reuter-Schulen schwimmen lernte. "Das hier ist kein Vergleich zu damals. Das ist ein Quantensprung", sagte sie.

Möglich mache dies die neueste Technik, sagte Boris Zielinski. Die in den vergangenen Monaten zudem verbessert wurde. Pandemiebedingt. So wurde eine Lüftungsanlage eingebaut, die einen ausreichenden Luftwechsel erzeugt. Sie wird zur Sommersaison ebenso abgebaut, wie auch die Halle. Damit im April das Hausener wieder als erstes Bad in der Stadt die Freibadsaison einläuten kann. Unter freiem Himmel. (Judith Dietermann)

Auch im Stadteil Borhnheim wird in Frankfurt ein neues Schwimmbad gebaut.

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