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Kampf gegen Dreck und Ekel: Putzkräfte im Frankfurter Bahnhofsviertel beinahe pausenlos im Einsatz

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Dreck und Müll im Umfeld des Hauptbahnhofs: Trotz verstärkter Reinigung kommen Stadt und Bahn nicht hinterher mit dem Aufräumen wie hier an der Straßenbahnhaltestelle in der Münchener Straße in Sichtweite der Bahnstation. Vielerorts zeigt sich die Verwahrlosung des Bahnhofsviertels noch viel schlimmer mit Drogenutensilien, Urin und Kot.
Dreck und Müll im Umfeld des Hauptbahnhofs: Trotz verstärkter Reinigung kommen Stadt und Bahn nicht hinterher mit dem Aufräumen wie hier an der Straßenbahnhaltestelle in der Münchener Straße in Sichtweite der Bahnstation. Vielerorts zeigt sich die Verwahrlosung des Bahnhofsviertels noch viel schlimmer mit Drogenutensilien, Urin und Kot. © Pfeiffer-Goldmann, Dennis

Weil das Frankfurter Bahnhofsviertel zunehmend verkommt, hat die Stadt den Reinigungsaufwand weiter erhöht. Die CDU fordert mehr Sicherheit.

Frankfurt - Mit verstärktem Einsatz von Reinigungskräften versucht die Stadt, Dreck und Ekel im Umfeld des Hauptbahnhof Frankfurt und im ganzen Frankfurter Bahnhofsviertel entgegenzuwirken. An allen Tagen der Woche werde inzwischen gereinigt, vom Mittag bis zum Abend sogar ohne Pause, heißt es in einem Bericht des Magistrats.

Die mangelnde Sauberkeit und das daraus resultierend leidende Sicherheitsgefühl hatte die CDU-Fraktion im Römer bereits im Juni dazu gebracht, bei der Stadtregierung nachzuhaken, inwiefern sie denn tätig wird. Die Antwort kam nun kürzlich. „Die Stabsstelle Sauberes Frankfurt erreichen regelmäßig Beschwerden über die Unsauberkeit und Verschmutzungen im Umfeld des Hauptbahnhofs“, räumt der Magistrat ein. „Beschwerden, die in den Zuständigkeitsbereich der DB fallen, werden mit der Bitte um Reinigung umgehend weitergeleitet.“

Denn die Deutsche Bahn ist für die Sauberkeit auf ihrem eigenen Gelände selbst verantwortlich. Dort baut der Konzern gerade im großen Stil und saniert die B-Ebene. Alle Zugänge nach unten sind dafür aktuell gesperrt - um diese herum allerdings ist die Verschmutzung teils extrem. Nicht nur Müll findet sich dort, immer wieder urinieren Männer gegen die Bauwände, in Nischen werden auch große Geschäfte erledigt.

Frankfurt: Hauptbahnhofsvorplatz wird von städtischem Serviceunternehmen gereinigt

Diese Bereiche gehören allerdings zum Vorplatz des Hauptbahnhofs - und für dessen Reinigung ist die städtische Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zuständig. So werde der Platz morgens einmal gereinigt, ein zusätzliches Mal im Lauf des Tages und es erfolge „eine weitere Grobreinigung im Spätdienst“, so die Stadt. „Auch gibt es Sonntagsreinigungen.“ Das geschehe grundsätzlich nur auf öffentlichen Flächen. „Innerhalb eingezäunter Baumaßnahmen findet keine Reinigung statt.“ Mit der Bahn stimme sich die Stabsstelle „konzeptionell“ ab.

Die erste Nassreinigung am Morgen beginnen die Reinigungsteams montags bis freitags um 4.30 Uhr, samstags um 5.30 Uhr und sonntags um 7.30 Uhr jeweils am Bahnhofsvorplatz, erklärt der Magistrat. Von 8.30 Uhr an erfolge eine weitere Leerung der Abfallbehälter sowie das Einsammeln von Kleinabfällen und Sperrmüll bis zu einem Kubikmeter.

Frankfurter Bahnhofsviertel: „Projekt Fegerflotte“ sammelt Drogenutensilien ein

Ein weiteres Team sei täglich zwischen 11.30 und 19.30 Uhr im Einsatz, „um neu auftretende Verunreinigungen zu beseitigen“. Von 12.30 Uhr komme das „#cleanffm-Express-Team“ hinzu, welches ebenfalls Reinigungen durchführe und seit Mitte 2020 von einer zusätzlichen Kehrmaschine unterstützt werde. Das Projekt „Fegerflotte“ sammele zwei- bis dreimal werktäglich Kleinabfälle und Drogenutensilien ein. Größere wilde Ablagerungen, zum Beispiel Matratzenlager, würden zudem zweimal wöchentlich nach Weisung der Stadtpolizei entsorgt. „Auch die genannten Zusatzreinigungen werden mit Unterstützung der Stadtpolizei durchgeführt.“

Ergänzend zu der „schon bestehenden sehr hohen Reinigungsleistung“ im Bahnhofsviertel reagiert die Stabsstelle „umgehend auf besondere Verschmutzungssituationen, in denen sofortiges Handeln notwendig ist“.

Immerhin: Bei der Geschäftsstelle des städtischen Präventionsrats lägen zur B-Ebene „derzeit keine Beschwerden“ vor, so der Magistrat. Was wenig verwundert: Aktuell sind lediglich die kurzen Durchgänge von der Haupthalle des Bahnhofs sowie der Düsseldorfer Straße hinunter zur U-Bahn geöffnet. Gerade der Zugang zur Düsseldorfer Straße wirkt allerdings wenig einladend. Hier liegt oftmals und lange Bauschutt und Schmutz.

CDU Frankfurt fragt nach Konzept der Stadt für mehr Sicherheit im Bahnhofsviertel

Ob es denn ein Konzept gebe von Stadt, Bundespolizei und Bahn, um etwa durch verstärkte Kontrollen für mehr Sicherheit zu sorgen, fragt die CDU außerdem nach. Dazu könne der Magistrat „noch nicht abschließend berichten“, da eine Rückmeldung der Bahn noch ausstehe. Aber: Seit Sperrung der B-Ebene gebe es „signifikant weniger Beschwerden“. Folge: „Für eine schwerpunktmäßige Bestreifung gibt es keinen Anlass mehr“, erklärt der Magistrat. Vor Beginn der Bauarbeiten habe es gemeinsame Streifen auf dem Hauptbahnhof-Gelände der DB-Sicherheit mit der Stadtpolizei gegeben, da es „zahlreiche Beschwerden über die offene Drogenszene und Verschmutzungen“ gegeben habe.

Seit Corona erlebt das zuvor angesagte Bahnhofsviertel einen Niedergang durch immer mehr Verwahrlosung, Drogenkriminalität, Verschmutzung und Gestank auf den Straßen im Umfeld des zweitgrößten deutschen Bahnhofs. Nicht nur Anwohner und Gewerbetreibende beschweren sich darüber, Hotelgäste bleiben weg. Auch schließen inzwischen Läden deswegen. Prominentestes Opfer: Die Brüder Ardinast gaben zum 1. Oktober ihr Restaurant „Stanley“ in der Ottostraße in der Nähe des Platzes der Republik auf. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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