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Der Bahnpostwagen zieht um

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Von: Gernot Gottwals

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Ein Gabelstapler vorne, einer hinten: So mühsam musste der Postwagen gestern Schritt für Schritt bewegt werden.
Ein Gabelstapler vorne, einer hinten: So mühsam musste der Postwagen gestern Schritt für Schritt bewegt werden. © Michael Faust

Ein historischer Bahnpostwagen ist gestern vom Museum für Kommunikation in das Depot nach Heusenstamm transportiert worden. Für die neue Dauerausstellung wird er durch ein kleineres Modell ersetzt.

Auch beim Transport mit der Bahn wollte die Post früher keine Zeit verlieren. Deshalb sortierten ihre Mitarbeiter fleißig die Sendungen nach ihren Bestimmungsorten, während der Bahnpostwagen der Baureihe 55 oft Hunderte von Kilometern pro Tag quer durch Deutschland fuhr. Doch auf seiner vorerst letzten Reise ins Museumsdepot nach Heusenstamm bewegte sich der 7530 Kilogramm schwere Koloss gestern nur noch wenige Meter zwischen Museum und Schwertransporter.

Dabei staunten viele Passanten, dass das Gelände um das Museum für Kommunikation schon am frühen Morgen abgesperrt war, als der Bahnpostwagen noch weit und breit nicht zu sehen war. „Wir haben um 5.30 Uhr mit dem Transport begonnen, da wir ihn vom Ausstellungsraum über die unebene Rampe mit ihren Positiv- und Negativneigungen nur sehr vorsichtig Stück für Stück bewegen konnten“, erklärt Michael Repp, zuständiger technischer Leiter der Spedition Schenker der Deutschen Bahn.

Mit Schwertransporter

Insgesamt musste die Firma für die Arbeiten drei Gabelstapler, acht Schwerlastrollen und vier hydraulische Liftsysteme mit Hubtürmen einsetzen. Der Bahnpostwagen wurde auf die Rollen mit flexiblen Drehtellern verladen und von hinten mit einem Gabelstapler angeschoben, während ihn von vorne ein weiterer Gabelstapler als Gegengewicht mit Ketten und Zuggurten behutsam zog. Dies dauerte bis zum frühen Nachmittag, bevor die Spediteure den Postwagen mit Hilfe der Hubwagen auf den Schwertransporter nach Heusenstamm verladen konnten.

Nötig wurde die aufwendige Überführung des Postwagens, da das Museum für Kommunikation seit ein paar Wochen für rund 2,5 Millionen Euro das Untergeschoss saniert und mit einer neu konzipierten Dauerausstellung einrichtet. „Wir haben nach dem Osterwochenende mit den Arbeiten begonnen und wollen die neue Ausstellung, die auch die Gegenwart und Zukunft des digitalen Zeitalters berücksichtigt, am 10. September wieder eröffnen“, erklärt der Sammlungsleiter Frank Gnegel.

Natürlich werde der Transport von Postsendungen und Fahrgästen auch in der neuen Dauerausstellung eine wichtige Rolle spielen. Doch obwohl der von 1956 bis 1984 eingesetzte geöffnete Bahnpostwagen mit Blick in den Sortierraum bereits zu Ausstellungszwecken auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe reduziert wurde, nehme er noch viel Platz weg. „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, den Wagen der Baureihe 55 durch ein kleineres, nur noch drei Meter langes Modell zu ersetzen“, erklärt Gnegel.

Weitere Blickfänge

Zu den weiteren im Lichthof gezeigten Blickfängen gehören außerdem ein Schlittenwagen der Kaiserlichen Post um 1890, ein Postbus von 1905 und ein Transportwagen für Postsendungen der Firma Bergmann aus den 1920er Jahren mit Elektroantrieb und einer Reichweite von 50 Kilometern.

Die neue Dauerausstellung „Von der Keilschrift bis zur Datenbrille“ wird die frühere eher chronologische Abfolge der Exponate zur Kommunikationsgeschichte durch erzählende Geschichtsinseln zu Themen wie „Beschleunigung“, „Kontrolle“ oder „Vernetzung“ ersetzen. Der abtransportierte Bahnpostwagen kann zukünftig im Depot in Heusenstamm jeden ersten Freitag im Monat ab 14 Uhr besichtigt werden.

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