Kunst

Bald geht in Frankfurt eine neue „Entdeckermesse“ an den Start

Die Berliner Veranstalter setzen auf preisgünstige Kunst, viele Werke sollen nur 1500 bis 3000 Euro kosten. Neben Galerien können auch Künstler ausstellen.

Vielleicht klappt es ja beim vierten Anlauf: Frankfurt bekommt, nach drei gescheiterten Versuchen in den vergangenen 30 Jahren, wieder eine neue Messe für moderne Kunst. Vom 1. bis 4. November will die „Discovery Art Fair Frankfurt“ mit rund 80 Galerien in der eleganten „Forum“-Halle auf dem Messegelände Sammler anlocken. Es soll eine „demokratische Messe“ werden, so Jürgen Golz, der Chef des in Berlin sitzenden Unternehmens, das seit 14 Jahren die „Berliner Liste“ und seit sechs Jahren die „Kölner Liste“ veranstaltet. Jetzt stellte Golz sein Konzept und sein Team im Frankfurter Kunstverein Familie Montez vor.

Angesprochen wird laut Golz „der Normalbürger“, denn ein Kunstwerk soll im Durchschnitt 1500 bis 3000 Euro kosten, mit Ausreißern nach oben und unten. So sieht Golz die „Art Fair“ als „Entdeckermesse“, die in Berlin und Köln so gut läuft, dass sie den Versuchsballon in Frankfurt finanziert. Er will sich drei Jahre Zeit nehmen, um die Messe zu etablieren. Neben Galerien, zur Hälfte aus dem Ausland, können sich auch Künstler in einem gesonderten Bereich vorstellen, zu den Preisen der Galerien und nach Auswahl der Kuratoren Peter Funken (aktuelle Kunst), Stefan Maria Rother (Fotografie) und Guillaume Trotin (Urban Art). Neben diesen drei Abteilungen setzt man auf ein breites Angebot vom klassischen Gemälde bis zur Installation, von Editionen bis zur Medienkunst.

Ohnehin will die Messe am Puls der Zeit sein. „Fast alle Werke werden von 2017 oder 2018 sein“, verspricht Jürgen Golz. Die Hälfte der Aussteller hat er bereits sicher, nennt aber keine Namen, da die Bewerbungsfrist noch bis Ende Juli läuft. Das Interesse dürfte jedoch groß sein, denn eine Koje von zehn Quadratmetern kostet brutto knapp 3000 Euro, eine 20er-Koje 5700 Euro, eine 30er-Koje 8400 Euro. Das ist für eine Galerie noch erschwinglich, für Künstler aber kaum. Die Anfrage von Frankfurter Künstlerverbänden nach einer eigenen Präsentation auf der Messe nahm Golz geschickt auf und gab sich offen für eine kleine Sonderschau. So kommt er der regionalen Szene entgegen, muss aber zugleich dafür sorgen, dass der Gemischtwarenladen nicht überhandnimmt. Allerdings ist diese Messe für Frankfurt eher untypisch, denn in der Mainmetropole klotzt man gern – kein Wunder bei dem vielfältigen Angebot an Museen und der Finanzkraft der Unternehmen. Doch mit einer Kunstmesse wollte es bisher nie so recht klappen. Offensichtlich ist es schicker, Kunst in Basel, Köln, Berlin, London oder Karlsruhe zu kaufen. Die „Art Frankfurt“ etwa startete schon 1989, um der „Art Cologne“ Paroli zu bieten, mit entsprechend hochpreisigem Angebot.

Aber wenn nicht gleich die Verkäufe stimmen, sinkt erst die Qualität der Galerien, dann kommen wichtige Sammler nicht mehr, woraufhin die Umsätze noch mehr sinken, viele Galerien fernbleiben – ein Teufelskreis. Inzwischen ist der internationale Messebetrieb sehr eng getaktet. Da ist es für einen Galeristen manchmal besser, im Ausland aufzutreten als zu Hause kleine Brötchen zu backen. Und angesichts des Überangebotes muss sich jede Messe ständig neu erfinden und eine Nische besetzen. Auch die „Art Frankfurt“ wurde mehrfach umgemodelt, aber 2007 eingestellt. Spätere Versuche verliefen rasch im Sand, zuletzt vor drei Jahren mit dem Verleger Manfred Möller. Doch davon gibt sich Jürgen Golz unbeeindruckt, er kennt all diese Messen nicht, hat davon nur gerüchteweise gehört. Tatsächlich dürfte er eine gewisse Chance haben mit seiner Idee, auf junge und preisgünstige Kunst zu setzen.

Freilich ist es in Köln und Berlin viel leichter, weil man dort als „Satellitenmesse“ neben großen Messen auftritt – die Besucher sind ohnehin in der Stadt und schauen dann auch mal vorbei. In Frankfurt ist das anders, da muss Golz die Menschen auf die Messe locken, zum Eintrittspreis von 15 Euro, inklusive Katalog. Für etwas weniger Geld kommt man schon ins Museum, kann aber nur schauen und nichts kaufen.

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