Die Rennbahn am 18. August 1946, beim ersten Rennen nach dem Krieg. Heute wird an derselben Stelle das Leistungszentrum des DFB gebaut. Baucontainer versperren die Sicht. FOTOs: Archiv/michael faus
+
Die Rennbahn am 18. August 1946, beim ersten Rennen nach dem Krieg. Heute wird an derselben Stelle das Leistungszentrum des DFB gebaut. Baucontainer versperren die Sicht.

FNP vor 75 Jahren

Bald rollt der Ball wo einst Pferde rannten

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
    schließen

Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute: Die Galopprennbahn.

Am 18. August 1946 war es so weit: Das erste Frankfurter Pferderennen der Nachkriegszeit fand auf der wiedereröffneten Niederräder Rennbahn statt. An dem sonnigen Tag strömten Besucher auf den Turf, ist im Buch "Niederrad in Wort und Bild" des Heimatforschers Werner Hardt nachzulesen. "Am Abend gab es für die Verantwortlichen freudige Gesichter, die kühnsten Erwartungen waren weit übertroffen worden". Schließlich war viel Arbeit notwendig gewesen, um die Rennbahn von Trümmern und Bombenkratern zu befreien. Die Tribünen hatten in Schutt und Asche gelegen. Am 22. März 1944 war das Gelände bombardiert worden, viele Zuchtpferde verloren ihr Leben. Bis 1943 hatten noch Rennen stattgefunden.

Der 1896 gegründete Renn-Klub Frankfurt setzte nach Kriegsende alles daran, bald wieder zu eröffnen, Unterstützung kam von der städtischen Politik, der Wirtschaft und den Banken.

Nicht nur das erste Rennen im August 1946 war mit 30 000 Gästen bestens besucht, auch die folgenden acht Renntage bis Dezember verliefen erfolgreich. Über leere Ränge konnte auch in den Folgejahren nicht geklagt werden: "Die Menschheit war damals eben hungrig nach Vergnügen", sagt der Stadtteilhistoriker Richard Sturm, der sich ebenfalls eingehend mit der Geschichte des Renn-Klubs beschäftigt hat. 1948 wurde das dritte Arthur-von Weinberg-Rennen zu Ehren des Präsidenten und Gründers des Gestüts Waldfried veranstaltet und der neue Pachtvertrag auf den Renn-Klub übertragen.

Der Aufschwung war nicht aufzuhalten: Die Rennbahn, seit jeher der ganze Stolz des Stadtteils Niederrad, bekam ein neues Funktionsgebäude und ein Restaurant und neue Ställe. 1954 wurde der 1600-Meter-Kurs gebaut, für den etliche Bäume fielen und viel Erde ausgehoben wurde. In den 1960ern war der Frankfurter Renn-Klub einer der führenden Veranstalter von Galopp-Rennen geworden, hinter Baden-Baden und Köln rangierte er auf Platz drei. Anfang der 1980er war die Blütezeit der Pferderennen in Niederrad: 1982 wurde die große, 12 Millionen Mark teure Tribüne eingeweiht.

Anfang der 1990er ging es aber bergab mit dem Interesse, Wetteinsätze brachen drastisch ein. Deshalb musste der Renn-Klub neue Einnahmequellen auftun. Im Inneren der Bahn wurde ein landschaftlich reizvoller Golfplatz gebaut, 1996 eröffnete die 9-Loch-Anlage. Nicht viel später begannen auch die Verhandlungen wegen eines Rennbahnhotels mit chinesischen Investoren. Dessen Spatenstich erfolgte 2008, es ist bekanntermaßen bis heute nicht fertig - der Investor Huarong ist insolvent.

Und heute? Die Rennbahn ist Geschichte. Ihr Niedergang stimmt viele Niederräder noch immer traurig. Im Oktober 2008 meldete der Renn-Klub Insolvenz an. Der Renn-Verein Frankfurt übernahm, doch das Ende war besiegelt. Die Stadt bot 2014 dem DFB das Gelände an, 2015 galoppierten die letzten Pferde auf dem Turf. Auch der Bürgerentscheid konnte ihn nicht retten: 62900 Ja-Stimmen hatten zum Erhalt nicht gereicht. 2018 begann der Abriss der Tribüne.

Der DFB ist inzwischen fleißig am Bauen des Leistungszentrums, dieses Jahr soll es eröffnet werden. Und die Niederräder bekommen nächstes Jahr von der Stadt ihren Rennbahn-Park. stw

Die nächste Folge der Serie

Morgen sehen sie auf der Osten-Seite die Dorfkirche von Nieder-Erlenbach. Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Leistungszentrum des DFB.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare