Frankfurt

Bangen um die medizinische Versorgung

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Fachärztezentrum am Riedberg schließt Ende September. Das Bewerbungsverfahren läuft.

Es gibt wohl kein zurück mehr: Das Fachärztezentrum (FÄZ) am Riedbergplatz wird Ende September seine Türen schließen. Das bestätigte Dr. Rafaela Korte, Direktorin der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, zu der die sechs Fachärztezentren in der Stadt gehören, noch einmal in der Sitzung des Ortsbeirates 12 (Kalbach, Riedberg) am vergangenen Freitag. Erneut nannte sie eine "strategische Neuausrichtung der Fachärztezentrum Frankfurt GmbH" als Grund, ohne auf Details einzugehen. Sie betonte allerdings auch, dass man nach wie vor darum bemüht sei, einen nahtlosen und bestmöglichen Übergang zu schaffen. Soll heißen: Auch nach der Schließung sollen die derzeitigen Arztpraxen erhalten bleiben. So zumindest die Wunschvorstellung.

Denn ob dieser Plan funktioniert, hängt von zwei Faktoren ab: Zunächst müssen Ärzte gefunden werden, die selbstständig in den Räumlichkeiten, oder vielleicht auch als Gemeinschaftspraxis, tätig sein wollen. Zudem muss der vorhandene Mietvertrag auf die neuen Mieter übertragen werden. Fragen, die bislang immer noch offen sind. "Wir sind aber in intensiven Gesprächen. Es sieht gut aus", versuchte Dr. Rafalea Korte zu beruhigen.

Das funktionierte allerdings nur teilweise, viel zu groß ist die Verunsicherung auf dem Riedberg, künftig keine Gynäkologie, Kinder- und Jugendmedizin sowie Psychotherapie mehr im Stadtteil zu haben. Dies sollte jedoch eigentlich nicht passieren, sagte Korte. Denn die Arztsitze, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) verteilt werden, sollen erhalten bleiben. Wenn auch in einer etwas veränderten Form.

So werden der Psychotherapie und Kinder- und Jugendmedizin jeweils ein Sitz zugeteilt. Der bisher vorhandene halbe Sitz der Neurologie geht derweil auf das Triamedis Ärztehaus am Krankenhaus Nordwest, das ebenfalls zur FÄZ GmbH gehört, über. Dafür würden die eineinhalb Sitze für die Gynäkologie auf zwei "aufgestockt". "Das haben wir so mit der KV besprochen", sagte Korte.

Nun sei die KV am Zug, denn die ab Oktober frei werdenden Sitze seien dort ausgeschrieben worden, aktuell laufe ein Bewerberverfahren. Dazu konnte Korte keine Auskünfte geben, die Befürchtungen der Mitglieder des Ortsbeirates, es gebe keine Bewerbungen, wies sie zurück. "Es gibt Bewerbungen, der Riedberg ist ein attraktiver Standort."

Dr. Dominik Dunsch, der im FÄZ als Kinderarzt arbeite, habe sich allerdings bislang nicht beworben, beantwortete Rafalea Korte die Frage von Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU), die zudem um einen zweiten Sitz für die Kinder- und Jugendmedizin warb. "Es gibt in keinem Frankfurter Stadtteil so viele Familien und Kinder, wie bei uns. Ein Kinderarzt ist nicht ausreichend", sagte. Sorgen, die Korte zwar teilt, aber nicht zerstreuen kann. Denn die Verteilung der Sitze sei schließlich Aufgabe der KV.

Schwer, einen Termin zu bekommen

Sascha Vogel (CDU) beklagte derweil die schlechte Erreichbarkeit des FÄZ. Wochenlange habe er auf einen Rückruf gewartet, dabei sei es nur um eine Terminvereinbarung für seinen Sohn gewesen. "Egal ob per E-Mail oder telefonisch, es ist wirklich sehr schwer, dort mit jemandem zu sprechen", sagte er. Ein Problem, dass Rafaela Korte zwar bestätigte. Allerdings hab dies nichts mit der anstehenden Schließung des Zentrums zu tun. Zwei Mitarbeiter, eine Voll- und eine Teilzeitstelle, wurden deswegen bis Ende September zusätzlich geschaffen. "Wir hoffen, dass es sich jetzt etwas entspannt", sagt sie.

Das hofft auch Dr. Ulrike Embaye, eine der beiden Gynäkologinnen des FÄZ. "Wir arbeiten so viel wir können, haben extra eine Telefonsprechstunde eingerichtet und bitten Anfragen per E-Mail zu stellen. Trotzdem schaffen wir manchmal nicht alles", warb sie um Verständnis. Ob sie sich bei der KV beworben hat und dem Riedberg als Ärztin erhalten bleibt, wollte sie nicht sagen.

Ronald Bieber (Grüne) zeigte sich derweil kritisch gegenüber des "nahtlosen Übergangs", von dem Korte sprach. Was denn passiere, wenn es so nicht funktioniere, wollte er wissen. "Das wird erst bei einer Nicht-Einigung besprochen, wovon ich aber nicht ausgehe", so Korte. jdi

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