Direkt vor dem Hauptbahnhof endete die kurze Flucht der Bankräuber spektakulär. Nun hat der Prozess gegen die Männer begonnen.
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Direkt vor dem Hauptbahnhof endete die kurze Flucht der Bankräuber spektakulär. Nun hat der Prozess gegen die Männer begonnen.

Kriminalität

Bank ausgeraubt in Frankfurt nur aus einer Laune des Augenblicks heraus

  • vonMatthias Gerhart
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Der Prozess nach dem spektakulären Überfall auf die Sparkassen-Filiale in der Düsseldorfer Straße nahe des Hauptbahnhofs Frankfurt beginnt mit Geständnissen der vier mutmaßlichen Tresorknacker aus Berlin. Allerdings werfen ihre Aussagen sogleich Fragen auf.

Frankfurt -Mit einem spektakulären Coup stürzten sie den Frankfurter Feierabendverkehr rund um den Hauptbahnhof in ein vorübergehendes Chaos. Gestern aber zeigten sich die vier Tresorknacker vor dem Landgericht von ihrer artigen Seite. Es wurde nicht viel Aufhebens gemacht - der Prozess hatte kaum begonnen, da legten die zwischen 27 und 35 Jahre alten und allesamt aus Berlin stammenden Männer umfassende Geständnisse ab. Es sei praktisch aus einer Laune des Augenblicks heraus geschehen, dass man mit einer Kennkarte die Eingangstüre zum Tresorraum der Sparkassenfiliale in der Düsseldorfer Straße überwunden und 18 Privatschließfächer systematisch aufgebrochen habe, sagten die Angeklagten übereinstimmend.

Filmreife Szenen

Nachdem bereits einiges an Münzen und anderen Wertgegenständen ausgeräumt war, löste der Alarm aus und die Polizei rückte an. Und damit begannen die filmreifen Szenen rund um den Platz vor dem Hauptbahnhof, der mit der Festnahme von drei der Täter endete. Der vierte konnte bis nach Berlin flüchten, wo er im September vergangenen Jahres festgenommen wurde.

Reichlich Hafterfahrung

Dass die Angeklagten den Bankraub als "Spontantat" darzustellen versuchen, hat natürlich System: Die Staatsanwaltschaft legt ihnen nämlich ein von langer Hand geplantes, "bandenmäßiges" Vorgehen zur Last, was sich in einem möglichen Urteil strafverschärfend auswirken könnte.

Auch zu ihren recht durchwachsenen Lebensläufen äußerten sich alle vier Angeklagten am ersten Verhandlungstag ausführlich. Einer von ihnen hat bereits reichlich Hafterfahrung und sitzt nun bereits seit Corona-Beginn Mitte März mutterseelenallein ohne die Möglichkeit eines Besuches in Untersuchungshaft. Der andere flog irgendwann vom Gymnasium, ein Dritter wurde wegen schlechten Benehmens sogar von der allgemeinen Schulpflicht entbunden. Familien mit bis zu vier Kindern aber haben sie alle.

In der Verhandlung deutete sich bereits an, dass der Prozess schneller als ursprünglich vorgesehen zu Ende gehen könnte. Einer der Verteidiger verzichtete etwa auf die Vernehmung der zahlreichen Bankkunden, die Auskunft über die aus den Schließfächern entwendeten Gegenstände geben sollte. Auch die Augenzeugen der Verfolgungsjagd müssen wohl nicht alle kommen - mit Ausnahme der drei Personen, die bei der Aktion verletzt wurden. Der 28 Jahre alte Mitangeklagte, der das Fluchtfahrzeug gesteuert hatte, erwarb sich bereits am Tattag im August vergangenen Jahres zweifelhafte Anerkennung im Kreise der vielen Zeugen: Es sei einfach tolldreist gewesen, wie er über eine stark frequentierte Kreuzung gerast sei.

Bislang sind fünf weitere Verhandlungstage bis Ende des Monats geplant.

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