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Jeden Abend volles Haus: Alle acht Festival-Abende waren seit Wochen ausverkauft.

Grüne Soße Festival

Im Bann der sieben Kräuter

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Eine Woche lang stritten 49 Gastronomen um das beste Grüne-Soßen-Rezept vom Main. Das Publikum wählte die Rezeptur von Rolf Wagner zur besten Soße des Jahres.

Kaum war die letzte Kartoffel verspeist, das letzte Ei gepellt und das letzte Gläschen Grüne Soße ausgelöffelt, da breitete Schlagersänger Roy Hammer seine Arme aus, blickte hinauf zum Zeltdach und sang den alten Hit von Hildegard Knef, den er für sein Frankfurter Publikum umgedichtet hatte: „Für Euch soll’s Grüne Soße regnen“. Der Schlagersong hallte am Samstagabend durchs Festzelt auf dem Roßmarkt, und so mancher Gast hielt tatsächlich seinen leeren Teller in die Höhe in der Hoffnung auf Nachschub von oben.

Am liebsten hätten die 560 Final-Besucher des „Grünen Soße Festivals“ einen Regenschauer der Kräutersoße von Ralf Wagner von der Sachsenhäuser Apfelweinwirtschaft Wagner gehabt. Denn dessen Soße wurde vom unbestechlichen Publikum nach acht Festivalabenden aus 49 verschiedenen Rezepturen zur besten Grünen Soße des Jahres 2015 gewählt.

Zum achten Mal wurde auf dem Roßmarkt beim Festival das Frankfurter „Nationalgericht“ gefeiert. Eine Woche lang stritten die Gastronomen um das beste Grüne-Soßen-Rezept vom Main. An jedem Abend der vergangenen sieben Tage waren jeweils sieben Teams zusammengekommen, die ihre Kräutersoße präsentierten und anonymisiert kredenzten. An jedem Abend bestimmte das Publikum einen Tagesgewinner – und diese sieben Etappensieger stiegen am Samstagabend zum großen Finale noch einmal mit Schürze und Kochlöffel in den Ring.

Als letzter Tagessieger hatte sich am Freitagabend die Frankfurter Apfelweinbotschaft durchgesetzt. „Das ist eine große Bürde“, erklärte Moderator Anton Le Goff, in dessen Rolle wie gewohnt Festival-Erfinderin Maja Wolff geschlüpft war: „Da muss man über Nacht noch einmal 50 Liter Grüne Soße zaubern.“ Und während die Feinschmecker am Finalabend gespannt auf die Verkündung des Gewinners warteten, tänzelte Roy Hammer mit seinem Bembel-Hut über die große Bühne und gab gemeinsam mit seinem Kompagnon Trude Blume ein Schlager-Medley zum Besten.

Für das Finale konnten sich die Apfelweinwirtschaft Adolf Wagner, der Waldgasthof Gundelhard, die Gerbermühle, die Frankfurter Apfelweinbotschaft, die Friedberger Warte, das Restaurant Döpfner’s im Maingau und Müllers Bürgerhaus aus Rodheim qualifizieren. Die Erwartungen und Hoffnungen der Gastronomen waren groß; schließlich gibt es als Frankfurter Koch doch kaum einen ehrenvolleren Titel zu gewinnen, als den des besten Grüne-Soßen-Königs.

Nachdem die „Preußen“ vom Polizeichor das Publikum mit dem Frankfurter Klassiker „Die Fraa Rauscher aus de Klappergass“ begrüßt hatten, Moderator Le Goff dem David-Bowie-Hit „Space Oddity“ ein paar Zeilen über das Geheimnis der Grünen Soße hinzugedichtet und Stefanie Kunkel als „Hilde aus Bornheim“ im Saal ein paar „Schnippelsche Flaaschworscht“ verteilt hatten, wurden schon bald die kleinen nummerierten Gläschen auf die Tische gestellt. Das Publikum löffelte flott und urteilte gewissenhaft.

„Das ist gar nicht so leicht“, fand Elke Heidner aus Rüsselsheim. „Die schmecken ja alle sehr gut!“ In der Tat: Zwar unterschieden sich die sieben Final-Soßen in Farbe, Konsistenz und natürlich auch im Geschmack – doch eine beste Soße? „Das ist verdammt schwer“, fand Heidner.

Bald wurde das Gemurmel an den Tischen lauter, die Stimmkarten wurden eingesammelt, über die Favoriten gerätselt. „Für mich ist Gläschen Nummer 1 ganz klar die Nummer eins, schön sämig und nicht zu sauer“, urteilte der Hofheimer Jörg Meurer, während er ein letztes Mal seine Kartoffel ins Gläschen tunkte.

Kurz vor der Verkündung des Festivalsiegers versteigerte Le Goff ein handbemaltes Enten-Ei, zur Unterstützung der Clowndoktoren. 500 Euro kamen zusammen, und der Moderator war aus dem Häuschen: „Das ist fantastisch!“

Gegen 23 Uhr wurde es ernst, und die sieben Teams eilten auf die Bühne. Am Ende konnte sich die Mannschaft der Gerbermühle über den dritten Platz freuen, der Waldgasthof Gundelhard über den zweiten Rang. Ralf Wagner stand bereits zum dritten Mal im Finale, diesmal ging er endlich als Sieger von der Bühne: „Ich bin überglücklich“, rief er dem Publikum entgegen – und reckte die Fäuste in die Luft.

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