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Nicht jeder Defekt muss gleich zum Neukauf des Toasters führen. Dominik Peper weiß, wie der Elektroschrott-Berg ein bisschen schrumpfen könnte.

Sachsenhäuser Stadtteilbotschafter

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Sachsenhausen hat einen neuen Stadtteilbotschafter. Dominik Peper will die Sachsenhäuser dazu bringen, alte Elektrogeräte nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie zu reparieren. Und sich, ganz nebenbei, auch noch besser kennenzulernen.

Dominik Peper hat sich hohe Ziele gesetzt. Als neuer Stadtteilbotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft will er Sachsenhausen nicht nur nach Möglichkeit einen neuen regelmäßigen Termin im Kalender schenken, sondern seine Mitmenschen und Nachbarn im Stadtteil auch für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren – und zwar mit einem „Repaircafé“. „In anderen Städten ist das viel verbreiteter als in Frankfurt“, sagt er.

„Repaircafés“ sind regelmäßige Treffs, zu denen Menschen mit ihren kaputten Elektrogeräten kommen und diese reparieren können. „Wir werden oft verleitet, Dinge einfach wegzuwerfen, obwohl das überhaupt nicht notwendig ist“, sagt der 26-Jährige. Denn: Mit ein bisschen Wissen könne fast jeder sich selbst helfen und liebgewonnene Elektrogeräte, die jedoch im Laufe der Zeit so ihre Macken entwickelt haben oder auch einfach nicht mehr funktionieren, zu einem zweiten Leben verhelfen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern entlastet zudem auch noch die Umwelt.

Wie das funktioniert, weiß Peper, der Maschinenbau an der Technischen Universität in Darmstadt studiert hat, inzwischen sein Geld in einem Unternehmen für Medizintechnik verdient und seit rund einem Jahr in Sachsenhausen wohnt, ganz genau. „Wenn die Menschen von Experten ein bisschen Anleitung bekommen und dabei lernen, selbst etwas zu reparieren, dann müssen viele defekte Geräte nicht weggeworfen werden“, sagt er und hat auch schon Erfahrung. Zuletzt habe er erst die Kaffeemaschine in der heimischen Wohngemeinschaft wieder flott gemacht.

41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott sind laut einer Untersuchung der United Nations University 2014 weltweit angefallen. Der größte Elektroschrottproduzent sind die Vereinigten Staaten mit 7,1 Millionen Tonnen. Die Deutschen steuern insgesamt 1,8 Millionen Tonnen zum weltweiten Elektroschrott-Berg bei. Das macht 21,6 Kilogramm pro Einwohner.

Sein geplantes Repaircafé versteht Peper als „Hilfe zur Selbsthilfe“, um die Abfallflut ein bisschen einzudämmen. Und als einen Beitrag zum sozialen Miteinander im Stadtteil. „Da kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen in Kontakt. Die Leute lernen sich kennen“, sagt Peper.

Noch fehlen dem neuen Sachsenhäuser Stadtteilbotschafter die für sein Projekt notwendigen fachkundigen Helfer und ein fester Ort, an dem das „Repaircafé“ regelmäßig öffnen kann. „Für den Anfang vielleicht alle drei Monate, später möglicherweise auch monatlich“, sagt Peper. Thematische Schwerpunkte sollen die Treffen bestimmen. „Da kann es dann einmal ganz allgemein im Schwerpunkt um Elektronik gehen, ein andermal um den Computer oder auch das Fahrrad“, sagt er. Einen großen Werkzeug-Vorrat benötigt er wohl erst einmal nicht. „Viele der Experten, die sich in solchen Projekten engagieren, bringen zu den Terminen gerne ihr eigenes Werkzeug mit.“

Erfahrung mit einem ähnlichen Projekt konnte der neue Stadtteilbotschafter bereits während seiner Zeit an der Hochschule in Darmstadt sammeln. „Da haben wir eine Fahrradwerkstatt aufgebaut. Die ist sehr gut angelaufen und existiert auch noch bis heute“, berichtet Peper.

Hilfe bei der Umsetzung seines Projektes bekommt er als Stadtteilbotschafter von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die unterstützt mit dem Förderprogramm seit 2007 junge Menschen, die sich gerne gemeinnützig für ihren Stadtteil einsetzen möchten. Die Stiftung hilft bei der Umsetzung der Ideen mit bis zu 3000 Euro. Außerdem organisiert die Stiftung Qualifizierungs-Seminare in Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit.

Dominik Peper hofft nun aber erst einmal, von den Kontakten, die sich über das Stadtteilbotschafter-Programm für ihn ergeben, bei der Standortsuche profitieren zu können. „Ein paar neue Kontakte konnte ich schon knüpfen. Mal sehen was daraus wird“, berichtet er. Wenn alles gut geht, will Peper noch für den Herbst dieses Jahres einen ersten Termin für ein „Repaircafé“ ansetzen.

Wer Dominik Peper unterstützen möchte, erreicht ihn per E-Mail an rothe@stadtteilbotschafter.de.

(göc)

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