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Eine minimale Abweichung kann bei einem Distanzschuss verheerende Folgen haben, deshalb muss Büchsenmacher und Waffenmechaniker-Meister Bastian Grützner (35) stets hochkonzentriert sein. Hier nimmt er die klassische Polizei-Dienstpistole, eine HK P30 V2, ins Visier.

Sicherheit

Bastian Grützner leitet die Waffenwerkstatt der Polizei und darf wirklich gar nichts übersehen

Tausende von Pistolen, Gewehren und Flinten nehmen Bastian Grützner und seine Mitarbeiter pro Jahr in die Hand. Im Polizeipräsidium kümmern sie sich um die Schusswaffen ihrer Kollegen. Ein Job mit Verantwortung.

Wer in Ruhe einen Krimi oder Actionfilm gucken will, der setzt sich am besten nicht mit Bastian Grützner vor den Fernseher oder ins Kino. Denn sonst ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der Film-Genuss durch etliche Kommentare unterbrochen wird: „Der kann doch mit dieser Pistole keine 15 Patronen abfeuern.“ Oder: „So weit kann der doch mit diesem Gewehr gar nicht schießen.“

Bastian Grützner muss das wissen, schließlich leitet er die Waffenwerkstatt im Frankfurter Polizeipräsidium. Er und seine Mitarbeiter kümmern sich nicht nur um sämtliche Schusswaffen in den mehr als 100 Polizeidienststellen in Frankfurt und Südhessen sowie von der Frankfurter Stadtpolizei. Auch Waffen von Angestellten in den Justizvollzugsanstalten Preungesheim, Weiterstadt und Darmstadt werden in der Werkstatt einmal jährlich überprüft, gewartet und gegebenenfalls repariert.

Pistole aus 52 Teilen

Bastian Grützner und seine Mitarbeiter sind für insgesamt 7500 Schusswaffen zuständig: für Maschinenpistolen ebenso wie für Sturmgewehre, Flinten und natürlich die Standardwaffe der Polizisten, die Pistole P30 V2 von Heckler & Koch, die übrigens aus 52 Einzelteilen besteht. Aber auch für jenes gut ein Meter lange Präzisionsschützengewehr mit einem Gewicht von etwa 4,5 Kilogramm, das von Spezialeinsatzkommandos benutzt wird und das gerade in der Waffenkammer darauf wartet, gecheckt zu werden. Auf bis zu 800 Meter belaufe sich die effektive Reichweite dieser Schusswaffe, sagt der gelernte Büchsenmacher: „Das Geschoss kann aber bis zu dreieinhalb Kilometer fliegen.“ Auf den ersten Blick sieht die gut 200 Quadratmeter große Werkstatt im Untergeschoss aus wie ein normaler feinmechanischer Betrieb: An den Werkbänken sind Schraubstöcke montiert, in den Schubladen warten fein säuberlich nebeneinander gelegte Feilen, Schraubendreher, Schraubenschlüssel, Hämmer, Lineale, Feilen und Reinigungsbürsten auf ihren Einsatz. Bei näherem Hinsehen fallen einige ungewöhnliche Gerätschaften auf. Etwa die Dummy-Patronen auf einem Arbeitsplatz, mit denen überprüft wird, ob eine Waffe richtig funktioniert. Oder das 1750 Gramm schwere Gewicht für den Rückholfeder-Check. Damit, sagt Bastian Grützner, könne man testen, ob die Rückholfeder in den Pistolen korrekt arbeitet.

Präzision auf Distanz

Ordnung ist dem 35-Jährigen wichtig. Dass er bei manchen Kollegen als pingelig gilt, nimmt er mit einem Achselzucken hin. Schließlich trügen er und seine Mitarbeiter eine große Verantwortung, sagt er. Würde ihnen bei Wartung und Reparatur ein Fehler unterlaufen, könnte sich das später im Einsatz verheerend auswirken. Gerade bei Präzisionsschützengewehren summierten sich winzige Ungenauigkeiten auf längere Distanzen, sagt der Werkstattleiter: „Da ist es wichtig, präzise und penibel zu arbeiten.“ Was nicht heißt, dass mit anderen Schusswaffen weniger sorgfältig umgegangen wird. „Hier wird jede Waffe gleich behandelt“, sagt Alexander Keil, Sachgebietsleiter für Einsatztraining und Waffenwerkstatt. Bastian Grützner nickt bestätigend: „Was hier rausgeht, muss wirklich passen.“ Auch Sicherheitsvorschriften spielen in der Werkstatt eine große Rolle. Ein unbeabsichtigt ausgelöster Schuss könnte schließlich schlimme Folgen haben. Niemals würde er etwa eine geschlossene Waffe in die Hand nehmen, ohne sofort das Magazin herauszunehmen, sagt Grützner. Im zweiten Schritt öffnet er das Gerät, um eine eventuell im Rohr steckende Patrone zu entfernen. „Erst dann kann ich mit der Waffe hantieren.“ Die größte Gefahr bei der Arbeit liege gehe aber nicht unbedingt von der Waffen aus, sagt er. Sondern eher davon, dass sich eine gewisse Routine einschleiche und so die Konzentration verloren gehe. Deshalb gilt in der Werkstatt neben allen anderen Vorschriften ein Motto, Bastian Grützner formuliert es so: „Immer schön bei der Sache bleiben, damit nichts passiert.“

von BRIGITTE DEGELMANN

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