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Baubeginn ohne Baugenehmigung

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Beim Umbau des Philosophicums sind alle Probleme mit dem Denkmalschutz geklärt. Von den 239 geplanten Studentenwohnungen werden 32 dank öffentlicher Förderung preisgünstig sein.

Es herrschte reges Treiben vor einigen Tagen im Philosophicum auf dem alten Universitäts-Gelände an der Gräfstraße in Bockenheim. Rudolf Muhr, der das denkmalgeschützte Seminargebäude in ein Apartmenthaus für Studenten verwandeln will, hatte zur Feier des Baubeginns eingeladen. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) war da, Mitarbeiter der Verwaltung, und auch die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) schaute vorbei.

So richtig offiziell losgehen mit dem Bau darf es aber noch nicht. Der Bauantrag ist eingereicht, jedoch noch nicht genehmigt. Im Kürze sei damit zu rechnen, heißt es aus dem Planungsdezernat. Muhr aber, Unternehmer aus dem sauerländischen Attendorn, drückt aufs Tempo. Schon in einem Jahr sollen die ersten Apartments vermietet werden. 27 Millionen Euro investiert Muhr insgesamt.

Es sah nicht immer so aus, als könnte der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden. Muhr hatte sich mit dem Architekten Stefan Forster überworfen, wollte die Zusammenarbeit beenden. Dabei dürfte Forster einer der Gründe gewesen sein, warum Muhr beim Verkauf des Philosophicums durch die städtische ABG Holding den Zuschlag bekommen hat. Dem Wohnungsbauexperten wurde zugetraut, mit der schwierigen Immobilie und dem Denkmalschutz klarzukommen.

Erscheinungsbild bleibt

Muhr arbeitet nun doch weiter mit Forsters Büro zusammen. Und tatsächlich wurden mittlerweile alle Denkmalschutz-Probleme gelöst. Die aus den 50er Jahren stammende Fassade wird komplett entfernt und durch eine neue ersetzt, die nach den neusten Vorschriften gedämmt ist. Das äußere Erscheinungsbild soll sich nicht ändern.

Mit einer Ausnahme: An der Westseite ist ein fünfgeschossiger Anbau geplant, in dem 64 der insgesamt 239 Apartments untergebracht sind. Dadurch soll nicht nur die Gebäudeflucht an der Gräfstraße geschlossen werden, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts erhöht werden. Der Neubau bekommt keine der heute weit verbreiteten Standard-Fassaden mit Styropor-Dämmung. Vielmehr orientieren sich die beigefarbenen Klinker optisch am Altbau, der vom damaligen Universitäts-Baumeister Ferdinand Kramer entworfen wurde.

Nächstes Objekt im Blick

Kramer hatte ein flexibles Gebäude im Kopf, das auch anders genutzt werden kann als für Forschung und Lehre. Dieses Konzept zahlt sich jetzt aus, die 23 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Apartments passen genau in das Raster des Stahlskelett-Baus. Wie hoch die Miete sein wird, steht noch nicht fest. Klar ist nur, dass bei 32 Wohnungen die Warmmiete 350 Euro monatlich nicht überschreiten darf. Sie sind nämlich mit städtischen Mitteln gefördert. Für 20 Jahre gilt die Mietpreisbindung, und vermietet werden dürfen die Zimmer nur an Studenten Frankfurter Hochschulen. Zum Vergleich: In der Studenten-Wohnanlage „Headquarter“ in der Adalbertstraße in Bockenheim liegt die Warmmiete zwischen 400 und 640 Euro.

Studenten-Apartments gelten derzeit als lukrative Investition. Rudolf Muhr hat schon das nächste Objekt im Blick. Am kommenden Montag ist Baubeginn für 332 Studenten-Wohnungen auf dem ehemaligen Gelände der Bundesanstalt für Ernährung in der Adickesallee.

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