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Ehemaliges Domizil der ?Freunde Frankfurts?: Fachwerkhäuschen in der Schellgasse 8.

Frankfurts ältestes Fachwerkhaus steht seit zwei Jahren leer

Baudenkmal im Dornröschenschlaf

Seit dem Auszug der „Freunde Frankfurts“ wartet das 1292 erbaute Fachwerkhaus in der Schellgasse auf neue Nutzer. ABG Frankfurt Holding, der das historisch wertvolle Gebäude gehört, hofft weiterhin auf zahlungskräftige Mieter. Ein Bauhistoriker schlägt unterdessen eine andere Lösung vor.

Eher unscheinbar wirkt das Schellgassen-Häuschen, versteckt zwischen großen Wohngebäuden an der Walter-Kolb-Straße in Sachsenhausen. Es stand dort schon, als es die stark befahrene Straße noch lange nicht gab: Ende des 13. Jahrhunderts. Es ist eines der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands – das älteste Frankfurts allemal. Doch seit zwei Jahren befindet es sich im Dornröschenschlaf.

Eigentümerin des Baudenkmals ist die ABG Frankfurt Holding, eine städtische Immobiliengesellschaft. Bis 2015 hatte sie das Schellgassenhäuschen an die „Freunde Frankfurts“ vermietet. Doch der Geschichts- und Kulturverein zog 2015 aus. Seitdem versucht die ABG einen neuen Mieter zu finden. Bisher ohne Erfolg.

„Wir konnten uns die Heizkosten und die gestiegene Miete nicht mehr leisten“, sagt Barbara Deppert-Lippitz, geschäftsführende Vorsitzende der „Freunde Frankfurts“. Außerdem sei es wegen strengerer Brandschutzauflagen und zu wenigen Toiletten für größere Veranstaltungen kaum mehr geeignet gewesen. Doch ihr Herz hängt immernoch an dem einstigen Vereinsdomizil: „Man könnte etwas Entzückendes daraus machen. Allein der Keller ist faszinierend“, schwärmt Deppert-Lippitz. „Nur wären dafür Investitionen notwendig.“

Dem widerspricht ABG-Chef Frank Junker: „Das Gebäude ist in einem guten Zustand und sofort nutzbar.“ Seine Mitarbeiter seien derzeit mit mehreren Interessenten im Gespräch. Mehr war zu möglichen künftigen Mietern nicht zu erfahren.

Einen etwas anderen Vorschlag hat Ulrich Klein. Der Bauhistoriker aus Marburg hat das ältestes Fachwerkhaus Frankfurts ausgiebig untersucht, bevor es Ende der 1980er Jahre saniert wurde. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass es eine Außenstelle des Historischen Museums Frankfurt wird“, sagt Klein nun. „Damit würde man der Bedeutung des Gebäudes gerecht werden und die Öffentlichkeit könnte sich dort aus erster Hand über mittelalterliche Baukunst informieren.“ Er halte es für schwierig, einen privaten Mieter zu finden. Denn um es angemessen zu nutzen, etwa als Galerie, liege das Gebäude seiner Meinung nach zu versteckt.

Mit der Geschichte des Schellgassen-Häuschen kennt sich Klein nach wie vor gut aus. 1292 sei es zunächst als Scheune errichtet worden. Dieses Datum habe man anhand des verwendeten Eichenholzes bestimmen können, erklärt der Experte. „Da Eiche frisch verbaut wird, entspricht das Alter des Holzes auch dem des Gebäudes.“

Im 14. Jahrhundert sei die Scheune dann in ein Wohnhaus umgewandelt worden. Ursprünglich sei es doppelt so groß gewesen. „Eine Gebäudehälfte wurden in den 1920er Jahren abgerissen“, so Klein.

Die baugeschichtliche Bedeutung des Hauses wurde erst in den 1970er Jahren erkannt. Denn die mittelalterliche Holzkonstruktion war hinter einer Schieferverkleidung versteckt. Um es als Baudenkmal zu erhalten, kaufte die städtische Wohnungsbaugesellschaft das Fachwerkhaus und richtete darin Galerie- und Ausstellungsräume ein, die der Verein „Freunde Frankfurts“ lange Jahre nutzte.

Die Befürchtung, dass der nun schon zwei Jahre andauernde Leerstand den Bestand des mittelalterlichen Hauses gefährden könnte, teilen die Verantwortlichen nicht. „Es befindet sich in gutem Erhaltungszustand“, heißt es in einer aktuellen Antwort des Magistrats auf eine Stadtverordnetenfrage zur Schellgasse 8. „Anzeichen für einen Verfall sind nicht ersichtlich.“

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