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?Lebendiges Wohnen zwischen den Generationen?: So könnte das genossenschaftliche Gebäude an der Triftstraße einmal aussehen. Entwurf: bb22 architekten + stadtplaner

Triftstraße

Baugemeinschaft wartet auf den Startschuss ihres Wohnprojekts

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Auf einer städtischen Brachfläche an der Triftstraße will eine Baugenossenschaft alternative Wohnformen verwirklichen. Der Magistrat muss dem Grundstücksvertrag noch zustimmen. Eigentlich nur eine Formalie, doch hinter vorgehaltener Hand werden Bedenken geäußert.

Einige Niederräder sind der Einladung am Reformationstag gefolgt. Auf dem Grundstück an der Triftstraße gibt es Kuchen, Kaffee und eine Stellwand mit Bauplänen. Die Bauherrengemeinschaft Wohngeno will mit der Nachbarschaft ins Gespräch kommen. „Es ist unser Schritt auf Niederrad zu“, sagt Vorstandsmitglied Joachim Lölhöffel zur Begrüßung. Doch zum InfoNachmittag auf dem Baugrundstück, einer mit Gras, Büschen und wenigen Bäumen bewachsenen Brache, sind nicht nur Befürworter des Wohnprojekts gekommen.

Seit Jahren wird über das geplante Mehrgenerationenhaus gesprochen, immer wieder gab es Verzögerungen. Viele Anwohner fragen sich, was sie von den Beteuerungen, nun werde bald der Bagger anrücken, halten sollen. „Alle halbe Jahre machen die eine Veranstaltung“, sagt eine Niederräderin. „Aber hinterher sind wir genauso ratlos wie vorher.“ Ihre Bekannte stimmt zu: „Das ist alles keine Art, wir sind doch keine Hippiekommune.“

Tatsächlich ist das genossenschaftliche Projekt inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Arbeiten wirklich bald beginnen könnten. Es gab zuletzt Nacharbeiten wegen neuen Brandschutzanforderungen, doch nun ist alles geklärt, die Baugenehmigung liegt vor.

56 Wohnungen sollen entstehen. Das Konzept ist anspruchsvoll. Variable Grundrisse und Gemeinschaftsräume sollen „lebendiges Wohnen zwischen den Generationen und den vielen unterschiedlichen Lebenswelten in der Stadt“ ermöglichen. Wer einziehen will, muss Genossenschaftsmitglied werden. Ein erstes, kleineres Projekt der Wohngeno am Riedberg zeigt bereits, dass diese Idee funktionieren kann.

In Niederrad gilt es allerdings noch eine letzte Hürde zu nehmen. Der Erbpachtvertrag mit der Stadt Frankfurt, welcher das Grundstück gehört, muss verlängert werden. Wegen der Verzögerungen ist die darin festgesetzte Baufrist verstrichen. Der Magistrat soll demnächst darüber entscheiden. Wohngeno-Vorstand Lölhöffel geht davon aus, dass die Zustimmung der Stadtregierung nur noch eine Formalie ist. In der Stadtverwaltung gibt es allerdings auch Bedenken.

„Wir überlassen das Grundstück dieser Genossenschaft und haben hinterher keinen Einfluss mehr darauf, wer dort einzieht“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Der Grund für die Besorgnis: Es gibt alte Verbindungen zwischen dem Wohngeno-Vorstand und dem Bockenheimer „Café Exzess“. Das linke Kulturzentrum gehört der Stadt Frankfurt und wird seit 1996 an einen Verein vermietet. Da sich dort auch gewaltbereite Extremisten treffen, geriet es in die Kritik (wir berichteten).

In der Anfangszeit hatten sowohl Joachim Lölhöffel als auch seine Lebenspartnerin Anne Lamberjohann mit dem „Café Exzess“ zu tun. Beide sind im Vorstand der Wohngeno aktiv.

Lölhöffel unterschrieb im Jahr 1996 als Geschäftsführer der Wohnbund Frankfurt Entwicklungsgesellschaft eine Modernisierungs- und Instandsetzungsvereinbarung. „Wir haben das ehemalige Schwanenkino umgebaut, Schallschutz, Fenster und so weiter“, sagt der Stadtplaner. „Sonst hatten wir nichts damit zu tun.“

Anne Lamberjohann ließ sich damals in den Vorstand des Vereins wählen, der das „Café Exzess“ bis heute betreibt. Zumindest tritt dieser Verein immer noch gegenüber der Stadt als Mieter auf. „Ich bin seit 22 Jahren nicht mehr in dem Verein tätig“, sagt Lamberjohann. Eine Verbindung zwischen dem linken Szenetreffpunkt und ihrem Wohnprojekt in Niederrad bestehe in keiner Weise, betonen beide auf Anfrage.

Das Mehrgenerationenhaus an der Triftstraße soll zum Vorbild für weitere Projekte in Frankfurt werden, so der Wunsch der Wohngeno. „Wir wollen zeigen, wie man Wohnbau anders betreiben kann“, sagt Lölhöffel. Dazu zähle auch, sich dem Stadtteil zu öffnen. Ins Erdgeschoss sollen Nutzer einziehen, von denen alle Niederräder etwas haben. Ideen werden noch gesucht. Einen Vorschlag bringt Lölhöffel vom Informations-Nachmittag bereits mit: „In Niederrad fehlt ein Kinderarzt.“

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