Ein Blick durchs Dachfenster der Riedels: Am neuen Henninger-Turm wird kräftig gearbeitet ? das sieht man nicht nur, das hört man auch.
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Ein Blick durchs Dachfenster der Riedels: Am neuen Henninger-Turm wird kräftig gearbeitet ? das sieht man nicht nur, das hört man auch.

Seit Jahren ist das Ehepaar Riedel dem Gedröhn ausgesetzt

Baulärm in Sachsenhausen zerrt an den Nerven

  • VonJanina Raschdorf
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Das Wetter lockt derzeit viele Frankfurter in den Garten – nicht so das Ehepaar Riedel. In ihrem nämlich tobt der Baulärm.

Es poltern die Bagger, es rattert die Rüttelwalze. Im Minutentakt rauschen Radlader die Straße entlang. Die Flugzeuge gleiten im Vergleich beinahe geräuschlos über die Hausdächer hinweg. Schrill kreischt an diesem sonnigen Montagmorgen eine Flex, schneidet Baustahl zurecht – und sägt Ursula Riedel gehörig an den Nerven. Seit 1963 bewohnt sie ein liebevoll eingerichtetes Häuschen im Wendelsweg, ihr Mann Raimund hat es bereits 1958 bezogen. „Eigentlich fühlen wir uns hier sehr wohl“, versichern beide. „Aber der permanente Baulärm ist mitunter ausgesprochen anstrengend.“

Die Riedels wohnen in unmittelbarer Entfernung zum einstigen Gelände der Henninger-Brauerei. Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen: Das 87 Meter hohe Getreidesilo wurde bereits im Sommer 2013 abgerissen. Am 15. Juni des Folgejahres wurde dann mit dem Bau der Betonplatte für ein 140 Meter hohes Wohnhochhaus begonnen. Mittlerweile steht er, der Turm, der sich architektonisch an seinem Vorgänger orientiert. Bald soll der Innenausbau beginnen. „Er sieht eigentlich recht hübsch aus“, finden die Riedels. Auch an dem nahe gelegenen, vor einem Jahr fertiggestellten Wohnkomplex im Hainer Weg findet das Ehepaar Gefallen. „Das Areal, das nun bei uns entsteht, soll dem dortigen gleichen“, stellen die beiden fest.

Ein notwendiges Übel

Überhaupt wollen sie sich gar nicht groß beschweren: „Die Menschen sind immer am Nörgeln, wenn in unmittelbarer Nähe gebaut wird, aber irgendwo muss er ja entstehen, der neue Wohnraum“, findet Raimund Riedel. „Eigentlich ist der Bauunternehmer sehr verständnisvoll und kooperativ“, ergänzt seine Frau. Ein, zwei Mal habe sie bereits angerufen, um daran zu erinnern, dass die Ruhezeiten eingehalten werden müssen. „Dann haben die Arbeiter prompt reagiert, ihre Tätigkeit umgehend eingestellt, es herrschte augenblicklich Ruhe.“

Und doch ist der Lärm auf Dauer belastend. Frau Riedel berichtet: Im November 2015 wurde zunächst der Felsengrund ausgeschachtet. „Die Arbeiter schredderten zudem den Bauschutt.“ Allein die Erinnerung lässt sie die Lippen zusammenpressen, die Stirn in Falten legen. „Das war ein Höllenlärm, die Fenster haben vibriert, die Türen gewackelt.“ Fast fünf Monate laufen die Arbeiten seither. Derzeit wird das Parkdeck fertiggestellt. An die 20 Menschen sind im Einsatz.

Keine Angaben

„Wir beobachten natürlich ganz genau, was sich auf der Baustelle tut“, sagt Frau Riedel. Allerdings – so findet wiederum ihr Mann – würden sie nicht ausreichend über die Fortschritte informiert. Weil Riedel bis zu seiner Pensionierung selbst auf Baustellen gearbeitet hat, kennt er sich ganz gut aus. „Ich denke schon, dass sich die Arbeiten noch bis ins Jahr 2019 ziehen werden“, so seine Einschätzung. „Aber offiziell haben wir diesbezüglich nie auch nur einen Hinweis erhalten.“ Auch auf Anfrage dieser Zeitung verweigert der Bauträger „Actris Henninger Turm GmbH“ die Auskunft über den Zeitplan. Für die Riedels ist diese Ungewissheit überaus ärgerlich. „Gewiss ließe sich der Baulärm leichter ertragen, wenn ein deutliches Ende in Sicht wäre“, stellen sie fest.

Wer in Frankfurt ein Gärtchen besitzt, nutzte das gestrige Wetter, um die frühlingshaften Sonnenstrahlen einzufangen. Das Ehepaar Riedel aber verbarrikadierte sich zum Wochenauftakt im Haus. Vom Wohnzimmer aus betrachtete es durch das geschlossene Fenster die drei Baukräne: „Der rechte ächzt besonders ätzend“, stellte Raimund Riedel leicht genervt fest. „Wenigstens haben wir nächstes Wochenende wieder eineinhalb Tage Ruhe.“

Wieder gibt es Ärger an einer Baustelle in Sachsenhausen: Diesmal an einer Dauerbaustelle im Hainer Weg. Anwohner sind genervt von dem Verkehrschaos in der Baustelle.

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