+
Direkt neben der Haltestelle am Fernbusbahnhof und an der Baustelle steht ein einsames Pissoir und gibt keine gute Visitenkarte von Frankfurt ab.

Bahnhofsviertel

Bauphase am Busbahnhof: Ungemütliche Übergangszeit

  • schließen

Über 300 An- und Abfahrten gibt es täglich am Busbahnhof im Bahnhofsviertel. Tausende Reisende steigen ein, aus und um, wo ringsum immer noch gebaut wird, wenige Unterstände vor dem Wetter schützen und fehlende Toiletten für Ärger sorgen. Während die Stadt sich um Lösungen kümmert, arrangieren sich die Fahrgäste mit der Situation.

Es geht hektisch zu an diesem Mittwochmittag an der Südseite des Hauptbahnhofs. Die grünen Busse von Flixbus warten nicht nur an den drei fertigen Bussteigen an der Stuttgarter Straße, sondern aus Platzmangel auch an den umliegenden Haltestellen. Reisende nach Berlin, München und Köln tummeln sich auf dem Vorplatz, haben es sich auf ihrem Gepäck bequem gemacht, die wenigen Unterstände sind wegen des sonnigen Wetters ausnahmsweise nicht ganz so gefragt. Ein Mitarbeiter des Busunternehmens lotst eine Gruppe Reisender über die Mannheimer Straße zum richtigen Fahrzeug. Dass der Busbahnhof derzeit Teil einer Baustelle ist, ist dabei nicht zu übersehen.

In den städtischen Gremien wird das Thema intensiv besprochen. Im November stimmte die Stadtverordnetenversammlung einer Anregung der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) zu, nach der Toiletten und Unterstände als provisorische Lösung bis zum Abschluss der Bauarbeiten geschaffen werden. Bisher ist außer zwei mobilen Unterständen allerdings noch nichts passiert, die Mitarbeiter und Fahrer der Busunternehmen sowie Fahrgäste nutzen, sofern möglich, die Toiletten der nahe gelegenen Hotels. Weniger Rücksicht nehmen Einzelne, die das neue Parkhaus als Toilette und Mülleimer benutzen – mit den entsprechenden Gerüchen. Auch das einsame Dixi-Pissoir auf dem Gelände wird vorerst nicht verhindern, dass die Stadt weiterhin mehrmals täglich Reinigungskräfte hierher schicken muss.

Der Umbau des zentralen Busbahnhofs ist Teil eines komplexen Entwicklungsprojekts, das derzeit von Immobilieninvestor CA Immo umgesetzt wird. „Wir wissen um die Probleme“, erklärt Sprecher Markus Diekow, der dennoch betont, dass die Bauarbeiten im Zeitplan liegen: „Die ersten drei Bussteige wurden bereits Ende 2017 fertiggestellt, die weiteren elf folgen, wenn die Verkehrsgesellschaft Frankfurt im Frühsommer die ungenutzten Straßenbahngleise auf dem Gelände zurückgebaut hat.“ Spätestens Anfang 2019 soll alles fertig sein und an den Betreiber, die Parkhaus-Betriebsgesellschaft, übergeben werden. Wartebereich, Ticketverkauf und Toiletten werden dann ins Erdgeschoss des neuen Intercity-Hotels integriert, an dessen Rohbau neben dem Busterminal ebenfalls weiter gearbeitet wird.

Der Anbieter, der täglich die meisten der Verbindungen ab, nach und über den Frankfurter Fernbusbahnhof anbietet, ist die Firma Flixbus, die rein rechtlich nichts mit der Infrastruktur des Terminals zu tun hat. „Haltestellen liegen oft in privater oder öffentlicher Hand und somit liegt die Verantwortung auch dort“, erklärt ein Sprecher des Münchner Unternehmens.

Dennoch sei der Fernbusbetreiber offen, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Lösungen für die Übergangszeit zu finden. Denn auch wenn die Fahrgastzahlen bei Fernbusreisen in Frankfurt stabil sind, wie Flixbus betont, die Reisenden merkten, dass am Frankfurter Busbahnhof noch nicht alles reibungslos läuft. „Etwas chaotisch ist es hier schon“, sagt der 24-jährige Philippe, der unterwegs von Straßburg nach Berlin eine halbe Stunde Umsteigezeit hat. „Insgesamt findet man sich aber gut zurecht, und wenn man wie ich einen Tag mit Sonne erwischt, ist das Warten unter freiem Himmel ja auch nicht allzu dramatisch.“

Im Hintergrund kündigt ein Mitarbeiter von Flixbus die nächste Verbindung nach Berlin an, die nicht an einem der drei fertigen Bussteige, sondern einige Meter entfernt hält. Dafür, dass alle Reisenden genau wissen, wo sie hin müssen, sorgen, solange die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, eben die Mitarbeiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare