Aufwärts immer, abwärts nimmer: Ex-Bürgermeister Uwe Becker (CDU) wird Staatssekretär in Wiesbaden. Hier werkelte er als Kirchendezernent am Frankfurter Dom.
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Aufwärts immer, abwärts nimmer: Ex-Bürgermeister Uwe Becker (CDU) wird Staatssekretär in Wiesbaden. Hier werkelte er als Kirchendezernent am Frankfurter Dom.

Politik

Becker zimmert weiter an seiner Karriere

  • Thomas Remlein
    VonThomas Remlein
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Ex-Bürgermeister wird Staatssekretär in Wiesbaden

Frankfurt. - Die mehr als 30-jährige politische Karriere des ehemaligen Bürgermeisters und Kämmerers Uwe Becker (CDU) setzt sich fort. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wird dem Kabinett den 52-Jährigen als neuen Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten vorschlagen. Der bisherige Europastaatssekretär Mark Weinmeister wird zum 1. Februar Regierungspräsident in Kassel.

"Ich finde die Aufgabe extrem reizvoll", sagte Becker. Kein Bundesland sei wegen der Banken und des Flughafens so abhängig von Europa wie Hessen. Gleichzeitig sei kein Bundesland so bedeutungsvoll für Europa wegen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt.

Derzeit übt er in Wiesbaden das Ehrenamt des Antisemitismus-Beauftragten der Landesregierung aus, das er am 8. April 2019 antrat. Die neue Frankfurter Stadtregierung aus Grünen, SPD, FDP und Volt hatte Becker und zwei weitere CDU-Dezernenten am 8. September abgewählt.

Becker startete 1991 seine politische Laufbahn als Vorsitzender der CDU Nieder-Eschbach, wo er heute noch mit seiner Frau und den Zwillingen John und Melissa in einem himmelblauen Reihenhaus lebt. Der Stadtteil ist Beckers Heimatort. Sein Elternhaus steht dort, Großonkel Heinrich, ein Sozialdemokrat, war vor der Nazi-Herrschaft und nach dem Krieg Bürgermeister des einst selbstständigen Nieder-Eschbach.

1995 folgte Beckers Einzug in die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt. Von 1999 bis 2001 arbeitete er als Fraktions-Vize. 2001 übernahm er den Vorsitz der CDU-Fraktion im Römer. Dann entschied er sich vollends für den hauptberuflichen Wechsel in die Politik und führte neben dem Vorsitz ab 2004 als Geschäftsführer auch das Büro der CDU-Fraktion im Römer. Er war 2006 einer der Protagonisten der schwarz-grünen Koalition.

Am 13. Juli 2006 wurde Becker zum hauptamtlichen Stadtrat der Stadt Frankfurt gewählt und war zunächst Dezernent für Soziales, Jugend und Sport. Im April 2007 wurde er Stadtkämmerer. 2012 wurde er nach Ablauf der ersten Amtszeit wieder in den Magistrat gewählt. Am 14. Juli 2016 wählte ihn die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung zum Bürgermeister von Frankfurt. Das Amt des Stadtkämmerers bekleidete er weiter. Dass die Grünen 2016 an der Macht blieben, hatten sie auch Becker zu verdanken, der sich als damaliger CDU-Kreisvorsitzender dafür einsetzte.

Auf Kandidatur

verzichtet

In dieser Funktion hätte er 2018 auch Oberbürgermeisterkandidat der CDU werden können, verzichtete aber zugunsten von Bernadette Weyland, weil der CDU-Vorstand der Meinung war, eine Frau hätte gegen den Amtsinhaber und späteren Sieger Peter Feldmann (SPD) bessere Chancen. Man darf davon ausgehen, dass Becker der Verzicht schwer fiel. Oder hielt er eine Kandidatur gegen den Populisten Feldmann ohnehin für aussichtslos? Es bleibt vermutlich Beckers Lebenstraum, dereinst Oberbürgermeister seiner Heimatstadt zu werden.

In Beckers Zeit im Magistrat fielen wichtige Weichenstellungen für die Mainmetropole: Der Bau des Waldstadions, die neue Altstadt, der Neubau des Klinikums Höchst. Gleichwohl behielt er stets die Finanzen im Blick: Als Kämmerer hinterließ er der Stadt Frankfurt im Quartal seines Ausscheidens (03/2021) Rücklagen in Höhe von 284 Millionen Euro.

In seinem neuen Amt werden Becker auch seine internationalen Beziehungen zugute kommen. So engagiert er sich als Präsident der Freunde der Universität Tel Aviv in Deutschland, als Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und als stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Frankfurt. Tel Aviv, die Partnerstadt der Mainmetropole, besucht er regelmäßig. Er ist Ehrenpräsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Frankfurt und Präsidiumsmitglied der Deutsch-Amerikanischen Steuben-Schurz-Gesellschaft.

Der gelernte Bankkaufmann ist ein Homo Politicus durch und durch. In seiner Zeit als Magistratsmitglied veröffentlichte er als Motto: "Das Leben ist zu kurz, um es nur an sich zu verschwenden." Becker genießt in Frankfurt über Parteigrenzen hinweg großes Ansehen. Am Tage seiner Abwahl, dem 8. September, verteidigte er seine Nachfolgerin Eskandari-Grünberg (Grüne) gegen einen scharfen persönlichen Angriff des BFF-Stadtverordneten Mathias Mund, was ihm den stehenden Applaus fast des gesamten Stadtparlaments einbrachte.

In der politischen Debatte wurde Becker nie persönlich verletzend. Seine Fairness, Integrität, Zuverlässigkeit und sein Fleiß werden geschätzt - auch vom politischen Gegner. Thomas Remlein

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