Begegnungsstätte wird moderner

Die Bildungsstätte Anne Frank in der Hansaallee 150 will Jugendlichen zeigen, dass Toleranz und Menschenrechte im Mittelpunkt einer funktionierenden Gesellschaft stehen. Die Präsentation ist allerdings nicht mehr taufrisch und soll nach zwölf Jahren jetzt zeitgerechter gestaltet werden.

Viele der Reaktionen auf den Terroranschlag in Paris und unzählige Befürworter von „Pegida“ beweisen derzeit Tag für Tag, dass Vorurteile und Rassismus noch immer zum Alltag gehören. Seit den 1990er Jahren will die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank dem entgegenwirken. Die Räume sind der Jüdin Anne Frank gewidmet, die am Dornbusch lebte und durch ihre Tagebücher weltberühmt wurde. Zu sehen ist die Dauerausstellung „Anne Frank – ein Mädchen aus Deutschland“. Auch 2015 sollen wieder Jugendliche erreicht werden, um ein weltoffenes Bild nach außen zu tragen.

In der Dauerausstellung selbst soll in nächster Zeit so einiges passieren. Sie ist seit nunmehr zwölf Jahren das Herzstück des Hauses und hat bereits über 100 000 Besuchern einen Einblick gegeben in das Leben, die Gedanken und den Tod des 15-jährigen Mädchens, das im März 1945, kurz vor Kriegsende, im Konzentrationslager Bergen-Belsen sein Leben verlor, weil es der falschen Religion angehörte.

„In den vergangenen zwölf Jahren hat uns die Ausstellung gute Dienste geleistet, doch Technik und Ausstellungsinhalte sind inzwischen überholt und müssen erneuert werden“, kündigt Einrichtungsdirektor Dr. Meron Mendel an. Statt Computern zur Präsentation der multimedialen Ausstellung sollen Touchscreens einen intuitiven Umgang mit den Lernmaterialien ermöglichen.

Gefördert wird die Neukonzeptionierung der Ausstellung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Im Dezember vergangenen Jahres kam das Signal vom Ministerium, dass es mit der Förderung losgehen wird. In welcher Höhe können wir leider noch nicht absehen, da wir uns noch in der Planungsphase befinden“, sagt Eva Berendsen, Sprecherin der Bildungsstätte. Bevor das mehrstufige Förderungsverfahren anlaufen kann, muss erst ein Kostenvoranschlag gemacht werden. Zusätzlich wird die Einrichtung auch auf weitere Spender angewiesen sein.

In welche Richtung die Neukonzeption und der Umbau, der voraussichtlich 2016 beginnt, gehen sollen, wissen die Verantwortlichen jedoch schon genau: „Wir wollen die Dauerausstellung anpassen an die moderne Museumspädagogik anpassen und nicht mehr so einen starken Schwerpunkt auf die Geschichte Anne Franks legen“, sagt Mendel. Stattdessen soll der Transfer auf die heutige Zeit im Mittelpunkt stehen. Die Jugendlichen, an die sich die Ausstellung vor allem richtet, sollen sich die Frage, wie sich das Leben der Anne Frank noch heute auf uns alle auswirkt, spielerisch selbst beantworten können.

Damit knüpft die Ausstellung an die Entwicklung der Bildungsstätte und die Konzepte der wechselnden Ausstellungen an. Eines der Hauptthemen ist in diesem Jahr der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern. Eine Ausstellung aus Installationen, Objekten und Fotografien zeigt vom 11. Februar bis 28. Mai, was die Ermordung hunderttausender Armenier im Ersten Weltkrieg gesellschaftlich zu bedeuten hatte und welche Auswirkungen der Genozid noch heute auf die armenische Gesellschaft hat.

Die zweite Sonderausstellung des Jahres beginnt am 12. Juni, dem 86. Geburtstags Anne Franks, und endet am 6. September. Unter dem Motto „Mensch, du hast Rechte“ präsentiert die Bildungsstätte die Resultate eines Plakatwettbewerbs, an dem Jugendliche und junge Erwachsene Entwürfe zur Kernfrage „Wie kann eine Zukunft aussehen, die eine Gesellschaft für alle ermöglicht?“ teilnehmen dürfen. Einsendeschluss ist Mittwoch, 13. Mai.

Die dritte Ausstellung, die die Bildungsstätte in diesem Jahr vorbereiten will, handelt von einer „Generation 1,5“ und thematisiert das Leben von Menschen, die als Kinder aus der Türkei nach Deutschland umgezogen sind und hier ihren Platz im Leben und der Gesellschaft finden mussten. Sie öffnet am 17. September und geht bis zum 20. Dezember. Dieses besonders aktuelle Thema rundet das Programm der Bildungsstätte ab, in der das ganze Jahr über zahlreiche weitere Vorträge und Workshops für Jugendliche zu den Themen Zivilcourage, Rechtsextremismus, Religionsvielfalt und Menschenrechte auf dem Programm stehen.

Zudem steht die Einrichtung einer hessischen Beratungsstelle für Opfer politisch motivierter Gewalt in den Startlöchern, die Mitte Mai ihre Arbeit aufnehmen soll. Auch Jugendliche sollen in diesem Jahr in interkultureller Arbeit ausgebildet werden, um die Botschaft von Toleranz und Offenheit in die Welt zu tragen. „Gerade in Zeiten von fundamentalistisch motivierten Terroranschlägen und offenem Fremdenhass sehen wir uns in einer wichtigen Funktion“, sagt Mendel und fügt an: „Besonders wichtig ist, dass die Jugendlichen verstehen, dass man differenzieren muss zwischen Fundamentalismus und Religion, um die Diskussion um Recht oder Unrecht von Xenophobie nicht weiter voranzutreiben“. Toleranz und Menschenrechte sind die Grundlage der Bildungsstätte. Das soll ihr Programm in diesem Jahr mehr zeigen als je zuvor.

Im Internet ist die Einrichtung unter der Adresse zu finden.

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