Sie begeistern die Kleinsten

Choreografin Célestine Hennermann und ihr Ensemble sind gestern im Kaisersaal von Kulturdezernent Felix Semmelroth für das Theaterstück „miniMax“ mit dem „Karfunkel“ ausgezeichnet worden. Das Stück ist für Kinder ab zwei Jahren geeignet – eine Seltenheit.

Von Wilke Bitter

Der Kontrabass brummt und sein Rhythmus stampft, Gregor Praml zupft und streicht sein Instrument im treibenden Rhythmus. Dazu hüpfen Tänzerin Katharina Wiedenhofer und Kollege Albi Gika auf dem Parkett des Kaisersaals im Römer und spielen Himmel und Hölle. Sie jauchzen, lachen und feixen mit dem Publikum.

Ganz klar wird: Die beiden führen ein Tanzschauspiel für Kinder auf. Aber dann: plötzlicher Szenenwechsel. Katharina Wiedenhofer ist die Marionette von Bassspieler Gregor Praml, sie wiegt sich zur Musik und wird von jedem Zupfer hin- und hergestoßen. Währenddessen bewegt sich ihr Gegenüber, Tänzer Albi Gika, mal harmonisch neben ihr, mal springt er im Kontrast dazu herum.

Der Stilbruch ist Absicht: Gerade für die kleinen Zuschauer lässt Choreografin Célestine Hennermann Anspruch und Albernheit, Pathos und Witz sich ständig abwechseln. Für ihr Stück

„miniMAX“ bekam sie gestern Abend von Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) den diesjährigen Kinder- und Jugendtheaterpreis Karfunkel überreicht.

Ausgezeichnet wurden Célestine Hennermann und ihre Mitstreiter mit dem auf 10 000 Euro dotierten Preis nicht nur für die musikalische und choreografische Gestaltung ihres Stücks, das schon rund 50 Mal bundesweit zu sehen war. Kulturdezernent Semmelroth lobte besonders die Wahl der Zielgruppe des Stücks, die bei den vom Theater sonst stiefmütterlich behandelten Kleinkindern ab zwei Jahren ansetzt und nach oben hin offen ist. „Etwas Schwierigeres als Tanztheater für die ganz kleinen und kleinsten Kinder, gerade mal zwei Jahre alt, kann ich mir nicht vorstellen. Aber es ist dann doch erstaunlich, wie gut auch die jüngsten schon Wahrheit und Fiktion, Theater und Wirklichkeit auseinander halten können, eine wichtige Fähigkeit für später“, sagte Felix Semmelroth.

Dramaturgin und Choreografin Célestine Hennermann sowie ihre Tänzer- und Musikercrew haben lange nach dem richtigen Maß suchen müssen, auch die kleinsten Theaterbesucher nicht zu überfordern. „Wir haben da lange herumprobiert, man muss man die Tanz- und Theaterszenen recht kurz halten und mit den 35 Minuten, die die Aufführung normalerweise dauert, reizen wir das Potenzial der Kinder in Sachen Aufmerksamkeit komplett aus“, sagte sie. Und wenn sich zwischendurch dann doch einer der jungen Zuschauer anderweitig beschäftige und nicht mehr aufpasse, sagt Célestine Hennermann, holten sich die Tänzer sich seine Aufmerksamkeit er zum Beispiel mit Blickkontakt zurück.

Nach knapp einer halben Stunde Tanztheater halte es dann aber oft keinen der jungen Zuschauer mehr auf den Sitzen, berichtet Tänzerin Wiedenhofer. „Aber das soll auch so sein. Die Kinder dürfen nach den Aufführungen immer selbst auf die Bühne, um das Gesehene physisch nachzuahmen, zu wiederholen und sich zu eigen zu machen. Und da unterschätzt man die Kinder oft auch. Was sich Kindergartenkinder schon oft alles aus dem Stück merken können, ist wirklich beeindruckend.“

Der Karfunkel Kinder- und Jugendtheaterpreises wird jährlich im Kontext des Jugendtheaterfestival „Starke Stücke“ verliehen und im Rahmen des Festivals verliehen. „miniMax“ ist auch heute (Mittwoch) ab 16.30 Uhr im Künstlerhaus Mousonturm an der Waldschmidtstraße zu sehen.

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