Johann Philipp Holzmann, so hieß der Begründer des Holzmann-Imperiums, der 1805 geboren wurde, mit vollständigem Namen.
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Johann Philipp Holzmann, so hieß der Begründer des Holzmann-Imperiums, der 1805 geboren wurde, mit vollständigem Namen.

Geschichte

Er begründete das Holzmann-Imperium: Von der Edertalsperre bis zum Elbtunnel

Die Philipp Holzmann AG war mal Deutschlands größtes Bauunternehmen. Vom Reichstag in Berlin über die Edertalsperre in Nordhessen bis hin zum Elbtunnel in Hamburg reicht die lange Liste der Holzmann-Projekte. Die Insolvenz des weltweit tätigen Frankfurter Konzerns am 21. März 2002 war die größte Pleite in der deutschen Baubranche. Völlig unspektakulär begann dagegen die Erfolgsgeschichte im Jahr 1849 in Dreieichenhain südlich von Frankfurt mit dem Müller. Johann Philipp Holzmann. Vor 150 Jahren, am 15. Februar 1870, ist der Firmengründer in Frankfurt gestorben.

Frankfurt. Die Gaststätte "Hexenkessel" in der Schäfergasse nördlich der Zeil war in den 1980er Jahren eine Kultkneipe. Eintracht-Fans trafen sich hier vor Heimspielen, Mitarbeiter des nahen Kaufhauses Hertie schätzten das Mittagessen und Holzmann-Beschäftigte erzählten hier von ihren Auslandseinsätzen. Zu ihnen gehörte der Araber-Willi aus Frankfurt, ein Mann wie ein Bär mit Händen wie Bratpfannen. Da war der Inder-Charly aus Bombay, dessen richtigen Namen keiner kannte. Eines Tages kam er freudestrahlend in die Kneipe und zeigte stolz seinen nagelneuen Personalausweis: Charly war Deutscher geworden! Und da war Peter, der schweigsame Österreicher aus der Steiermark, Polier auf Holzmann-Baustellen in Nahost. Er war oft ein halbes Jahr und länger nicht in Frankfurt. Und doch wussten die "Daheimgebliebenen" stets, wo er gerade arbeitete: Am Gläserschrank hinter der Theke im "Hexenkessel" steckten Ansichtskarten aus Riad, Dubai, Bagdad und Teheran - Peters bunte Grüße an den Main.

Frankfurt: Ein Stadion für 2,3 Milliarden Mark

Von den 1960er Jahren an war die Philipp Holzmann AG groß im Geschäft in Saudi-Arabien. Araber-Willi verdankte dieser Zeit seinen Spitznamen. Innerhalb von etwa 20 Jahren realisierte Holzmann hier mehr als 50 Projekte im Gesamtwert von mehr als 17 Milliarden Mark. Größter Einzelbau war das International Sportsstadion in Riad für 2,3 Milliarden Mark. Schon 1903 sorgte Holzmann im heutigen Irak mit dem Bau der 1600 Kilometer langen Bagdadbahn für Aufsehen.

Das Stammhaus Philipp Holzmann an der Taunusanlage, hier ein Foto von 1968. ©JÜRGEN WALBURG

Mit dem Eisenbahnbau begann auch die Geschichte des Unternehmens. 1840 lieferte der Müller Johann Philipp Holzmann, Besitzer der Kreuzmühle am Hengstbach in Dreieichenhain, aus seinem Dampfsägewerk Schwellen für den Bau der Taunusbahn, der ersten Eisenbahn im Raum Frankfurt. Es folgten Beteiligungen an der Main-Neckar-Bahn und der Main-Weser-Bahn. Schon bald führte Holzmann auch die Erdarbeiten aus, baute Brücken und Unterführungen. Und die Familie war immer dabei, zog mit den Arbeitern von Baustelle zu Baustelle - bis auf die älteren Söhne Philipp und Wilhelm, die eine Höhere Schule in Darmstadt besuchten. "Menschen und Pferde haben alle unter einem Dach gewohnt. Und Mutter hat für alle Leute gekocht", erzählte Sohn Philipp Jahrzehnte später.

Frankfurt: Im Dorf Bonames ansässig

Die Holzmanns waren bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) im Dorf Bonames nördlich von Frankfurt ansässig. Um 1700 wanderte von dort der Müller Hans Georg Holzmann nach Dreieichenhain aus und übernahm die aus dem Mittelalter stammende Bergmühle am Hengstbach. Sein Enkel Johannes Holzmann (1743-1801) wechselte bachabwärts in die Anfang des 18. Jahrhunderts gebaute Kreuzmühle.

Das Verwaltungsgebäude Philipp Holzmann an der Hanauer Landstraße im Jahr 1921. ©JÜRGEN WALBURG

Hier wurde der spätere Firmengründer Johann Philipp Holzmann am 22. April 1805 geboren. Der Junge musste schnell erwachsen werden: Er war erst 13, als sein Vater mit gerade mal 40 Jahren starb. Mutter und Sohn betrieben von da an die Mühle allein, der Sprendlinger Bürgermeister Johann Christian Kiefer war Vormund des Jungen. Die Mühle lief gut, denn Philipp hatte Erfolg mit seinen Ausbaumaßnahmen. Und so traute der junge Müller sich, um die Hand der 18-jährigen Elisabetha, Tochter des Dreieichenhainer Bürgermeisters Jacob Laux, anzuhalten - mit Erfolg: Am 12. Mai 1833 war Hochzeit. Das Paar bekam neun Kinder (drei Söhne und sechs Töchter).

Wenige Kilometer von der heimischen Mühle entfernt beobachtete Philipp Holzmann 1845 den Bau der Eisenbahnstrecke Frankfurt-Darmstadt - ein Schlüsselerlebnis für ihn. Das Mühlengeschäft lief zunehmend schlechter, seine Zukunft sah er daher im Eisenbahnbau. 1849 gab Holzmann die Kreuzmühle ganz auf, zog nach Sprendlingen und gründete dort sein Bauunternehmen. Das war bald über die Region hinaus bekannt für seine gute Arbeit. Als wieder einmal ein Eisenbahn-Teilstück fertig war, lobte der Auftraggeber Holzmann überschwänglich: Er habe "seine Arbeiten in jeder Beziehung solid, schön und ganz zu rechter Zeit vollendet".

1851 siedelte Holzmann nach Frankfurt über, baute in der Obermainstraße (Ostend) eine Holz-schneiderei und ein Dampfsägewerk. Den Bahnanschluss für das Gelände am nördlichen Mainufer hatte er zuvor selbst geschaffen. Ende des Jahres 1864 ging es Holzmann gesundheitlich immer schlechter. Zum 1. Januar 1865 übertrug er daher laut Handelsregister Frankfurt ,,aus gesundheitlichen Gründen die seither von ihm [...] betriebene Handlung" seinen Söhnen Philipp und Wilhelm. Der Firmengründer starb am 15. Februar 1870 im Alter von 64 Jahren.

Frankfurt: Museum Giersch in Holzmann-Villa

In Frankfurt gibt es heute noch zwei historische Holzmann-Villen. Die eine heißt inzwischen Skyper-Villa und gehört zum Gebäudeensemble auf dem ehemaligen Holzmann-Gelände im Bahnhofsviertel (Taunusanlage 1/Ecke Taunusstraße). Die neoklassizistische Villa aus dem Jahr 1915 war einst Sitz der Holzmann-Zentrale. Die andere am Sachsenhäuser Museumsufer (Schaumainkai 83) trägt nach wie vor den Namen Villa Holzmann. Gebaut wurde sie 1910 von Wilhelm Holzmann, 1870 einer der beiden Firmenerben. Kunstmäzen Carlo Giersch hat in der Villa im Jahr 2000 das Ausstellungshaus Museum Giersch eröffnet.

Bau des Opernhauses in Frankfurt am Main 1873 bis 1878, durch die Baufirma Philipp Holzmann. ©JÜRGEN WALBURG

Zu den vielen bekannten Holzmann-Bauwerken in Frankfurt gehört auch die Alte Oper. Von 1873 bis 1878 nach Plänen des Berliner Architekten Richard Lucae errichtet, kam sogar Kaiser Wilhelm I. zur festlichen Eröffnung am 20. Oktober 1880. Ironie des Schicksals: Am 27. Oktober 1999 feierte die Holzmann AG in der Alten Oper mit etwa 800 Gästen das 150-jährige Bestehen des Unternehmens. Keine drei Wochen später gab Vorstandsvorsitzender Heinrich Binder eine Überschuldung in Milliardenhöhe bekannt - der Anfang vom Ende (siehe Box rechts) .

Am 22. April 1805wird Johann Philipp Holzmann in der Kreuzmühle in Dreieichenhain geboren.

1849gründet Philipp Holzmann das Bauunternehmen, dem er seinen Namen gibt.

1856folgt der Umzug nach Frankfurt, wo 1863 eine eigene Baufabrik entsteht. Das Bauunternehmen wuchs mit der Industrialisierung schnell. Zur Ausdehnung der Produktion arbeitete Holzmann schon wenige Jahre nach der Gründung eng mit der Deutschen Bank zusammen.

1865übergibt Holzmann die Unternehmensleitung an seine Söhne Philipp und Johann Wilhelm.

Internationale Aufmerksamkeit erlangt Holzmann durch die 1903begonnene und von der Deutschen Bank finanzierte Bagdadbahn.

1917folgt die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

1941beschäftigt Holzmann rund 21 300 Arbeiter und Angestellte, davon sind circa 9000 ausländische Zivilarbeiter und 1300 Kriegsgefangene.

In den Nachkriegsjahrenbeteiligt sich die Philipp Holzmann AG an der Gründung der Trümmerverwertungsgesellschaft, die in der Aufbereitungs- und Verwertungsanlage für Trümmerschutt neues Baumaterial herstellte. Holzmann war in Frankfurt unter anderem am Wiederaufbau des Goethe-Hauses, des Rathauses und der Paulskirche beteiligt. Im Verkehrsbereich baute Holzmann auf dem Flughafen und auch bei der U-Bahn mit.

1994erwirtschaftete der Holzmann-Konzern mit knapp 43 000 Mitarbeitern eine Bauleistung von rund 13,1 Milliarden Mark und war seit Jahrzehnten das größte deutsche Bauunternehmen und einer der größeren Global Player.

Am 25. Oktober 1999feiert die Philipp Holzmann AG den 150. Geburtstag.

Am 15. November 1999gibt der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Binder eine Überschuldung "aus bisher unentdeckten Altlasten" bekannt. Es muss ein Verlust von 2,4 Milliarden Mark eingeräumt werden. Später wird sich herausstellen, dass dies auch einen operativen Verlust von rund 1,1 Milliarden beinhaltet.

Am 24. November 1999wird nach Initiative von Bundeskanzler Schröder ein "Rettungspaket" verkündet, mit Übergangskrediten der Banken von einer Milliarde Mark und einer Bürgschaft des Bundes von 250 Millionen Mark. Im Rahmen einer Krise der Bauwirtschaft gingen im Konzern die Arbeitsplätze von 28 300 Ende 1999 bis März 2002 auf 10 600 zurück.

Halten die Erinnerung an ihren Firmengründer hoch: Harald Zapke von den Holzmann-Veteranen Ehrengrab von Philipp Holzmann auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Am Sonntag jährt sich sein Todestag zum 150. Mal. FOTO: Rainer Rüffer

Im März 2002 scheiterte die Sanierung der Philipp Holzmann AG endgültig, als viele Gläubigerbanken keine weiteren Kredite geben wollten. Neue Verluste und insgesamt 1,5 Milliarden Euro Verbindlichkeiten bei den Banken führten zur endgültigen Insolvenz am 21. März 2002. 

red

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