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Christian Spoerhase, Koordinator im KiFaZ Morgenstern, mit dem neuen Programm, das in den vergangenen Monaten entwickelt wurde.

„Bei uns entstehen Freundschaften“

Das Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) Morgenstern in der Platenstraße gibt es mittlerweile seit 13 Jahren. In der Kindertagesstätte werden 86 Kinder zwischen einem und 6 Jahren betreut, zudem gibt es zahlreiche Beratungs- und Bildungsangebote für Kinder und Familien. Koordinator Christian Spoerhase hat im Gespräch mit FNP-Mitarbeiterin Judith Dietermann nicht nur einen Ausblick auf 2015 gegeben, sondern auch erzählt, dass im Kifaz nicht nur Begegnungen stattfinden, sondern sich sogar echte Freundschaften entwickeln.

Sie sind das einzige Kifaz der Caritas in Frankfurt. Was sind eigentlich genau die Aufgaben einer solchen Einrichtung?

CHRISTIAN SPOERHASE: Betreuung, Bildung und Beratung unter einem Dach ist der Leitgedanke unsere Arbeit. Hierzu arbeiten wir mit der katholischen Familienbildung und mit der Eltern- und Jugendberatung der Caritas in der Nordweststadt zusammen. Unser Ziel ist ein offenes Haus und ein Ort der Begegnung für alle Familien aus dem Stadtteil zu sein. Dafür ist es wichtig mit den Menschen im Kontakt zu sein, mit ihnen zu sprechen und ihre Bedürfnisse zu kennen.

Diese Kontakte zu knüpfen und zu festigen ist ihre Aufgabe als Koordinator?

SPOERHASE: Ja, es ist meine Aufgabe, die Schnittstelle zu sein zwischen Kifaz und Familien. Sie anzusprechen und auch ansprechbar zu sein. Sowie Angebote aufzubauen, die sich am Bedarf der Familien orientieren.

Welche Personen kommen ins Kifaz?

SPOERHASE: Alteingesessene aber auch neuzugezogene Familien, die keine familiären und sozialen Netzwerke im Stadtteil haben. Nachgefragt werden Angebote zur Entlastung und Unterstützung der Familien. Hier versuchen wir anzuknüpfen und gemeinsam mit den Eltern Angebote zu entwickeln bei denen ihre offenen Fragen beantwortet werden. Angebote sind bei uns so gestaltet, dass Familien zusammenkommen, Nachbarschaft und Freundschaften entstehen.

Sie sind also auch eine Art Familienersatz?

SPOERHASE: Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu fördern und die Familien in der Erziehung zu unterstützen. Die Vernetzung im Sozialraum ermöglicht es uns, unsere Arbeit um die Kompetenzen unserer Kooperationspartner zu bereichern. Eltern können sich zudem mit ihren individuellen Fähigkeiten in das Konzept des Kifaz mit einbringen und werden so Teil des Programms.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

SPOERHASE: Seit Januar gibt es bei uns ein Nähcafé. Die Idee dazu kam von einer Mutter, die mit ihrem Mann nach Frankfurt gezogen ist, keine sozialen Netzwerke im Stadtteil hat, aber gerne näht. Sie kam mit der Frage auf uns zu, ob wir nicht Frauen kennen, die das gleiche Hobby haben und auch auf der Suche nach sozialen Kontakten sind. So entwickelte sich das Projekt, das wir mit unserem Kooperationspartner „Schöne Aussichten – Forum für Frankfurt“ umsetzen.

Wie wird solch ein Angebot angenommen?

SPOERHASE: Das Angebot gibt es jetzt seit sechs Wochen, es nehmen regelmäßig bis zu zehn Frauen daran teil. Frauen mit und ohne Kinder bis hin zu Seniorinnen.

Das Programm entwickeln also nicht in erster Linie die Kifaz-Mitarbeiter, sondern vielmehr die Besucher mit ihren Fragen und Bedürfnissen?

SPOERHASE: Ja, die vielfältigen Angebote ergeben sich aus den geäußerten Bedarfen der Familien. Regelmäßig gibt es beispielsweise die Veranstaltungsreihe „Familien im Gespräch“, bei der Erziehungsthemen aufgegriffen werden. Diese variieren immer, aktuell ist es das Thema „Sei doch mal friedlich“, zum Umgang mit aggressivem Verhalten bei Kindern. Auf dieses Thema hingewiesen haben uns unsere Kooperationspartner aus der Erweiterten schulischen Betreuung. Viele Eltern würden ihnen mitteilen, dass in der Grundschule, besonders die Jungs immer härter miteinander umgehen. Solche Themen greifen wir dann auf und entwickeln Angebote zur Unterstützung der Familien bei der Entwicklungsbegleitung ihrer Kinder.

Zwar befindet sich das Kifaz in Ginnheim, die Besucher kommen aber auch vom Dornbusch. Unterschiedlicher könnte die soziale Struktur in den Stadtteilen nicht sein, wie erleben Sie das?

SPOERHASE: Bei den Kindern ist das tatsächlich kein Problem. Sie sehen sich von Anfang an als Personen und nehmen sich mit all ihren Stärken und Besonderheiten an. Sie machen sich gemeinsam auf den Weg, ihre Umwelt zu erkunden und anzueignen. Die Eltern versuchen wir untereinander ins Gespräch zu bringen, dafür gibt es Angebote wie beispielsweise das Elterncafé. Da Ginnheim ein multikultureller Stadtteil ist mit Familien aus über 30 verschiedenen Nationen und Kulturkreisen, bieten wir auch ein Café International an. Die Ginnheimer Kulturen stellen sich gegenseitig vor, um das Verständnis füreinander zu wecken. Das sehen wir auch als eine unserer Aufgaben an.

Wahrscheinlich ist es auch ein Vorteil, dass es sich um ein für alle Menschen offenes Angebot handelt . . .

SPOERHASE: Ja, wir machen die Erfahrung, dass viele Eltern daran interessiert sind sich kennenzulernen, ihnen bislang die Angebote dafür fehlten. Nehmen die Familien die Einladung zum Austausch an, stellen sie fest, dass die Themen, die sie im Alltag beschäftigen meist die gleichen sind. Es spielt keine Rolle aus welchem Land man kommt, ob man viel oder wenig Geld hat. Gerade bei Themen rund um die Erziehung gibt es kaum Unterschiede. Durch den Austausch entstehen neue Kontakte und gute Beziehungen über alle sozialen und kulturellen Grenzen hinweg.

Gibt es auch tiefe Freundschaften, die über das Kifaz geschlossen werden?

SPOERHASE: Man sieht es zunächst bei den Kindern, die der Motor dafür sind, dass auch die Eltern zusammenkommen. Zudem gibt es Eltern, die ihre individuellen Fähigkeiten, ihre Erfahrungen und ihr Wissen nutzen, um Familien aus anderen Kulturkreisen bei der Integration in Frankfurt zu unterstützen. Sie machen dann sich zum Beispiel gemeinsam auf den Weg, zu den Deutschkursen bei der Volkshochschule und helfen beim Knüpfen von Kontakten im Stadtteil. Es ist schön zu sehen, dass die Familien Verantwortung füreinander übernehmen und gibt uns das Gefühl wertvolle Arbeit zu leisten.  

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