Hans Krauße lernte bereits in seiner Jugend das Wollkämmen und führte das Handwerk regelmäßig in Harheim vor.
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Hans Krauße lernte bereits in seiner Jugend das Wollkämmen und führte das Handwerk regelmäßig in Harheim vor.

Frankfurter Original

Bei ihm liefen viele Fäden zusammen

  • VonNiklas Mag
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Kleiner Platz in Harheim wird nach Kommunalpolitiker und Sozialvorsteher benannt

Die Harheimer SPD ist hocherfreut, denn der kleine Platz mit den Vereinsschaukästen direkt an der Maßbornstraße wird künftig nach Hans Krauße benannt. Erst im zweiten Anlauf ging der Antrag jetzt durch den Ortsbeirat. Fast 20 Jahre nach dem Tod des Namensgebers, der 2002 starb.

Das kleine "e" war ein Versehen

Noch heute lebt Kraußes Bruder Heinrich in dem Doppelhaus in der Hochfeldstraße, das er einst mit seinem Bruder Hans gebaut hat. "Wir sind in eher armen Verhältnissen aufgewachsen, in Renda im heutigen Werra-Meißner-Kreis", erzählt Heinrich Krauß. Bei ihm fehlt das "e" am Ende des Nachnamens, denn dieses geht bei seinem Bruder auf einen bürokratischen Fehler aus sehr frühen Zeiten zurück. "Ich habe es später korrigieren lassen, mein Bruder nicht", erinnert sich Heinrich Krauß und schmunzelt.

Nach der Volksschule hatte Hans Krauße eine Lehre als Maurer absolviert, wurde mit 17 Jahren aber noch für die letzten Kriegsmonate eingezogen. "Durch die Trennung von Ost- und Westdeutschland wurde unsere Heimat zum Zonengrenzgebiet, es wurden viele Menschen arbeitslos", so Heinrich. Seinen Bruder Hans habe es nach Frankfurt gezogen, wie viele junge Männer damals. "Nach der Meisterprüfung und Ausbildung zum Bautechniker hat er eine Anstellung bei den Stadtwerken gefunden und war dort für die Umspannanlagen zuständig. 1959 haben wir hier in Harheim die Doppelhaushälften gebaut. Damals gehörte Harheim noch gar nicht zu Frankfurt."

Im Ort ist auch Gisela Bockenheimer aufgewachsen, Tochter des verstorbenen Hans Krauße. "Meinem Vater ist es nie schwer gefallen mit anderen in Kontakt zu kommen. Er war im Ortsverein der Sozialdemokraten und im Gesangsverein. Er hatte immer gerne gesungen, war sozial und hilfsbereit und damals schon umweltbewusst", beschreibt sie. "Als er in Rente ging hat er unseren Schrebergarten als neues Hobby entdeckt." Die Familie hat seine vielfältigen sozialen Tätigkeiten aufgelistet (siehe Kasten). "Mein Vater war jemand, der immer gleich mitangepackt hat, egal wo wir hinkamen. Er hat gefragt 'Was muss noch gemacht werden'?" Demnach hätte sich ihr Vater zwischenzeitlich um Bosnische Flüchtlinge in der evangelischen Kirche gekümmert und auch älteren und kranken Menschen beim Ausfüllen von Anträgen für Sozialleistungen geholfen. Zudem sei er vielen Leuten noch heute als Wollkämmer bekannt. "Das ist etwas, dass er in seiner Jugend in seiner Heimat gelernt hatte. Das Kämmen und Verspinnen von Schafwolle hat er immer auf dem Weihnachtsmarkt in Harheim vorgeführt." Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Verantwortung seien Tugenden gewesen, die ihr Vater Zeit seines Lebens verkörpert habe.

Guten Draht zu anderen Parteien

"Und er hatte immer ein gutes Verhältnis zu den Mitgliedern anderer Parteien", beschreibt Gisela Bockenheimer. "Das hat er aber auch entsprechend verlangt. Er konnte wirklich grummelig werden, wenn jemand nicht zuverlässig war oder nicht bereit war, Verantwortung zu übernehmen."

Die Familie freut sich, dass Hans Krauße nun ein kleines Denkmal in Harheim gesetzt wird: "Wir freuen uns sehr, dass der Platz nun nach ihm benannt wird." niklas Mag

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