Freut sich über die ruhigere Atmosphäre: Lorenzo Giannetti vom Riedhof, der neben frischem Gemüse auch Popcorn und hausgemachtes Himbeerdressing anbietet. Auch morgen wieder, wenn der Markt an der Konstablerwache um 8 Uhr öffnet. foto: Faust
+
Freut sich über die ruhigere Atmosphäre: Lorenzo Giannetti vom Riedhof, der neben frischem Gemüse auch Popcorn und hausgemachtes Himbeerdressing anbietet. Auch morgen wieder, wenn der Markt an der Konstablerwache um 8 Uhr öffnet.

Innenstadt: Einkaufen auf der Konsti

Bei so viel Grün sieht niemand schwarz

  • vonSabine Schramek
    schließen

Kunden und Händler genießen das neue Gefühl auf dem Bauernmarkt

Vor Corona war der Erzeugermarkt auf der Konstablerwache zweimal in der Woche feucht-fröhlicher Treffpunkt für jedermann. Enges Gedränge bei Wein und Äppler gibt es längst nicht mehr. Eine Augenweide mit duftender Ware und freundlichen Worten ist der Konsti-Markt aber trotz strenger Regeln geblieben.

Flirten klappt immer noch

Dort, wo sich früher an jedem Donnerstag und Samstag Leute nach dem Einkauf dicht an dicht auf Bänken unter bunten Sonnenschirmen getroffen und gelacht haben, ist es jetzt stiller. Statt lauter Menschentrauben gibt es leise Schlangen mit Maske und Abstand. Vor Brot- und Käseständen, bei Metzgern und Honigverkäufern, bei Obst, Gemüse, Geflügel und Pilzen. Es duftet nach heißen Kartoffelpuffern, Bratwurst und Waffeln. "Ich brauche Grüne Soße", erzählt eine junge blonde Frau dem Mann, der hinter ihr steht. "Soll ich fertige kaufen, oder sie selbst machen?", fragt sie ihn. "Selber machen schmeckt immer besser", antwortet er und gibt gleich Tipps dazu. "Wenn Corona vorbei ist, können wir uns ja mal zum Grüne-Soße-Machen treffen", schlägt er vor.

Flirten klappt immer noch auf dem Konsti-Markt. Nur eben mit Abstand. Einkaufen klappt ebenso gut wie vor den strengen Regeln. Wer sich etwas zu essen holt, muss den Platz verlassen. Wer Wein trinken will oder Ebbelwei, muss sich eine geschlossene Flasche oder einen Kanister für zu Hause kaufen. Die Besucher tun es. Sie sitzen auf den Bänken rund um die Konstablerwache, auf den Stufen zum Plateau und beißen genussvoll in Würste, Hähnchen, Brötchen und Kuchen, bevor sie die Masken wieder aufsetzen und Frisches kaufen. Die hektische Atmosphäre von früher ist mehr Geduld und Neugierde gewichen.

"Ja, es ist insgesamt ruhiger geworden seit Corona", sagt auch Kethley Himb von der Milchbar. "Weniger Kunden haben wir nicht. Weil die Cafés geschlossen sind, boomt unser Café-to-Go. Bei gutem Wetter hört die Schlange kaum auf mit Kunden, die Lust auf Eis, Trinkjoghurt oder Hefeklöße haben", sagt sie und packt einen großen Löffel frisches Rhabarber-Püree auf einen Becher voller Eis.

Knapp 50 Stände halten die Stellung auf dem Erzeugermarkt. Ganze Blumenmeere, kunstvoll gestapelte Lauchstangen, Radieschen und Salate leuchten ebenso bunt wie Äpfel, Kohlrabi, Karotten, Zwiebeln und Fische. Die Verkäufer nehmen sich Zeit für ihre Kunden, wenn die Warteschlangen nicht zu lang sind. Die Stände kommen seit 1989 mit ihren regionalen Produkten aus der Rhön, der Wetterau, aus dem Vogelsberg und allen anderen ländlichen Gebieten rund um Frankfurt. Beim Schecker aus Oberrad gibt es Grüne-Soße-Kräuter und unzählige Suppen, Eintöpfe, Königsberger Klopse und andere feine Gerichte in Glas. Beim Riedhof aus Nieder-Erlenbach gibt es Gemüse, Salat, Tomaten, Himbeerdressing und Popcorn. "Hier ist einfach noch richtiges Leben", sagt Marga Dietz (42). "Hier auf dem Konsti-Markt kaufe ich immer ein. Erstens sind die Produkte top, zweitens trifft man Menschen, ohne sich wie ein Verbrecher vorzukommen." Ihre braunen Augen strahlen über der Maske, während sie sich Gemüse für eine Minestrone einpacken lässt.

Neue Kunden, die gern kochen

"Als Corona losging, sind kaum noch Leute auf den Markt gekommen", erzählt Lorenzo Giannetti vom Riedhof. "Da war die Angst groß. Mittlerweile haben wir alle gelernt, Abstand zu halten und Maske zu tragen. Jetzt haben wir sogar neue Kunden", meint er. "Viele haben sich das Kochen angeeignet und wollen dafür gute regionale Qualität." Ganz einfach sei das nicht immer, da manche Preise wegen Lieferengpässen gestiegen seien. "Wenn man das erklärt, dass wir keine Supermarktpreise anbieten können und warum, verstehen es die Kunden", sagt er. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern berät er Kauflustige, scherzt mit ihnen und verbreitet ein Gefühl von Normalität. Ein bisschen Babbeln, ein paar Rezepte und strahlendes Lachen schaffen den Rest. Gut gelaunt ziehen Kunden weiter zum Einkauf. Sogar frischer Spargel ist schon da.

Patrizia am Stand von Familie Benz weiß alles über das weiße und grüne Gemüse, das aus Arheilgen bei Darmstadt kommt. "Den rosa Spargel lieben Franzosen, weil an der roséfarbenen Stelle der Geschmack intensiver ist", erklärt sie. Noch ist der Spargel teuer, aber "sehr schmackhaft". Zwischen elf und 22 Euro kostet das Kilo verschiedener Sorten, geschält oder ungeschält. "Es ist noch ein bisschen zu kalt, darum sind die Preise noch relativ hoch." Die Stangen und Spitzen glänzen und sind frisch gestochen. "Mit Corona fällt vieles weg", so Patrizia, "weil Touristen fehlen." Ohne Corona würden viele Asiaten eingeschweißten Spargel mit in ihre Heimat nehmen. "Da sie nicht da sind, gibt es im Moment eingeschweißt nur Spargelstücke für Suppe oder Salat." Der Rest liegt offen.

Wenn Studenten

Spargel essen

Dünner Spargel, der auch "Studentenspargel" genannt wird, weil er nicht geschält werden muss, oder Blumenspargel, der wegen seiner offenen Köpfchen "struwwelig" genannt wird. Für Erdbeeren braucht es noch Geduld. Patrizia lacht. "Die haben wir ja in Corona-Zeiten gut gelernt." Eine Kundin nickt. "Deshalb gibt es dieses Jahr bei uns auch mehr Spargel als sonst. Die Zeit zum Schälen habe ich, weil Ausgehen ja leider wegfällt."

SABINE SCHRAMEK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare