+
Franz Riehl spielt aus Spaß an der Freude mit.

Frankfurter Evangelienspiel

Beim Evangelienspiel wird geheiratet

  • schließen

Zum sechsten Mal wird im Juli das Frankfurter Evangelienspiel inszeniert. 120 Laien-Darsteller stellen in zwölf Bildern das Leben und Wirken von Jesus Christus nach.

Im Johannesevangelium wird von der Hochzeit zu Kana berichtet. Bei dem Fest, so heißt es, habe Jesus, der dort als Gast war, Wasser zu Wein verwandelt. An diesen Moment erinnern die Darsteller des Frankfurter Evangelienspiels 2015 auf dem Schulhof der Liebfrauenschule. Die Hochzeit zu Kana ist eine von zwölf Szenen aus dem Leben von Jesus Christus, die zu diesem Anlass inszeniert werden. Am 25. Juli ist Premiere. Jetzt war die erste Kostümprobe.

„Drei der Bilder sind in die Moderne geholt“, sagt Regisseur Andreas Walther-Schroth. Hierzu gehört etwa das „Gleichnis vom großen Gastmahl“, das der Evangelist Lukas im Kapitel 14 beschreibt. In dieser Szene lädt ein gutsituierter Mann zu einem Essen, zu dem die eigentlich Geladenen jedoch nicht erscheinen. Stattdessen teilt der Gastgeber schließlich sein Mahl mit den Menschen, die gesellschaftlich benachteiligt sind, öffnet für diese die Türen seines Hauses.

Menschen, die nicht im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen, einen Ort zu geben, an dem sie sich unabhängig von Herkunft, Aussehen, Alter oder Glauben zuhause fühlen können, ist auch der Leitgedanke des Vereins Lukas 14 – Integration und Kultur für Menschen mit Behinderungen. Dieser wurde vor acht Jahren vom 2012 verstorbenen Kapuzinerpater Amandus Hasselbach und Christina Kupczak gegründet, die Geschäftsführerin des Vereins ist. Beide sind auch die Initiatoren des Frankfurter Evangelienspiels, das seit 2009 von Lukas 14 organisiert wird.

Das Konzept zum Evangelienspiel haben Pater Amandus, Kupczak und die Diplom-Theologin Dr. Kornelia Siedlaczek von der katholischen Erwachsenenbildung des Bildungswerks Frankfurt erarbeitet. Erstmals aufgeführt wurde das Evangelienspiel im Jahr 2000 – seitdem alle drei Jahre.

Rund 120 Laien-Darsteller machen mit, darunter viele Menschen mit Behinderungen, Migrationshintergrund, mit und ohne christlichen Glauben. „Hier kommen Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen zusammen. Es ist ein Ort der Begegnung, jeder nimmt mit seinen Möglichkeiten daran teil“, so Kupczak. Die Botschaften, die über die Evangelien vermittelt würden, seien zeitlos. Durch die Darstellung sei es möglich, die Zuschauer zu erreichen und sie dazu zu bewegen, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Die Aufführung kommt ganz ohne Worte aus. Stattdessen gibt es Musik, es wird gesungen, getanzt und die Handlung wird jeweils durch pantomimisches Spiel vermittelt. Vor jeder Szene wird ein einführender Text gelesen. „Seit Mitte April proben wir, derzeit treffen wir uns drei Mal pro Woche“, sagt Regisseur Walther-Schroth. Die Darsteller sind eingekleidet in Gewänder, die angelehnt sind an die Zeit, in der Jesus lebte. Dieser wird dargestellt von Christoph Kuhn. Auf dem Hof der Liebfrauenschule in der Schäfergasse besprechen der Regisseur und Kupczak noch Einzelheiten zur Probe der bevorstehenden Szene der „Hochzeit zu Kana“. Gebärdensprachdolmetscher Stefan Richter übersetzt das Gesagte für die Teilnehmer, die eine Hörschädigung haben.

Andreas Horne (21) nimmt zum zweiten Mal am Evangelienspiel teil, er spielt den Bräutigam in der „Hochzeit zu Kana“. „Meine ganze Familie ist vom Glauben geprägt, und mir macht es einfach Spaß, diesen Glauben weiterzuvermitteln“, sagt er. Sarah Gog (15), die in die Rolle der Braut schlüpft, sowie ihre Mutter Christiane Gog, die in der Szene die Brautmutter spielt, sind beide konfessionslos und ebenfalls zum zweiten Mal als Mitwirkende dabei. „Wir finden die Gemeinschaft hier einfach toll, das Theaterspielen und die lockere Atmosphäre“, schildern sie.

Ursula und Franz Riehl sind durch ihren Sohn Lutz Riehl, der Vorsitzender von Lukas 14 ist, mit dem Verein und dem Frankfurter Evangelienspiel in Kontakt gekommen, nehmen zum dritten Mal daran teil. „Uns macht es einfach großen Spaß, mit dabei zu sein“, sagen sie. „Diese Inszenierung ist Ausdruck für gelungene Integration und Inklusion“, findet Pastoralreferent Paulo Pereira von der portugiesischen Gemeinde Frankfurt. „Das Thema Inklusion ist nichts, was am grünen Tisch entsteht. Hier wird es gelebt“, sagt Lutz Riehl, der selbst stark sehbeeinträchtigt ist.

Das Frankfurter Evangelienspiel wird vom 25. Juli bis 2. August bis auf sonntags täglich ab 20 Uhr auf der Bühne im Hof der Liebfrauenkirche, Schäfergasse 23, aufgeführt. An den Sonntagen 26. Juli und 2. August gibt es jeweils ab 16 Uhr Vorstellungen mit Gebärdensprachdolmetscher. Der Eintritt ist kostenlos. Bei Regen fallen die Vorstellungen aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare