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Die von Senckenberg präparierte Riesenschildkröte zierte den Empfang des Unternehmens in Niederrad.

Luxus-Produkt

Bekannt für Schildkrötensuppe: Lacroix produzierte jahrzehntelang in Niederrad

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1996 zog die Suppenfirma Lacroix, bekannt für ihre Schildkrötensuppe, aus Niederrad fort. Jahrzehntelang war sie dort zu Hause. Im Heimatmuseum finden sich noch die letzten Spuren des Unternehmens.

Ein appetitlicher Anblick waren sie nicht, die tiefgefrorenen Schildkröten, die da dicht an dicht auf dem Hof der Suppenfabrik Lacroix in Niederrad lagen und auf ihre Verarbeitung warteten. Das war noch, bevor es gesetzliche Regelungen zum Artenschutz gab. Firmenchef Eugen Lacroix hatte kein Problem mit dem Anblick, oft kam er vorbei und begutachtete die Tiere selbst, bevor sie auseinandergenommen und zu Suppe verarbeitet wurden.

„Je nach Windrichtung hat es im gesamten Stadtteil nach Suppe gerochen“, erinnert sich Werner Hardt, Vorsitzender des Niederräder Bezirksvereins und Chef des dazugehörigen Heimatmuseums, noch heute. Jahrzehntelang war die Firma Lacroix in Niederrad zu Hause. Neben der Schildkrötensuppe stellte das Unternehmen mehr als 120 Spezialitäten, die meist nur in Feinkostläden erhältlich waren, her: Gänseleberpastete, Suppen, Gelatine, Tafelsaucen. Am 27. Juli 1996, also vor gut 22 Jahren, wurde die Firma in der Frauenhofstraße geschlossen.

Werner Hardt selbst war kein großer Fan der Schildkrötensuppe. „Sie hat wie eine Bouillon geschmeckt, das Fleisch erinnerte an Pilze“, so Hardt. Aber die Suppen seien damals sehr angesagt gewesen, versprühten sie doch einen Hauch von Luxus. „20 Mark hat eine Dose gekostet“, weiß der Museumschef und zeigt eine ungeöffnete vergoldete Dose mit grüner Schrift: Schildkrötensuppe ist darin. Im Keller des Heimatmuseums sind noch mehr Spuren von Lacroix Firma zu finden: eine Dose Ochsenschwanzsuppe, Gänseleberpastete aus dem Jahr 1975 und goldverzierte Tässchen und Löffelchen mit aufgedruckten Schildkröten. Und direkt hinter dem Eingang des Museums blickt die Besucher eine Riesenschildkröte an, die vom Senckenberg Museum präpariert wurde. „Sie hing am Empfang von Lacroix“, erzählt Hardt. Ein Koch hatte sie dem Museum übergeben. Über der Schildkröte prangt ein Porträt des Firmengründers.

Eugen Lacroix kam 1886 in Ettenheim im Breisgau zur Welt. Er wollte unbedingt Koch werden und machte eine Lehre im Hotel Sonne in Lahr. Erstmals kam er vor dem Ersten Weltkrieg nach Frankfurt und kochte im Hotel Europahof. Anschließend zog es ihn aber nach Straßburg, wo seine Mutter ein Lokal eröffnet hatte. Lacroix führte die Küche. Seine große Leidenschaft waren Pasteten und Suppen.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam er wieder nach Frankfurt. 1921 kaufte er eine leerstehende Metzgerei in Sachsenhausen und produzierte fortan Pasteten. „Anfangs ist er mit dem Rad zu Hotels gefahren und hat ihnen seine Produkte verkauft“, erzählt Hardt. Schon ein Jahr später verlegte er seinen Betrieb in die Grusonstraße und beschäftigte erste Mitarbeiter. Seine Idee war, besondere Spezialitäten, die in der Küche mit viel Aufwand verbunden waren, bereits fix und fertig vorzukochen, so dass es Profis wie Hobbyköche leichter hätten, ihre Gäste zu begeistern.

1923 zog Lacroix dann mit seiner Firma nach Niederrad in die Bruchfeldstraße 15. Heute befindet sich in dem Eckhaus eine Filiale der Nassauischen Sparkasse. Dort fing Lacroix mit der Produktion von Schildkrötensuppe an – der Anfang seines Aufstiegs. Die Fabrik wurde weltweit bekannt. Die Produkte wurden sogar in die USA geliefert. 1957 wurde der Neubau in der Frauenhofstraße 4 - 10 bezogen. In Spitzenzeiten arbeiteten dort bis zu 350 Mitarbeiter.

Schon Ende der 1970er Jahre hatte die Firma Lacroix die Produktion von Schildkrötensuppen und Gänseleberpasteten eingestellt. Die Proteste der Tierschützer waren zu laut geworden. Eugen Lacroix bekam das nicht mehr mit. Er starb am 3. September 1964 und wurde auf dem Südfriedhof begraben. Sein Sohn René führte die Geschäfte weiter. 1972 verkaufte er die Firma aber an den amerikanische Mischkonzern ITT.

1979 wurde die Firma von der Campbell Soup Company übernommen. Wegen angeblich veralteter Produktionsmethoden und zu kleiner Kessel wurde der Betrieb 1996 in Niederrad eingestellt und nach München verlagert. Zwei Jahre später wurde das Fabrikgebäude abgerissen. Heute stehen dort Häuser mit Eigentumswohnungen. Der Name Lacroix ist allerdings geblieben. Noch heute stellt die Firma Suppen her unter dem Slogan „Ein Hauch von Luxus“.

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