Digitalisierung des ÖPNV im Rhein-Main-Gebiet

Bekommt der RMV bald sprechende Ticketautomaten?

  • schließen

An den Bahnhöfen der Rhein-Main-Region werden neue Ticketautomaten aufgestellt. Einige von ihnen werden möglicherweise sogar sprechen können. Das soll es Fahrgästen erleichtern, ein Papierticket zu kaufen – das trotz zunehmender Digitalisierung aber erhältlich sein wird.

Digitalisierung ist das große Leitthema in der Verkehrsbranche. Wer durch die Hallen der Fachmesse „Innotrans“ in Berlin geht, kommt an zahlreichen Ständen von Firmen vorbei, die Lösungen anbieten für elektronische Tickets oder die digitale Steuerung von Zügen und Bussen. Mit dabei ist auch die Rhein-Main-Servicegesellschaft (RMS), eine Tochter des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Sie arbeitet nicht nur an der Einführung des elektronischen Tickets im Raum Frankfurt, sondern ist als Dienstleister auch für andere Regionen tätig.

Zeitkarten gibt es beim RMV mittlerweile nur noch als aufladbare Plastikkarte. Fernziel ist es, dass man sich um Tickets gar nicht mehr kümmern muss: Mit dem Smartphone oder einer Chipkarte in der Tasche sollen sich Fahrgäste an der Tür zu Bussen und Bahnen automatisch an- und abmelden, der Fahrpreis wird dann im Hintergrund ermittelt und abgerechnet. Schon heute ist es möglich, Einzel- und Tagestickets auf dem Mobiltelefon zu kaufen, rund 1,8 Millionen sind es pro Jahr. Künftig wird man mit der RMV-App auch Zugriff auf die Angebote anderer Verkehrsverbünde bekommen.

Es gibt also Alternativen zum klassischen Papierfahrschein – der aber dennoch nicht „aussterben“ wird. Davon ist zumindest Dave Roat überzeugt, Manager beim Technologie-Konzern Cubic. Dieser entwickelt die Software für das elektronische Ticket beim RMV, er ist aber auch im konventionellen Fahrscheinverkauf tätig. Da gibt es ebenfalls Innovationen: Cubic präsentierte auf der Messe zusammen mit dem Automatenhersteller ICA eine neue Form des assistierten Ticketverkaufs.

Die Unternehmen reagieren damit auf den Trend, dass es an kleinen Bahnhöfen immer weniger Verkaufsstellen gibt, in denen die Fahrgäste persönlich beraten werden. An dem neu entwickelten Automaten soll es dafür eine Lösung geben. Fahrgäste haben die Möglichkeit, per Tastendruck einen persönlichen Berater anzufordern, der in einem Callcenter sitzt, aber per Videoschaltung auf einem Bildschirm erscheint und hilft, das richtige Ticket zu erwerben. Über Mikrofon und Lautsprecher ist ein richtiges Gespräch von Mensch zu Mensch möglich.

In Essen wurde ein solcher Automat bereits getestet. Ob er auch ins RMV-Gebiet kommt, steht nicht hundertprozentig fest, Gespräche darüber laufen noch. RMS-Geschäftsführer Jörg Puzicha kann sich aber vorstellen, den zusätzlichen Service an Stationen anzubieten, an denen viele Touristen und Geschäftsreisende ankommen, etwa am Flughafen oder am Hauptbahnhof. Aber auch für ländliche Bahnhöfe ohne Verkaufsstelle wäre der neue Automat eine Option.

Ohnehin werden im gesamten RMV-Gebiet demnächst 616 Ticket-Automaten (Stückpreis: rund 30 000 Euro) ausgetauscht, die bisher die Deutsche Bahn betreibt. Um Geld zu sparen, hat der RMV die Leistung ausgeschrieben. Dabei setzte sich der französische Verkehrskonzern Transdev durch, der in Frankfurt durch seine Tochter Alpina bekannt ist, die mehrere Buslinien im Stadtgebiet betreibt. Der Vertrag läuft acht Jahre lang.

Dem Vernehmen nach bietet Transdev den Ticketverkauf am Automaten deutlich günstiger an als die Bahn, größter Kostenfaktor ist das Personal. Die Bahn schmerzt der Verlust des Auftrags sehr. Allerdings wird sie für den RMV weiterhin die rund 60 „personenbedienten Verkaufsstellen betreiben“.

Bis zum 1. Januar 2018 müssen die neuen Transdev-Automaten des Herstellers ICA stehen, die sich äußerlich kaum von den bisherigen Modellen unterscheiden. Auch die Menüführung auf den Bildschirmen, die auf Berührung reagieren, wird sich nicht ändern. Generell wird aber jeder Automat über Kabel oder Mobilfunk ans Datennetz angeschlossen sein. Dadurch wird künftig überall Kartenzahlung ermöglicht, auch das elektronische Ticket kann an jedem Automaten aufgeladen werden.

Außerdem sind zusätzliche Dienstleistungen denkbar, etwa eine Fahrplaninformation in Echtzeit. Auf der Messe präsentierte ICA einen Automaten, der ein zusätzliches Display am oberen Rand hat, auf dem die nächsten Abfahrten und eventuelle Verspätungen anzeigt werden. Ob dieser Service, der sich vor allem für kleinere Stationen eignet, auch beim RMV kommt, steht noch nicht fest.

Nicht betroffen sind vom Betreiberwechsel die Automaten der städtischen VGF, die seit jeher auf ein eigenes Modell setzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare