Mit der Container-Anlage, die für die Schule am Hang auf dem Parkplatz der Schule am Ried aufgebaut wurde, sind Michael Kaaden und Manuela Sobat vom Elternbeirat zufrieden.
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Mit der Container-Anlage, die für die Schule am Hang auf dem Parkplatz der Schule am Ried aufgebaut wurde, sind Michael Kaaden und Manuela Sobat vom Elternbeirat zufrieden.

Schulwegsicherheit

Bergen-Enkheim: Nur wenige kommen mit dem Bus zum Hort

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Die Stadt richtet Shuttleverbindung für Hangschüler ein - aber nicht für alle Kinder. Der Elternbeirat ist empört.

Bergen-Enkheim -Die Container-Anlage für die Schule am Hang ist fertig. Nach den Sommerferien beziehen die Grundschüler der Schule am Hang auf dem Parkplatz der Schule am Ried die neue "Forschungsstation". So weckte die Schule die Vorfreude auf die neuen Räume. Offen blieb für viele Eltern die Frage: Wie kommen die Kinder zum neuen Standort?

Einige Grundschüler - besonders jene aus Bergen-Ost - haben nach den Sommerferien einen mehr als zwei Kilometer langen Schulweg und einen steilen Berg vor sich. Zu weit und zu steil für die kleinen Beine, fanden Eltern. Sie forderten, für die Schüler einen Shuttlebus einzurichten. Den hat die Stadt nun ausgeschrieben. Der Blick auf die konkrete Ausgestaltung birgt aber eine "böse Überraschung".

"Ein Schlag ins Gesicht der Eltern"

So formuliert es Natalie Sciortino. Sie hat sich mit einigen Eltern für einen Shuttlebus eingesetzt, nach dem sich bei einer Umfrage unter der Elternschaft 200 Eltern für eine Busverbindung für die Grundschüler ausgesprochen hatten. Unterstützt wurde sie vom Elternbeirat wie Michael Kaaden, der Vorsitzende der Elternvertretung, bestätigt. Auch er spricht von "einem Schlag ins Gesicht." Was Sciortino und Kaaden so empört: Der Shuttlebus soll nur nachmittags fahren, ihn dürfen nicht alle Schüler nutzen, und die Fahrten werden wohl erst zum Jahreswechsel starten, da Ausschreibeverfahren Zeit brauchen.

"Es werden jeweils drei Fahrten am Tag angeboten", heißt es aus dem Stadtschulamt. "Jeweils nach Ende der vierten, fünften und sechsten Schulstunde." Und "Der Shuttlebus wird für alle Kinder eingerichtet, die eine Horteinrichtung oberhalb der Marktstraße besuchen. Diese Festlegung wurde gemeinsam mit der Schule getroffen und war der Wunsch der Eltern", schreibt das Amt auf Anfrage dieser Zeitung.

Damit stünde der Shuttlebus nur einem "Bruchteil der Grundschüler" zur Verfügung, erklärt Kaaden. Lediglich die Kita Hohe Straße und das Kinderzentrum Am Weißen Turm lägen oberhalb der Marktstraße. Die Kita Mauerspatzen oder der Hort Schüli auf'm Berg liegen direkt an der Marktstraße, anderthalb Kilometer und 23 flott gelaufene Minuten entfernt, werden aber nicht angefahren. Das Stadtschulamt erklärt diese Entscheidung damit, dass "mit dem Shuttleservice sichergestellt werden soll, dass die Kinder ihr nachmittägliches Programm in den Betreuungseinrichtungen rechtzeitig wahrnehmen können".

Sciortino betont, dass es auch viele Kinder in der Schule am Hang gebe, die keinen Hort besuchen. "Mir fallen auf Anhieb Familien in Bergen-Ost ein, deren Kinder den Weg damit laufen müssten." Für diese Kinder gebe es auch keine reguläre Busverbindung nach Enkheim, seit die Buslinie 42 nicht mehr Bergen-Ost anfährt.

Besonders ärgert sich Elternbeiratsvorsitzender Kaaden, dass das Stadtschulamt für sich in Anspruch nimmt, damit dem Wunsch der Eltern zu entsprechen. "Das impliziert ja, dass mit uns darüber gesprochen wurde." Dem Elternbeirat seien die derzeitigen Festlegungen nicht bekannt gewesen. Sein Kenntnisstand sei, dass die Stadt nach Haltestellen suche, die der Shuttlebus anfahren könne, ohne den regulären Busverkehr zu beeinträchtigen. Dem sei auch so, erklärt das Stadtschulamt. "Ein Shuttleservice mit zwei festen Haltestellen ist gut umsetzbar."

Nicht abgesprochen

Dass der Bus aber nur nachmittags fährt und nur für "wenige Schüler" bereitgestellt wird, sei nie mit den Eltern besprochen worden, sagte Kaaden. "Diese Lösung wird auf keinen Fall von den Eltern getragen."

Das Stadtschulamt erklärt, dass dieses Konzept "gemeinsam mit der Schulleitung entwickelt wurde". Auch sei die Stadt nicht verpflichtet, den Shuttleservice für die Grundschüler anzubieten. Konkret schreibt sie: "Erfreulicherweise wurde ein schulnaher Auslagerungsstandort für die Schule am Hang gefunden. Aufgrund dessen gibt es keine gesetzliche Grundlage für die Einrichtung eines Schulbusses."

Die Eltern hatten sich von Anfang an bei ihrer Forderung nach einem Shuttle-Bus für die Hangschüler auf einen Kompromiss eingestellt. Zwar hatte sich Sciortino und andere Eltern für einen Bus eingesetzt, der mehrere Haltestellen anfährt. Letztlich war sie - ebenso wie Kaaden - jedoch davon ausgegangen, es würde ein Shuttlebus zwischen dem alten Standort der Schule am Hang an der Straße Am Bächelchen bis runter zur Barbarossastraße fahren. "So würde der Bus den zusätzlichen Weg durch die Auslagerung auffangen - und zwar für alle Schüler, und vormittags und nachmittags", sagt Kaaden. Der Elternbeiratsvorsitzende schlägt nun vor, dass Schulleitung, Elternvertreter und Stadtschulamt möglichst schnell an einem Runden Tisch zusammen kommen, um eine Lösung für alle Kinder zu finden.

Friedrich Reinhardt

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