Benzin im Blut und Getriebeöl an den Händen hat: Yaqoobi Esmatullah, der ursprünglich aus Kabul stammt, schraubt jetzt in Bergen-Enkheim und möchte in seiner neuen Heimat und an seinem Arbeitsplatz bleiben.
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Benzin im Blut und Getriebeöl an den Händen hat: Yaqoobi Esmatullah, der ursprünglich aus Kabul stammt, schraubt jetzt in Bergen-Enkheim und möchte in seiner neuen Heimat und an seinem Arbeitsplatz bleiben.

Wie es einen Schrauber aus Kabul hierher verschlug

Bergen-Enkheim: Sein Herz schlägt im Takt der Motoren

  • vonEnrico Sauda
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Die Zukunft in Deutschland ist für Yaqoobi Esmatullah ungewiss. Vor vier Jahren dann flüchtete er aus seiner Heimatstadt Kabul. Heute arbeitet der 24-Jährige in Bergen-Enkheim.

Bergen-Enkheim -Der Krieg in Afghanistan hat ihn um alles gebracht. "Meine Mutter und mein Vater wurden erschossen. Wir haben alles verloren", sagt Yaqoobi Esmatullah. Vor vier Jahren dann flüchtete er aus seiner Heimatstadt Kabul, wo sein Bruder eine Autowerkstatt hatte. "Seitdem ich sechs Jahre alt bin, schraube ich an Autos rum", sagt der junge Mann in sehr gutem Deutsch. "Wir haben jedes Fahrzeug jeder Marke repariert, das in Kabul rumfuhr", erinnert er sich. Seitdem schlägt sein Herz im Takt der Ottomotoren.

Auf Facebook die Stelle gefunden

Die Schule war für den kleinen Yaqoobi von zweitrangiger Bedeutung. "Ich war nicht in der Schule, habe gleich gearbeitet", sagt er. Esmatullahs Weg führte den heute 24-Jährigen zunächst nach Friedberg. Über das soziale Netzwerk Facebook-Seiten entdeckte er, dass die Firma PNO in der Voltenseestraße Mitarbeiter suchte. Die Abkürzung steht für Personenkraftwagen, Nutzfahrzeuge und Omnibus - und die alle und noch viel mehr kann Yaqoobi reparieren.

"Der Chef hat auf meine Anfrage per Facebook gleich reagiert und gesagt, ich solle vorbeikommen." Das tat er. Im Gespräch stellte sich heraus, dass Yaqoobi Esmatullah sehr geeignet war. "Er sagte: ,Du kannst anfangen'." In seiner Probezeit überzeugte er alle und verbesserte auch sein Deutsch, das er in einem Sprachkurs gelernt hatte.

Noch immer keine Aufenthaltserlaubnis

"Ich fühle mich hier jetzt wie zu Hause", sagt der junge Mann, der aber auch Angst hat. "Ich bin nun schon seit vier Jahren in Deutschland und habe immer noch keine Aufenthaltserlaubnis. Ich möchte nicht alles verlieren, was ich mir aufgebaut habe, und wieder nach Afghanistan müssen", sagt Yaqoobi Esmatullah. Und: "In der Werkstatt zu arbeiten, das ist einfach das Schönste, was es gibt", so Yaqoobi Esmatullah, der auch einen Computerkurs besucht hat. "Ich wünsche mir ein gutes, ein ruhiges Leben ohne Angst. Momentan fürchte ich mich ein wenig vor der ungewissen Zukunft, dass ich zurückkehren müsste, da kann ich oft nicht ruhig bleiben", schildert Yaqoobi Esmatullah seine Situation. "Dabei erfüllt er alle Voraussetzungen. Er hat einen festen Arbeitsplatz und einen festen Wohnsitz", sagt Corrado di Gennaro, der Chef von PNO. "Er ist sehr fleißig und total aufnahmefähig", so di Gennaro. "Wenn es tatsächlich hart auf hart kommen sollte, dann werden wir um ihn kämpfen", kündigt er an, der, wie alle PNO-Mitarbeiter auch, Yaqoobi Esmatullah ins Herz geschlossen hat. enrico Sauda

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