Ganz gut da steht die Berger Straße in Frankfurt nach Angaben von Kaweh Nemati, der Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße ist. Das Ladensterben ist ausgeblieben. Ausgefallen ist aber das Straßenfest, das am Wochenende steigen sollte.
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Ganz gut da steht die Berger Straße in Frankfurt nach Angaben von Kaweh Nemati, der Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße ist. Das Ladensterben ist ausgeblieben. Ausgefallen ist aber das Straßenfest, das am Wochenende steigen sollte.

Nordend

„Kunden aus der Umgebung schockt das“: Geschäftsmann auf der Berger Straße klagt über Müll

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Trotz der finanziellen Einbußen durch Corona bleibt die Berger Straße in Frankfurt von der Pleitewelle verschont. Ein großes Ärgernis ist allerdings der vermehrte Müll.

  • Trotz bereits vorhandenen Hygienekonzepts musste das Berger Straßenfest dieses Jahr ausfallen.
  • Die Berger Straße konnte sich glücklicherweise trotzdem vor der Pleitewelle schützen.
  • Müllansammlungen belasten aber die Berger Straße in Frankfurt.

Frankfurt – So entspannt wäre Kaweh Nemati heute sicher nicht auf der Berger Straße gestanden, wenn das aufs erste September-Wochenende verschobene Berger Straßenfest gefeiert worden wäre. Der Vorsitzende der veranstaltenden Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB) hätte Dutzende Dinge gleichzeitig organisieren müssen. Das Wetter jedenfalls hätte es gut gemeint, Sonnenschein satt ist angesagt. Nemati sagt aber auch: "Wir wissen nicht, ob wir das Fest tatsächlich veranstaltet hätten, wir wollen ja schließlich kein Corona-Beschleuniger sein."

Zuletzt hätte sich nämlich gezeigt, dass große Menschenansammlungen eben Corona-Hotspots seien. Unter diesem Gesichtspunkt wäre auch das Straßenfest ein Risiko gewesen - trotz Hygienekonzept. "Jeder Besucher hätte sich online anmelden müssen und hätte einen QR-Code als Einlassticket bekommen." Pro Stunde hätten aber nicht mehr als 2500 Besucher kommen dürfen. Wären es mehr gewesen, hätte es Zeitslots gegeben, erklärt Nemati. Der Straßenfest-Besuch wäre also zeitlich begrenzt gewesen - das Prinzip ist vergleichbar mit der Praxis in Frankfurts Schwimmbädern.

Frankfurt: Kleine Einbußen gibt es ohne das Berger Straßenfest aber trotzdem

Die ins Hygienekonzept investierte Arbeit sieht der IGUB-Chef jedoch nicht als verschwendete Zeit. "Dieses Wissen hilft uns für 2021." Im nächsten Jahr soll das Berger Straßenfest dann wieder ganz normal steigen. Hoffnung machen Nemati Aussagen von Experten, die damit rechnen, dass Anfang nächsten Jahres ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht.

Eine Konsequenz hat das ausgefallene Straßenfest aber doch: Die Lichterkette zur Weihnachtszeit in der Berger Straße wird diesmal nicht aufgehängt. Weil die Einnahmen aus dem Frankfurter Straßenfest fehlen, könne die IGUB die Kosten in Höhe von 6000 bis 7000 Euro nicht finanzieren, bedauert Nemati. Eine Teilschuld treffe die Wirte, die sich nicht an den Kosten fürs Berger Straßenfest wie Müllbeseitigung oder Sicherheitsdienst beteiligten - aktuell wären es 17 gewesen. Nemati rechnet vor: Hätten sie beispielsweise in den vergangenen drei Jahren jeweils nur 1000 Euro beigesteuert, befände sich rund 50.000 Euro mehr in der IGUB-Kasse. Davon hätte die Lichterkette finanziert werden können.

Ein Lichtblick für die Weihnachtszeit in Frankfurt?

Eine völlig unbeleuchtete Berger will sich Nemati aber nicht vorstellen. Er hofft, dass die Wirte Heizpilze rausstellen, die etwas Licht bringen. Und es gibt Pläne für einen Weihnachtsmarkt, sagt er. Die Buden sollen mit großzügigen Abstand entlang der Einkaufsstraße stehen. So verteilen sich in Zeiten von Corona die Besucher. "Noch ist aber nichts spruchreif", will Nemati nicht zu viel versprechen.

Die von ihm zu Beginn des Lockdowns prognostizierte Pleitewelle von Geschäftsleuten sei glücklicherweise ausgeblieben, freut sich der IGUB-Vorsitzende. Im Schockzustand damals habe er die Situation falsch beurteilt. "Es gibt keine Corona-bedingten Schließungen", sagt er. Die Folgen der Pandemie wirkten aber wie ein Beschleuniger: "Geschäfte, denen es vorher schon schlecht ging, haben es jetzt doppelt schwer", sagt er.

Auch ohne das Fest auf der Berger Straße sammeln sich Müllberge an

Das aktuell größte Ärgernis sei die Corona-bedingt zunehmende Vermüllung im Viertel. Auch mehr Obdachlose und Betrunkene seien anzutreffen. "Wir Frankfurter sind das gewohnt. Kunden aus der Umgebung schockt das aber. Die kommen nie mehr", sagt Nemati. Und das ist schlecht fürs Geschäft. (Von Matthias Bittner)

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