Falscher Sattel: Pferde, ob geritten oder vom Fahrrad aus geführt, gehören zum alltäglichen Straßenbild.
+
Falscher Sattel: Pferde, ob geritten oder vom Fahrrad aus geführt, gehören zum alltäglichen Straßenbild.

Pferde in Berkersheim

Berkersheim: Bereitgestellt, falls etwas fällt

  • vonSabine Schramek
    schließen

In Berkersheim reinigen Reiter die Straße selbst. Mit einer einfachen Lösung.

Meschkinnes hat es eilig und klappert auf dem Asphalt. Nicht der hochprozentige ostpreußische Bärenfanglikör aus Honig und Gewürzen, sondern die bildschöne braune Trakehnerstute von Jürgen Aufschläger. Sie würdigt die merkwürdigen Eimer an den Kreuzungen keines Blickes. Sie weiß, dass ihr Futter in ihrer Box auf sie wartet. "Seit Jahren wird rumgemeckert, weil immer mal wieder Pferdeäpfel auf der Straße liegen", sagt Aufschläger lachend. Seit 40 Jahren hat er Pferde. "Und weil gemeckert wird, gibt es diese Eimer mit Schaufel, damit die Reiter die Hinterlassenschaften ihrer Pferde aufräumen. Das klappt auch prima. Manchmal machen wir es erst auf dem Rückweg weg, aber der Mist kommt weg", sagt er und klopft Meschkinnes Hals. "Wo Pferde sind, gibt es auch Pferdeäpfel. Beides gibt es in Berkersheim reichlich. Jeder ist selbst für das Absammeln zuständig."

Hier stehen 70 Pferde ein

Mehr als 1200 Jahre Tradition hat der Stadtteil Berkersheim zu bieten und ist stolz darauf. Auf seine Landwirtschaft, seine Streuobstwiesen, seinen traumhaften Blick über das Niddatal bis in den Taunus und auf seine rund 70 Pferde in mehreren Ställen. Der Reit- und Fahrverein Niddertal ist hessenweit bekannt für seine Turniere - auch wenn sie wegen der Gleisarbeiten und dem Bau einer neuen Reithalle derzeit ausfallen. Nicht weit von der Nidda grasen Pferde zufrieden auf großen Koppeln, mitten im Ort klappert es auf und ab. Autofahrer nehmen Rücksicht, wenn Pferde durch den Ort geführt oder geritten werden. Auf den grünen, schwarzen und pinkfarbenen Eimern steht mit Edding groß geschrieben "Nur Pferdeäpfel".

Auf der Website des Vereins gibt es eine aufwendige Gebrauchsanleitung zu lesen. Darin wird um freundliches Miteinander gebeten und darum, mit den Pferden nicht den Gehweg zu benutzen. "Bitte haltet Euch daran - das beseitigt auch gleich das Problem der höchst unangenehmen Pferdäppel auf Gehwegen", heißt es. Das regelmäßige Leeren der Eimer an den Straßenkreuzungen könne in dem Verein mit 150 Mitgliedern als Arbeitsstunde für den Verein abgerechnet werden. Anmelden, mit der Schubkarre durchs Dorf rollen, Eimer darin ausleeren, zum eigenen Stall bringen und entsorgen, danach abmelden.

Wie Aufschläger findet auch Sascha Josephowitz, "dass Pferde zu Berkersheim dazugehören". Der Wirt vom Gasthof zum Lemp steht in seinem Hof unter der großen Kastanie und harkt den Kiesboden glatt. "Jeder, der alteingesessen ist, echauffiert sich über die Leute, die rummeckern, wenn mal Pferdeäpfel rumliegen", sagt er überzeugt. "Hier, in der Mitte des Dorfes, sind ständig Pferde unterwegs. Das Klappern der Hufe wirkt beruhigend auf mich und wenn ein Pferd äppelt, wird es weggemacht", meint er und lacht. Die Diskussion um die Pferdeäpfel verwundert ihn. "Wenn man kein anderes Problem hat, macht man sich eins", sagt er schulterzuckend.

Viel schlimmer sei, dass viele Pferde nicht zur Koppel am Verein könnten wegen der S-Bahn-Bauarbeiten. "Es gibt Tage, da sind mehr Pferde als Autos unterwegs." Dass jemand Probleme mit Pferdeäpfeln hat, kann er nicht nachvollziehen. Dabei sind sie bei Gärtnern begehrt, um Rosen, Obstgewächse, Kohl, Tomaten, Kürbis, Sellerie oder Zucchini und Rhabarber sowie Erdbeeren zu düngen.

Echte Äpfel rollen die Obergasse hinab

Bei den jährlichen Abbelrollmeisterschaften purzeln dagegen richtige Äpfel die Obergasse hinunter. Zu dem in Frankfurt wohl einmaligen Wettbewerb kommen bis zu 200 Leute. "Ob die Meisterschaft im September stattfinden kann, steht wegen Corona noch nicht fest", so der Wirt. "Wenn nicht, gibt es eben nur die Pferdeäpfel in bunten Eimern." Während er das sagt, trotten zwei Pferde mit ihren Reitern gemächlich den Berg hinauf. Genauso wie die Stute Meschkinnes würdigen sie die Eimer keines Blickes und äppeln hier zumindest nicht. (Sabine Schramek)

Warten macht den wenigsten Fahrgästen Spaß, besonders wenn im Berufsverkehr die Zeit knapp wird. Im Rhein-Main-Gebiet sind Pendler mehr als in den meisten anderen Städten von S-Bahn-Verspätungen betroffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare