?Weder Weißwein noch Rotwein, noch Weißwurst? führten zu Bernadette Weylands (CDU) Oberbürgermeisterkandidatur.
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?Weder Weißwein noch Rotwein, noch Weißwurst? führten zu Bernadette Weylands (CDU) Oberbürgermeisterkandidatur.

Interview mit OB-Kandidatin

Wie Bernadette Weyland (CDU) Oberbürgermeisterin werden will

Mit 98,2 Prozent wurde die Staatssekretärin im Finanzministerium von der Frankfurter CDU als Oberbürgermeisterkandidatin bei der Wahl 2018 aufgestellt. Am Tag nach ihrer Nominierung sprach FNP-Redakteur Thomas Remlein mit der 59-Jährigen.

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Nominierungs-Ergebnis?

WEYLAND: Ich hab’ mich sehr über das Ergebnis gefreut. In der Form hab’ ich nicht damit gerechnet. Weil auch sehr viel Neues im Programm war, habe ich mich auch gefragt, ob das auch so ankommt.

Erzählen Sie unseren Lesern doch, wie Sie zur CDU-Oberbürgermeister-Kandidatur gekommen sind: Hat Sie Uwe Becker zu einem Weißwurstessen eingeladen? Oder war es bei einem Glas Rotwein wie weiland bei der Nominierung von Boris Rhein durch Oberbürgermeisterin Petra Roth?

WEYLAND (lacht): Weder Weißwein noch Rotwein, noch Weißwurst. Das war ein Prozess. Wir haben viele Gespräche geführt. Und letzten Endes ist Herr Becker auf uns zugekommen. Wir waren uns darin einig, dass jemand in den Wahlkampf ziehen sollte, der eine Chance hat. Insofern ist es von der Entscheidung her klar gewesen. Wir verstehen uns bestens und wir sind ein gutes Team.

Es heißt, dass durchaus die Landesregierung und Parteispitze Einfluss auf Beckers Entscheidung zum Verzicht genommen hat.

WEYLAND: Das kann ich nicht bestätigen. Das würde die Landesregierung auch nie tun. Dafür ist Frankfurt immer zu selbstständig gewesen. Becker hat ja gestern auch dargestellt, dass es seine Überzeugung ist, dass es so richtig ist.

Was haben Sie, was Becker nicht hat?

WEYLAND: Das müssen die Wähler und Wählerinnen entscheiden. Bei mir sieht es so aus, dass ich sehr viel Freude auf den Wahlkampf habe, jetzt schon. Dass ich gerne mit Menschen unterwegs bin. Herr Becker ist eher etwas zurückhaltend. Aber gerade aus dieser Sicht heraus glaube ich, dass wir als Team bestens aufgestellt sind. Deshalb stehen die Chancen auch ganz gut.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zum Amtsinhaber Peter Feldmann? Als Sie noch Stadtverordnetenvorsteherin waren, haben Sie ja zu Neujahr stets ein eigenes Grußwort neben dem des OB verfasst.

WEYLAND: Das ist richtig. Die Stadtverordnetenvorsteherin hat ein ganz anderes Aufgabengebiet und kann für das Stadtparlament sprechen. Und das habe ich wahr genommen. Mir lag nicht daran, etwas abstimmen zu wollen, was gar nicht einer Abstimmung unterliegt. Der OB hat eine andere Agenda als die Stadtverordnetenvorsteherin. Außerdem glaube ich, dass ich auch selbst ganz gut formulieren kann.

Aber Ihr Nachfolger Stephan Siegler verfasst das Grußwort wieder gemeinsam mit dem Oberbürgermeister.

WEYLAND: Das kann sein. Jeder macht es anders.

Und wie ist Ihr Verhältnis zum Oberbürgermeister?

WEYLAND: Ich habe kein Verhältnis mit dem Oberbürgermeister.

Interviewer (lacht laut), Weyland lacht mit.

Aber wo haben Sie ein anderes Politikverständnis als Peter Feldmann?

WEYLAND: Ja, das hab ich. Gestern hab ich mich bemüht, das darzustellen. Sein Ansatz ist ein anderer, aber das müssen Sie ihn fragen.

Welche Themen beschäftigen die Frankfurter besonders?

WEYLAND: Die Frankfurter? Kann man das so sagen?

Lassen Sie uns dann sagen: Die Stadtgesellschaft.

WEYLAND: Sicherheit und Ordnung. Es muss ein neues Sicherheitskonzept geben. Schon allein vor dem Hintergrund, dass es ja auch neue Vorschriften für Veranstaltungen gibt.

Jetzt ist ja der Ordnungsdezernent von der CDU. Warum macht er denn so wenig?

WEYLAND: Es gibt Themen, die bei den Dezernenten spielen. Aber es gibt Themen in einer Großstadt, die vom Stadtoberhaupt selbst begleitet werden müssen. Das sind die Kernthemen. Und das ist das Thema Sicherheit – wie in jeder anderen Großstadt auch. Darum muss sich das Stadtoberhaupt kümmern und da kann man nicht sagen, das ist Aufgabe eines Dezernenten. Dazu gibt es das Amt des Stadtoberhauptes.

Welche Themen werden Sie noch in den Vordergrund rücken?

WEYLAND: Bildung ist für mich ein ganz wichtiges Thema.

Das ist aber Landessache.

WEYLAND: Das ist insofern keine Landessache, weil die Schulentwicklungspläne natürlich von der Stadt kommen. Die Entscheidung, welche Schule kommt in welchen Stadtteil, ist Sache der Stadt. Es kann nicht sein, wenn Eltern möchten, dass ein Kind aufs Gymnasium geht, dass kein Platz vorhanden ist, und die Alternative: Integrierte Gesamtschule lautet. Das kann Eltern zwingen ein Privatschule zu wählen und das können nur Eltern, die das Geld dafür haben.

Sie haben gestern vier Schwerpunkte genannt. Wann wird man von Ihnen genauer inhaltliche Positionen erfahren?

WEYLAND: Der Wahlkampf fängt ja erst an.

Ja, Sie haben elf Monate Zeit.

WEYLAND (lacht): Geduld, Geduld!

Das ist keine Journalistentugend. Entschuldigung!

WEYLAND: Die inhaltlichen Themen werde ich im Laufe der Zeit noch eigens darstellen.

Können Sie wie der Oberbürgermeister jedes Thema in drei Schlagworten zusammenfassen?

WEYLAND: Ist das notwendig?

Es ist manchmal hilfreich.

WEYLAND: Ich halte nicht so viel davon zu sagen: „Bauen, bauen, bauen“ und das war’s.

Feldmann war aber bei seiner Wahl mit seinen sechs Punkten sehr erfolgreich. Mit wie viel Punkten werden Sie in den Wahlkampf ziehen?

WEYLAND: Bei mir wird es ein Zehn-Punkte-Programm geben.

Ist das nicht zu viel? Lerntheoretiker sagen, kein Mensch kann sich mehr als sechs Dinge merken.

WEYLAND: Das kann sein. Es geht nicht nur darum, die Themen vorzustellen, sondern man muss die Themen auch leben.

Welches Wahlkampfbudget haben Sie denn?

WEYLAND: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich halte nichts davon, viel Geld auszugeben. Ich habe sehr viele Menschen um mich herum, die das aus Freude an der Sache machen.

Werden Sie sich selber finanziell beteiligen?

WEYLAND: Ich glaube, das muss ich. Das ist doch ganz klar, wenn Menschen freiwillig etwas ehrenamtlich machen, seh’ ich es als meine Verpflichtung an, dass man bei der einen oder anderen Gelegenheit zusammen essen geht.

Werden sie eine Summe X einsetzen? Für Plakate beispielsweise?

WEYLAND: Ich habe noch keine Kostenvorstellung. Das werde ich bei nächster Gelegenheit sehen.

Peter Feldman tritt häufig mit seiner Frau Zübeyde als First Lady in der Öffentlichkeit auf. Werden DIE Frankfurts auch ihren First Lord kennenlernen?

WEYLAND: Meine Familie war gestern beim Parteitag da. Die Kinder sind natürlich alle erwachsen und ziehen ihrer Wege. Die sind gestern extra angereist. Verständlicherweise möchte ich sie nicht mit meinen Verpflichtungen belasten. Die haben alle ihre Aufgaben.

Und Ihr Mann?

WEYLAND: Der ist berufstätig und hat auch seine Aufgaben. Er begleitet mich, er unterstützt mich. Im Wesentlichen geht es darum, dass das Privatleben nicht im Vordergrund steht. Die Menschen in dieser Stadt dürfen von mir als Oberbürgermeisterin erwarten, dass ich erstrangig meine Aufgaben erfülle und nicht mein Privatleben ins Schaufenster stelle.

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