+
Bernhard Grzimek – Der legendäre Direktor des Zoo Frankfurt

Vom Zoo-Direktor zum Weltstar

Bernhard Grzimek – Der legendäre Direktor des Zoo Frankfurt

Wer schon einmal den Zoo Frankfurt besucht hat, dem ist der Name Bernhard Grzimek ein Begriff. So erlangte der legendäre Zoo Direktor Berühmtheit.

  • Bernhard Grzimek war Direktor des Zoo Frankfurt
  • Er ist bekannt geworden als Tierschützer, Filmemacher, Autor, Moderator, Forscher und Abenteurer
  • Für „Die Serengeti darf nicht sterben“ erhält er einen Oscar

Zoo-Direktor in Frankfurt, Tierschützer, Filmemacher, Autor, Moderator, Forscher, Abenteurer. Alles Beschreibungen die auf Bernhard Grzimek zutreffen. Weniger klangvolle Begriffe: Ehebrecher. Nazi. Die Akte Grzimek scheint sehr viel mehr bereit zu halten als Affenbabys und Lobeshymnen. Der Zoologe wäre vor ein paar Monaten 110 Jahre alt geworden – sein Erbe dauert noch immer an.

Bernhard Grzimek: Vor dem Zoo Frankfurt kam Neiße

Geboren wird Bernhard Grzimek 1909 als jüngstes von sechs Geschwistern in Neiße, Oberschlesien. Nach dem Abitur widmet er seine Zeit dem Studium der Tiermedizin und promoviert 1933 in Berlin. Der gemachte Tiermediziner heiratet schon während seiner Studienzeit die Lehrertochter Hildegard Prüfer. Drei Söhne gehen aus dieser Ehe hervor: Rochus, Michael und Thomas, ihr Adoptivkind. Heute lebt nur noch der Erstgeborene. Thomas beging 1980 Selbstmord - Michael sollte ein anderes Schicksal ereilen.

War Zoo-Direktor Bernhard Grzimek ein Nazi?

Nach dem Erlangen seines Doktorgrades im Februar 1933 will Grzimek Karriere machen. Zu diesem Zeitpunkt ist Adolf Hitler seit etwa drei Wochen im Amt des Reichskanzlers – wer eine steile berufliche Laufbahn hinlegen möchte, tut gut daran, in dieser Entwicklung kein Problem zu sehen. Diesem unausgesprochenen Leitsatz passt sich auch Berhard Grzimek an. Im Juli 1933, nur wenige Monate nach seiner Promotion, tritt der Tiermediziner der SA bei, woraufhin er in der Verwaltung des Reichsnährstandes unterkommt. Als Referent arbeitet er dort bis 1937. Zwei Jahre zuvor hatte er die SA verlassen, tritt aber im Mai 1937, kurz nach der Lockerung des Aufnahmestopps der NSDAP bei. Ein Umstand, welchen Bernhard Grzimek Zeit seines Lebens verleugnet.

Frankfurt: Zoo-Direktor Bernhard Grzimek war NSDAP-Mitglied

Das dunkelste Kapitel im Leben des berühmten Zoologen steht auch heute, Jahrzehnte nach seinem Ableben, noch in der Kritik. Nachdem der Wahrheitsgehalt der Gerüchte nie hundertprozentig bestätigt wurde, kommt 2009 dann der Beweis: Im Bundesarchiv Berlin werden eindeutig kompromittierende Unterlagen gefunden: die Illusion um den immer lächelnden Tierfreund platzt. Nazi aus Überzeugung war er aber wohl nicht. Wie die „Welt“ berichtet, habe es sich bei seiner Parteimitgliedschaft um eine rein Karriere bezogene Maßnahme gehandelt. Während er im zweiten Weltkrieg als Veterinär in der Wehrmacht dient, versorgt er zudem untergetauchte Juden mit Nahrungsmitteln. Anfang 1945 untersucht die Gestapo deswegen seine Wohnung in Berlin.

Bernhard Grzimek - Flucht nach Frankfurt

Bernhard Grzimek taucht unter – bei seiner Geliebten in Berlin. Ehefrau Hildegard Prüfer zieht währenddessen seine Kinder auf, sie weiß von der Affäre. Von Berlin aus flüchtet Grzimek nach Frankfurt am Main, wo er auf Willhelm Hollbach trifft. Der ehemalige Hauptschriftleiter des Frankfurter Illustrierten Blattes war zuvor von der US-Militärregierung als provisorischer Oberbürgermeister eingesetzt worden. Grzimek hatte in früheren Jahren eine Kolumne für das Blatt geschrieben und fand in Hollbach einen Freund in der Not. Im April wird er sein persönlicher Referent, am 1. Mai 1945 wird er zum Direktor des Zoologischen Gartens berufen. Für den Frankfurter Zoo wird ein neues Zeitalter eingeläutet.

Zoo Frankfurt: Die Erfolgsgeschichte

Der Zoo in Frankfurt war während des zweiten Weltkrieges arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Im März 1944 schlagen 27 Fliegerbomben in das Zoo-Gelände ein, 90 Prozent der Tiere sterben bei diesem Angriff. Die Stadt veranlasst daraufhin die Räumung des Zoos, er soll aus dem dicht besiedelten Ostend an den Rand der Stadt verlegt und dort wieder aufgebaut werden. Bernhard Grzimek hält von dieser Idee nichts – er setzt alles daran, den Zoo Frankfurt an seinem angestammten Platz wieder zum Leben zu erwecken. In kurzer Zeit lässt Grzimek einige der zerstörten Gebäude wieder errichten und die von den Luftangriffen auf dem Zoo-Gelände hinterlassenen Bombenkrater beseitigen. Schon am 1. Juni 1945 wird der Zoo Frankfurt wieder eröffnet – in einer Zeit in der die meisten nicht einmal genug Geld für Essen, geschweige denn die Besichtigung ausgehungerter Zoo-Tiere hatten. 

Bernhard Grzimek: Tierfreund mit Charme rettet Zoo Frankfurt

Davon lässt sich Grzimek nicht entmutigen. Er veranstaltet Volksfeste, Tanzveranstaltungen und Modenschauen und erlaubt sich auch den ein oder anderen Scherz: Einmal verspricht er den Besuchern einen weißen Elefanten samt Maharadscha. Den bekommen sie auch – nur dass es sich dabei um einen angemalten Dickhäuter in Begleitung eines kostümierten Darstellers handelt. Doch die Masche wirkt: Innerhalb kürzester Zeit verdoppeln sich die Besucherzahlen gegenüber der Vorkriegszeit auf 563.964 Schaulustige. Der Frankfurter Zoo ist damit der größte Vergnügungspark Hessens.

Zoo Frankfurt: Auf Tier-Suche in Afrika

Was fehlt sind jedoch immer noch die Tiere. 1951 macht sich Grzimek deswegen auf an die afrikanische Elfenbeinküste. An seiner Seite: Sohn Michael, ein für ihn ebenbürtiger Partner, zu dem er eine innige Beziehung hat. Am Ende ihrer Reise haben sie einige Wildtiere für den Zoo gefangen, die der gerade mal 16-Jährige alleine mit dem Frachtschiff nach Europa begleitet. Die beiden werden ein festes Gespann. Mit 18 Jahren veröffentlicht Michael einen selbst finanzierten Film nach dem Buch seines Vaters. „Kein Platz für wilde Tiere“ wird ein kommerzieller Erfolg und mit einigen Preisen ausgezeichnet. Mit dem Geld wollen die beiden Nationalparks in Tansania unterstützen.

Vom Zoo Frankfurt in die Serengeti

Das Unterfangen entwickelt sich, auf Wunsch der tansanischen Nationalparkbehörde, anders als gedacht: Sie sollen eine Tierzählung durchführen. Sohn Michael ist Feuer und Flamme. Er überzeugt seinen Vater, für das Projekt gemeinsam einen Flugschein zu machen, um die Bestände aus der Luft besser erfassen zu können. Im Dezember 1957 heben die beiden Fluganfänger mit ihrer im Zebra-Look lackierten Dornier 27 von Frankfurt ab.

Im Laufe der nächsten zwei Jahre führen Bernhard und Michael ihre Forschungen durch. Sie sind eine der ersten, die mit Narkosegewehren experimentieren und untersuchen die Bestandszählungen durch Halsbänder. Ein besonderer Bestandteil ihrer Untersuchungen, ist der Einfluss des Menschen auf die Wanderungen der Wildtiere. Mit der Dornier 27 gelingt es ihnen auch in die entlegensten Winkel der Serengeti vorzudringen. Ihre Erlebnisse halten sie mit der Filmkamera fest.

Zoo-Direktor Bernhard Grzimek: Die Tragödie seines Lebens

1959 dann die Tragödie: Während einer Zählung kollidiert Michaels Maschine mit einem Geier. Die Tragfläche wird beschädigt, das Flugzeug stürzt ab. Er ist sofort tot. Michael wird am Rande des  Ngorongoro-Kraters am Rande der Serengeti beigesetzt. „Ich aber wünsche allen Vätern, dass sie einen Sohn haben mögen, der ihr Kamerad und Freund ist und der sich mit ihnen versteht. Und wenn es auch nur für einige wenige Jahre ist.“ schreibt der tief getroffene Direktor des Zoo Frankfurt in dem später veröffentlichten Buch „Die Serengeti darf nicht sterben“. Darin hatte er die vor allem von Michael erhobenen Forschungsergebnisse posthum zusammengefasst und publiziert. Den Erfolg des auf dem Buch basierenden Dokumentarfilms erlebt Michael nicht mehr mit. Bernhard Grzimek erhält dafür einen Oscar – den Ersten, der an eine deutsche Produktion verliehen wurde und den letzten seither für einen Tierdokumentation.

Bernhard Grzimek: Zoo-Direktor aus Frankfurt im Fernsehen

Bernhard Grzimek lässt sich von dem tragischen Ereignis nicht unterkriegen. Ab dem Ende der 50er Jahre tritt er als Moderator der beliebten hr-Sendereihe „Ein Platz für Tiere“ auf. Mit den Worten „Guten Abend meine lieben Freunde“ begrüßte er 175 Folgen lang die zahlreichen Zuschauer der Sendung. In jeder Folge war dabei ein neues Zoo-Tier zu Gast, über dessen Verhaltensweisen, Lebensraum und artgerechte Haltung der Zoologe mit Witz und Charme aufklärte.

Zoo-Direktor von Frankfurt stirbt während Tiger-Vorstellung

Trotz seines ausschweifenden Engagements in allen Feldern der Zoologie und Tier-Medizin, blieb Bernhard Grzimek bis zu seiner Pensionierung Direktor des Frankfurter Zoos. 1987 verstirbt der damals 78-Jährige während einer Tiger-Vorstellung des Zirkus Althoff an einem Herzinfarkt.

Von Paulina Henning von Lange

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare