Bertas Burger sind Kult

Wie in einem Imbiss der sechziger Jahre geht es zu im Imbiss von Fatma Michel in der Ladenzeile an der Melibocusstraße. Kult ist sein Name und Kult sind seine Burger, die Fatma Novak in der Original-Küchen ihrer Vorgängerin Berta Novak brät.

Auf Pappteller, mit Papierserviette und einem Lächeln serviert Fatma Michel dem Gast die Burger, die 2010 und 2011 zu den besten Deutschlands gewählt wurden. „Kult!“, finden auch viele Frankfurter, die das Erfolgsrezept des Imbisses schon seit ihrer Kindheit in den Sechzigern kennen. „Kult-Imbiss“ hat die 50-Jährige Inhaberin ihren Laden vor einigen Jahren deshalb auch getauft.

2005 übernahm Fatma Michel den Niederräder Imbiss von der Gründerin Berta Novak, die seit 1966 in ihrem Schnellimbiss Burger und Nierenspieße verkauft hatte. Letztere waren in dieser Zeit noch voll in Mode und an jeder Ecke zu bekommen. „Heute findet man Nierenspieße allenfalls noch bei den traditionellen Schaustellerbetrieben auf großen Rummelplätzen und auf dem ein oder anderen Weihnachtsmarkt.“ Als sie den Laden übernahm, versprach Fatma Michel der Gründerin, die Tradition aufrecht zu erhalten – Nierenspieße bleiben auf der Karte.

Ihre Vorgängerin führte den Betrieb fast vierzig Jahre lang und war in Niederrad „bekannt wie ein bunter Hund“. „Frau Novak lebte für den Laden“, erzählt Michel, die Berta Novak schon kannte, als diese selbst noch Burger im Akkord briet – mit 72 Jahren und von Kälte und viel Küchenarbeit gekrümmten Fingern. Die Entscheidung, ihr Lebenswerk in jüngere Hände zu geben, fiel der alten Dame nicht leicht – erst Fatma Michel schien ihr eine geeignete Nachfolgerin.

Sie sollte Recht behalten, Nachfolgerin Michel konnte schnell erste Erfolge verbuchen. Neben Auszeichnungen wie dem Titel des besten Burgers der Republik, ist sie besonders stolz, Teil eines ganz besonderen Buchprojekts geworden zu sein. Schauspieler Jon Flemming Olsen – bekannt als Imbisswirt Inga in der Serie „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“ – hatte ihren Laden als besten Imbiss Hessens auserkoren und ihn in seinem “Fritten-Humboldt“ vorgestellt.

Der Name „Kult-Imbiss“ ist Programm, hat Fatma Michel in den letzten Jahren aber auch eine Menge Ärger eingebracht. Vor drei Jahren zog sie mit ihrem Laden aus der Bude, die nach wie vor an der Ecke Melibocus-/ Goldsteinstraße steht, ein paar Häuser weiter in die Ladenzeile an der Melibocusstraße. Kurze Zeit später eröffnete am alten Standort ein neues Burger-Haus. Aus anfänglichen Rivalitäten ist ein handfester Nachbarschaftsstreit geworden. Hinweise an den Schaufenstern und dem Web-Auftritt von Michels Imbiss informieren die Kunden darum noch Jahre später über den Umzug.

Bereut hat sie es dennoch nicht, dass sie aus der zugigen Bude weggezogen ist. Gerade jetzt im Winter freut sich nicht nur die Wirtin über ihren warmen Laden, der ja auch Treffpunkt ist. Die Zeiten, in denen ihr der Kopfsalat auf der Theke zu Eis gefror, wünsche sie sich nicht zurück, erzählt sie lachend und erinnert sich an viele Abende, an denen sie lange nach Feierabend mit kalten Füßen ins Bett ging.

Viele ihrer Kunden kommen bereits in dritter Generation. Diejenigen, die sich einst als Eltern über die Appetitlosigkeit ihrer Kinder geärgert haben, wenn diese ihr letztes Taschengeld auf dem Nachhauseweg für Pommes von Berta Novak ausgegeben hatten und dafür das Mittagessen verschmähten, kommen heute mit ihren Enkeln zu Fatma Michel. Und tauschen über die gemeinsame Portion Pommes hinweg verschwörerische Blicke . . . „Im Imbiss scheint die Zeit stehen geblieben zu sein“, sagt auch Martin Michel, der Mann der Küchenchefin, der Novaks Burger schon als Teenager mochte.

Das Wichtigste für Michels Speisen sind die richtigen Zutaten. An denen hat sich seit Jahrzehnten wenig geändert: „Aber man glaubt kaum, wie stark sich allein Zwiebeln je nach Herkunft in ihrer Qualität unterscheiden“. Auch für Brötchen und Fleisch gibt Michel ihre Lieferanten ungern preis. „Nach dem Bäcker, der unsere Burgerbrötchen backt, fragen Kunden fast täglich.“ Sein Name bleibt Michels Geheimnis, aber er habe schon mit Berta Novak zusammengearbeitet. Noch heute tüfteln Michel und der Bäckermeister ihres Vertrauens am perfekten Brötchenrezept.

Auch deshalb sind die Hamburger und Co. heute noch so beliebt wie einst bei Berta Novak in den Sechzigern. Dennoch ist das Mittagsgeschäft schwieriger geworden, gerade in der Bürostadt machen Kantinen den Michels die Kunden streitig. Doch die Burger-Fans kommen immer – dann sitzen der Banker, die Fußballfans vorm Eintracht-Spiel und die Schulkinder mit Taschengeld für Pommes an den alten Holztischen. ska

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