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Berufssuche mitten im Hauptbahnhof

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Von: Sabine Schramek

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Ab sofort gibt es in der Job-Welt der Deutschen Bahn eine Berufsberatung für jedermann. Ohne Termin. FOTO: rainer Rüffer
Ab sofort gibt es in der Job-Welt der Deutschen Bahn eine Berufsberatung für jedermann. Ohne Termin. © rüffer

Agentur für Arbeit und Deutsche Bahn haben am Freitag die Job-Welt eröffnet

Frankfurt -Rote und weiße Luftballons und eine lange Schlange voller Neugieriger gab es am Freitag in der neuen DB Job-Welt im Hauptbahnhof. Ab sofort kooperieren hier die Deutsche Bahn und die Agentur für Arbeit Frankfurt, um über 10 000 offene Jobs und Qualifikationen ohne Termin zu beraten.

Annamaria Dahlmann strahlt und guckt begeistert auf die Leute, die unbedingt die DB Job-Welt kennenlernen möchten. „Die Idee hatten wir schon vor drei Jahren, dass wir unbedingt direkt im Bahnhof eine Anlaufstelle für Jobsuchende brauchen“, so die Leiterin Recruiting Mitte der Deutschen Bahn. Mit Wohnwagen sind sie in Städte gefahren, um über Ausbildung und Berufe bei der Bahn zu beraten. „Dann kam Corona. Seit April beraten wir hier ukrainische Flüchtlinge auf Russisch. Mehr als 500 Frauen waren schon hier“, sagt Dahlmann, die jetzt „die Vision wieder aufgenommen hat“.

Ab sofort gibt es nicht nur Beratung für Geflüchtete aus allen Herren Ländern auf Russisch, Ukrainisch, Englisch und Deutsch, sondern auch Berufsberatung für jedermann. Ohne Termin. Schon ganz früh sei eine Flugbegleiterin gekommen, die sich über Perspektiven bei der Bahn informiert hat. „Sie wollte alles über Arbeitszeiten und Einsatzbereiche wissen. Andere sind schon gleich mit kompletten Bewerbungsunterlagen gekommen. Mehr als 150 Berufe rund um die Schiene gibt es bei der Bahn.“

Über 10 000 offene Stellen

Nicht nur über Jobs bei der Bahn wird jetzt von montags bis freitags zwischen 10 und 17 Uhr beraten, sondern auch über 500 bis 600 Berufe, in denen Mitarbeiter oder Auszubildende bei der Agentur für Arbeit gesucht werden. „Bei uns sind mehr als 10 000 offene Stellen gemeldet, und hier kann jeder ohne irgendwelche Hürden jede Menge Infos bekommen“, so Stephanie Krömer, die Leiterin der Agentur für Arbeit in Frankfurt. „Wir wollen junge Leute erreichen. Hier kommen Schüler mit ihren Eltern vorbei, die über Ausbildung nachdenken, Berufstätige, die Neues suchen, und Arbeitslose, die einen Job wollen oder andere, die sich weiter qualifizieren möchten. Auch wir suchen Mitarbeiter“, erzählt sie lachend.

Mit 6,1 Prozent Arbeitslosenquote sei der Arbeitsmarkt in Frankfurt derzeit stabil und jede Menge Fach- und Arbeitskräfte würden gesucht. Nicht nur junge Leute, sondern auch erfahrene. „Oft kommt es auf die Motivation, Verbindlichkeit und die richtigen Voraussetzungen mehr an als auf das Alter“, weiß die Agentur-Chefin. Was vor drei Jahren noch schwierig gewesen sei für ältere Arbeitnehmer, sei heute kaum noch ein Thema. „Auch drei bis fünf Jahre vor der Rente wird noch jede Menge Wissensmanagement gebraucht.“

Jeden Tag sitzen je zwei Mitarbeiter der DB und zwei der Arbeitsagentur in dem 58 Quadratmeter großen Raum, geben Auskunft, helfen bei Unterlagen und beantworten geduldig alle Fragen. Die Kooperation zwischen der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Bahn ist ziemlich einzigartig. „In Leipzig ist kürzlich ein ähnliches Konzept eröffnet worden. Frankfurt ist die zweite Stadt, die so eine schnelle und unkomplizierte Anlaufstelle bietet“, sagt sie stolz.

Projekt läuft bis Dezember

Auch der Leiter Bahnhofsmanagement, Leif Niklas Wulf, strahlt unter den roten und weißen Luftballons. „Schon die Beratung für die Geflüchteten ist hervorragend angenommen worden. Da haben wir mit vier Stunden am Tag angefangen. Jetzt sind es sieben Stunden von Montag bis Freitag.“ Er ist sicher, dass der „quadratisch, praktisch, gute Raum in einer absoluten Top-Location auch für die Rekrutierung von Arbeitskräften und als Anlaufstelle für Arbeitssuchende gut funktionieren wird. Ich finde das Klasse“, so der Diplom-Ingenieur, der als gelernter Zimmermann zur Bahn kam, selbst kurze Zeit für Rekrutierung zuständig war und Architektur studiert hat.

Die Schlange vor dem Raum ebbt nicht ab. Die Berater lächeln. Auch für sie ist es ein völlig neues Gefühl, mitten im Geschehen zu sein und persönlichen Kontakt zu Menschen zu haben, von denen sie erst wissen, was sie suchen und brauchen, wenn sie Platz genommen haben.

Bis zum 2. Dezember läuft das Projekt probeweise mitten im Hauptbahnhof. Sabine Schramek

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