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Paketzusteller

Beschwerden häufen sich

Paketzusteller im Weihnachtsgeschäft am Limit

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Wer jetzt die Geschenkpakete für die liebe Verwandtschaft noch nicht losgeschickt hat, ist zu spät dran. Die Paketdienste ächzen bereits seit Wochen unter der Last der vielen Sendungen. Und Empfänger ärgern sich über eine oft schlampige Zustellung.

Ein Paketfahrer – er will aus denkbaren Gründen seinen Namen nicht nennen – sucht unter etwa 20 Namensschildern das passende. Er klingelt. Nichts regt sich. Er klingelt überall. Als der Türöffner brummt, schnappt er den Karton von der Sackkarre und stürmt die Treppen hoch. „Ich habe keine Zeit. Viel Arbeit. Zehn Stunden pro Tag.“ Vor Weihnachten ist immer sehr viel zu tun. Die Zustellbasis der Deutschen Post AG in Rödelheim verteilt täglich etwa 28 000 Päckchen, also doppelt so viele wie an normalen Tagen, berichtet Stefan Heß, Sprecher der Post.

Hinter einem Türspalt schaut eine Frau heraus. „Könnten Sie das Paket annehmen?“, fragt der Bote. „Nein, das ist zu groß.“ Längst ist der Paketbote weiter gerannt, treppauf, bis ganz oben. Nirgends ist eine weitere geöffnete Tür. Klar, an einem Werktag, um die Mittagszeit. Er legt das Paket schließlich vor die Tür der Empfängerin, und verlässt das Haus eilenden Schrittes. Seinen Lieferwagen hat er verbotenerweise auf dem Bürgersteig abgestellt. Sonst hält er schnell wie viele Lieferdienste in der zweiten Reihe. Nicht mal das ist heute drin.

Viel Stress, viele Fehler

Sie haben viel Stress dieser Tage, die Fahrer. Dass dann mehr Fehler passieren, ist menschlich. Wie der Paketbote, den wir fast gegen seinen Willen für einige Minuten begleitet haben. Pakete einfach vor die Tür legen, das ist eigentlich untersagt. „Bei mir lag das Paket vor der Haustür auf dem Bürgersteig“, ärgert sich eine Hofheimerin. „Ein anderer Paketbote muss wohl von hinten in den Garten gekommen sein. Er hat das Paket unter die Terrassentreppe gelegt.“ Ein Zettel im Briefkasten zeugte davon. „Das geht gar nicht“, betont Sprecher Stefan Heß, „wir unterweisen unsere Aushilfszusteller.“ Die Hofheimerin belieferte aber nicht DHL, sondern Amazon. Paketboten der Post-Tochter DHL halten auch oft mit ihren gelben Lieferwagen in der zweiten Reihe, um schnell ausliefern zu können.

Über das Jahr verteilt, hat der wachsende Markt des Online-Versandhandels den größten Anteil am steigenden Paketaufkommen. In der Vorweihnachtszeit jedoch spielen auch die Geschenkpakete eine Rolle. Ohne Aushilfskräfte bei allen Zustellern könnte kaum ein Paket rechtzeitig bei den Empfängern ankommen. Alleine die Post AG hat bundesweit rund 10 000 Aushilfskräfte eingestellt – die allerdings auch Briefe und Pakete sortieren, also nicht nur ausfahren.

Ermächtigung muss sein

Peter Rey, Sprecher des Paketdienstes DPD, betont: „Pakete dürfen auf keinen Fall ohne explizite Ermächtigung durch den Empfänger vor der Tür abgelegt werden.“ Im Zweifel muss der Zusteller Schadenersatz leisten, wenn das Paket vor der Haustür gestohlen wird. Auch Hermes, einer der großen Paketdienste, kennt die Probleme. „Die meisten Beschwerden“, sagt Sprecher Ingo Bertram, „verursachen Auslieferer, die wir kurzfristig in der Weihnachtszeit einstellen.“ Sie haben noch nicht die Routine, oder sie sind allzu bestrebt, ein Paket auszuliefern, auch auf dem Bürgersteig oder im Garten. „Es gibt Regeln, alle sind unterwiesen.“ Bei Hermes sind normalerweise 35 Fahrzeuge in Frankfurt im Einsatz, derzeit sind es 50. 4000 Pakete fahren sie täglich aus, normalerweise sind es 2800. „Tendenziell die meisten Pakete bekommen die Bockenheimer und die Sachsenhäuser“, erklärt Bertram.

Auch die DPD beschäftigt in der Vorweihnachtszeit zusätzliche Zusteller. Doch Hermes, GLS, DPD, UPS und andere private Logistikfirmen arbeiten auf der „letzten Meile“, dem Weg zum Briefkasten des Empfängers, mit Subunternehmern, sogenannten Systempartnern, zusammen. Diese sind es, welche die Aushilfskräfte einstellen – so sie denn welche finden.

Bei DPD ist das Weihnachtsgeschäft nicht ganz so ausgeprägt. „In Frankfurt stellen wir im Jahresschnitt rund 11 500 Pakete pro Tag zu, in den Wochen vor Weihnachten sind es mehr als 14 000“, sagt Rey. Für ganz Frankfurt seien in der Hochsaison 15 zusätzliche Zustell-Touren eingerichtet.

In Wiesbaden haben unbekannte Täter zwei Paketzusteller in Zeitraum von einer Stunde mit einer ähnlichen Betrugsmasche überfallen.

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