Unbekannte haben das kleine Häuschen am Fähranleger besprüht - es dient heute dem Fährmann als Geräteschuppen.
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Unbekannte haben das kleine Häuschen am Fähranleger besprüht - es dient heute dem Fährmann als Geräteschuppen.

Schmierereien in Höchst

Besprühtes Fährhäuschen soll jetzt Künstler inspirieren

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Illegales Graffito bringt Mainfähren-Pächter auf Idee für Verschönerungsaktion

Erst kam der Schock - dann folgte der kreative Funke: So lässt sich die Reaktion von Fährmann Sven Junghans auf ein Graffiti-Sprühwerk zusammenfassen, das Unbekannte vermutlich im Schutze der Dunkelheit auf der Fassade des kleinen weißen Fährhäuschens an der Anlegestelle hinterlassen haben. Früher bot der etwa 60 Jahre alte Bau den Fährmännern im Winter Schutz, heute dient er als Gerätehaus für die Mainfähre.

"Zuerst habe ich mich geärgert", räumt Junghans gegenüber dieser Zeitung ein - er machte seinem Unmut auf seiner Facebook-Seite Luft. "Auch, weil wir vor zwei Jahren erst die Wände neu bemalt hatten" - in neutralem Weiß, wohlgemerkt.

Doch nachdem der erste Ärger verraucht war, kam dem Pächter der Mainfähre eine Idee: "Ich will, dass die Fassade des Häuschens zu einem Kunstwerk wird." Aber nicht heimlich, still und leise, wie jetzt durch die nächtlichen Sprüher, sondern ganz offiziell. So sucht Junghans gemeinsam mit dieser Zeitung die schönsten und kreativsten Einfälle zur Gestaltung der Fassade des kleinen Häuschens.

Wahrzeichen soll Künstler inspirieren

Es soll wieder ein Graffito sein, denn der Fährmann weiß: "Das ist eine sehr lebendige Szene mit vielen kreativen Köpfen." Einzige Vorgabe für die Künstler: Das Logo der Mainfähre soll zu sehen und, na klar, die Fähre selbst auch im Bild sein. Bis Anfang April können Entwürfe per E-Mail an info@mainfaehrefrankfurt.de oder über die Facebookseite der Mainfähre eingereicht werden. Eine Jury wird dann den schönsten Entwurf küren, das Motiv soll dann künftig das Häuschen am Anleger zieren.

Junghans freut sich schon auf die Ideen für die Neugestaltung der Fassade. Immerhin gilt seine Fähre als ein Stück Höchst; sie ist Teil des Main-Panoramas mit Schloss, Zollturm und Bolongaropalast und eine Institution - eines der Wahrzeichen des Frankfurter Westens. "Mehr braucht es doch nicht an Inspiration", erklärt Sven Junghans: "Ich bin mir sicher, da wird etwas Schönes entstehen."

Zuversichtlich bleibt er auch, was den für Freitag geplanten Start in die Saison für die "Walter Kolb" betrifft. Zwar zeigte er sich durchaus beeindruckt von den "Wassermassen, die am Wochenende hier vorbeigerauscht sind". Dennoch denke er, dass er am Freitag nach längerer Instandsetzungs-Pause ablegen und die Mainfähre ihren Betrieb zwischen Höchst und Schwanheim wieder aufnehmen kann.

Gefrorener Schlamm als Hindernis

"Am Oberlauf des Mains ist der Pegel schon über einen Meter gefallen, das müsste eigentlich klappen", sagt er. Sorgen bereite ihm freilich ein Problem, das mit jedem Hochwasser einhergehe: "Auf der Schwanheimer Seite haben sich direkt an der Anlegestelle sehr viel Schlamm und Dreck abgesetzt." Während diese Hindernisse auf der Höchster Seite von der Strömung weggespült würden, blieben sie auf der ruhigen Schwanheimer Seite oft liegen. Damit er also überhaupt am Ufer anlegen kann, muss der Fährmann den Schlammberg vorher irgendwie beseitigen.

"In den vergangenen Jahren habe ich das immer mit Schaufel und Besen gemacht", berichtet er. Halten die Temperaturen aber an, werde der Schlamm sofort gefrieren, sobald er aus dem Wasser rage. Junghans: "Da muss ich mir etwas einfallen lassen".

Seit dem 20. Dezember ist die "Walter Kolb" aus dem Wasser. Nach fast 30 Jahren erhielt die Fähre eine Schönheitskur, wurde komplett sandgestrahlt und sieben Mal gestrichen. Auch die Anlegestelle am Schwanheimer Ufer wurde aus dem Wasser geholt und neu gestrichen.

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