Jonas Müller , der spätere Bundessieger, prüft, ob der Saugunterdruckmesser in seiner Hand noch funktioniert.
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Jonas Müller , der spätere Bundessieger, prüft, ob der Saugunterdruckmesser in seiner Hand noch funktioniert.

Nachwuchs im Beruf

Bester Mechatroniker kommt aus Hessen

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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16 knifflige Aufgaben warteten auf die Prüflinge beim Bundesleistungswettbewerb des Kfz-Gewerbes...

Frankfurt . Es war ein harter Tag für junge Leute nach der Ausbildung: Die jeweils Besten aus 16 Bundesländern traten in Frankfurt in der Landesfachschule des Kfz-Gewerbes Hessen gegeneinander an, um den Deutschen Meister zu ermitteln.

13 von 16 Kfz-Mechatronikern und sieben von 16 Automobilkaufleuten waren für einen Tag nach Frankfurt gekommen. "Viele Autohändler sind bei einer Industrie- und Handelskammer registriert", sagte Claus Kapelke, Hauptgeschäftsführer der Kfz-Innung und Leiter der Landesfachschule in der Heerstraße. "Sie kommen nicht zu uns, gewissermaßen der Handwerkskammer." Von den 16 Kfz-Mechatronikern waren drei verhindert.

Sie haben schon einiges erreicht. Wie Sabine Sauer (23) aus Koblenz, die nach dem Abitur die Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin um ein halbes Jahr verkürzt hat. "Ich habe im Juli abgeschlossen", sagte sie. Als Kammerbeste hat sie an der Rheinland-Pfalz-Ausscheidung teilgenommen und gewonnen. So maß sie sich gestern mit zwölf anderen Landessiegern, als einzige Frau. "Das ist nicht ungewöhnlich für mich", sagt sie. Kfz ist immer noch ein Männerberuf. "Aber mir macht das Spaß."

Kamera muss genau ausgerichtet werden

Gestern war eine etwas andere Situation. Die Aufgaben: Schwieriger als sonst. So sagt Sabine Sauer, sie habe noch nie eine Kamera eingerichtet. Es war eine der 16 Aufgaben: Ein Fahrzeug hat mit dem Wechsel einer Frontscheibe auch eine neue Kamera bekommen. Die sammelt Daten für sämtliche Assistenzsysteme, etwa den Spurhalter. Da ist es wichtig, dass sie exakt ausgerichtet ist.

Lenkrad vibriert beim Bremsen

Zehn Stationen sind im Trainingscenter der Landesfachschule aufgebaut: Zwölf Fahrzeuge verschiedener Hersteller und vier Motorblöcke. "Die Kandidaten müssen an jeder Station einen anderen Fehler finden, ein anderes Problem lösen", sagt Rolf Schneider, stellvertretender Leiter Training und Entwicklung in der Schule, der den Wettbewerb leitet. Beispiel: Bei einem Auto klagt der Kunde über ein Vibrieren im Lenkrad beim Bremsen - die Bremsscheibe ist ausgeschlagen. Bei einem anderen funktioniert ein Fensterheber nicht mehr, ein weiteres Fahrzeug ist für den Tüv zu überprüfen, bei einem Elektrofahrzeug ist gar eine Freischaltung vorzunehmen: Es ist komplett vom Batteriestrom zu befreien, so dass alle Teile gefahrlos angefasst werden können. Auch bei den Motorblocks ist einiges zu tun: Ventildurchmesser überprüfen, Innenmaß der Zylinder und Außenmaß der Kolben zu messen, ebenso das Maß der Kolbenringe und die Planheit des Zylinderkopfes. Danach ist zu beurteilen, ob der Motor ausgetauscht werden muss. An zwei Stationen haben die Kandidaten 80 Minuten Zeit, an allen anderen 20 Minuten. Eine Hupe ertönt, zehn Minuten Pause sind zu Ende, die nächsten 20 Minuten beginnen an der nächsten Station.

Jonas Müller (22) ist der Hesse im Rennen, hat bei VW in Wiesbaden seine Ausbildung gemacht. "Mein Chef ist mächtig stolz", sagt er. Doch von jetzt an darf er nur noch Englisch reden. Simuliert wird eine Reparatur im Ausland - eine Vorbereitung auf die europäischen oder gar Weltmeisterschaften, an der der Sieger der Deutschen Meisterschaft teilnehmen kann.

Jonas muss einen Saugunterdruckmesser prüfen, hat das kleine Gerät dafür an eine Hand-Vakuumpumpe angeschlossen und liest am Multimeter die Voltzahl des Unterdruckmessers ab. Bei verschiedenen Graden des Vakuums misst Jonas Müller verschiedene Spannungen. Aufgezeichnet auf Millimeterpapier, ergibt sich eine Gerade. "It's okay", urteilt Jonas deshalb - alles in Ordnung. Der Prüfer an dieser Station, Bert Vollenscheer-Wegener, eigens aus dem Sauerland angereist, bewertet Müllers Leistung: Volle Punktzahl! "Es ist schwierig, vor allem der Zeitdruck", sagte er. Es lief gut für ihn. Am Abend des Wettkampftages, als die Prüfer die Bogen der Bewerber ausgewertet hatten, stand fest: Jonas Müller aus Wiesbaden ist der Sieger im Bundesleistungswettbewerb und damit Deutschlands bester Kfz-Mechatroniker.

Als nächstes steht der Fünf-Länder-Wettbewerb an, danach vielleicht die Weltmeisterschaft in Shanghai. thomas j. schmidt

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