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Schlüsselübergabe: Stefan Majer, Jan Schneider, Ina Hartwig, Peter Feldmann, Andreas Tomalla und Alex Azary (von links).

Museum in Frankfurt

Betreiber des neuen „MOMEN“ erhalten Schlüssel von der Stadt

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Gestern überreichte die Stadt den Betreibern Andreas Tomalla und Alex Azary den Schlüssel für das „Museum of Modern Electronic Music“ (MOMEM). Im nächsten Frühjahr soll die Eröffnung sein.

„Ich habe hier 1984 einen der ersten Techno-Clubs in Deutschland eröffnet“, erinnert sich Andreas Tomalla alias Talla 2 XLC. Nur wenige Meter weiter, schräg gegenüber von der heutigen Buchhandlung Hugendubel, tanzten die Frankfurter im „No Name“ erstmals im Fieber der damals noch jungen Techno-Szene. Nun wird nach langem Vorlauf ein Traum wahr: Zusammen mit seinem Partner Alex Azary kann Tomalla in den Räumen des ehemaligen Kindermuseums in der B-Ebene der Hauptwache sein eigenes Museum eröffnen.

Klar, dass schon bei der gestrigen Schlüsselübergabe für das MOMEM die elektrischen Blitze zuckten, als Anthony Rother mit hartem und lautem Sound seine selbstkomponierten Titel spielte: eine Hommage an die Band Kraftwerk, ebenso wie die blauen Autobahnschilder, die in Anlehnung an den gleichnamigen Titel der Düsseldorfer Band die Treppenstufen zum Museum zieren könnten. Denn von dem neuen Technomuseum soll auch der Eingang in die B-Ebene profitieren, der sich für die zahlreichen Pendler an der Hauptwache zum bunten Entree wandeln soll.

„Die Stadt Frankfurt und der Verein ,Friends of MOMEM‘ möchten der Technomusik einen lebendigen Ort geben, der nicht nur das Gewesene dokumentiert, sondern die Kunstform der elektronischen Musik in einem innovativen Ausstellungs- und Veranstaltungskonzept weiterentwickelt“, betonte die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bei der Übergabe des elektronischen Schlosses. Die Stadt leistet ihren Beitrag, indem sie die Räume des ehemaligen Kindermuseums zunächst für fünf Jahre mietfrei den elektronischen Museumsmachern überlässt. Derweil müssen die „Friends of MOMEM“ durch Schwarmfinanzierung (Fundraising) rund 5 Millionen Euro für die Einrichtung des Museums finanzieren. „Gut eine Million davon haben wir schon beisammen. Und wir können auf weitere Sponsoren zählen, da wir die Location jetzt sicher haben“, sagte Tomalla.

„Der Betreiberverein hat jetzt Planungssicherheit. Mit dem MOMEM wurde ein kurzfristiger Überlassungsvertrag unterzeichnet, der es ermöglicht, die Räume jetzt schon zu nutzen und die weiteren Planungen anzugehen“, erklärte der Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU).

Und die Pläne der Macher sind sehr ambitioniert: Schon in gut neun Monaten soll hier ein Rundgang durch die Geschichte der elektronischen Musik eingerichtet sein, der bis zu den Anfängen in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Zu den ersten Komponisten tanzbarer Elektromusik zählt Jean-Michel Jarre, zu den ersten Kultbands Kraftwerk, zu den ersten Diskotheken und Technoclubs das „No Name“, das „Dorian Gray“ und das „Omen“ in Frankfurt. „Zudem wollen wir ein Studio einrichten und mit Workshops und Vorträgen Einblicke in die Szene geben, in der die Musik entsteht“, erklärt Stefan Weil, Designer der Ausstellung vom Atelier Markgraph-Kommunikation im Raum. Musik, Synthesizertechnik, Design, Struktur, Kleidung – das Lebensgefühl ein ganzen Generation soll hier abgebildet werden.

„Als das neue Museum im Ortsbeirat 1 vorgestellt wurde, gab es durchaus auch verhaltene und kritische Stimmen, weil man sich das noch nicht so richtig vorstellen konnte“, erinnerte Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). „Umso mehr freuen wir uns jetzt, dass der Startschuss endlich gefallen ist.“

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