Kandidatin für Steinbach-Nachfolge

Bettina Wiesmann gibt nicht auf

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Die Parteispitze der CDU lehnt Bettina Wiesmanns Bewerbung für die Nachfolge von Erika Steinbach als Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis 183 ab. Doch die 49-jährige Landtagsabgeordnete hält an ihrer Kandidatur fest. Sie wird am 14. November auf dem CDU-Parteitag gegen den erklärten Wunschkandidaten der Parteioberen, Michael Prinz zu Löwenstein, antreten.

Frankfurt. Während in der Frankfurter SPD Kampfkandidaturen um eine Landtags- oder Bundestagskandidatur durchaus üblich sind, setzt die Frankfurter CDU auf innerparteiliche Absprachen. Ziel ist es, den Burgfrieden zwischen dem Arbeitnehmerflügel (CDA) und dem Wirtschaftsflügel, der Mittelstandsvereinigung (MIT), nicht zu gefährden. Im Frankfurter Bundestagswahlkreis 182 kandidiert ein CDA-Mitglied, derzeit ist das Matthias Zimmer, der den Wahlkreis auch zuletzt gewonnen hat. Nach dem Ausscheiden von Erika Steinbach ist deren Wahlkreis 183 wieder für ein MIT-Mitglied reserviert. Sowohl Löwenstein als auch Wiesmann sind MIT-Mitglieder. Sie könnten also problemlos gegeneinander antreten, ohne gegen parteiinterne Abmachungen zu verstoßen. Ausgerechnet die Mittelstandsvereinigung, die für Leistung und Wettbewerb eintritt, müsste auch innerparteilichen Wettbewerb begrüßen. Wiesmann jedenfalls tut das: „Wettbewerb ist eine gute Sache“, erklärte sie. Kürzlich hatte sich der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker für Löwenstein als Steinbach-Nachfolger ausgesprochen. Becker wollte damit offenbar den Druck auf Wiesmann erhöhen, damit sie möglicherweise auf eine Kandidatur gegen Löwenstein, immerhin der amtierende CDU-Fraktionschef im Römer, verzichtet. Zuvor hatte sich bereits der MIT-Vorstand unter dem Vorsitz von Wissenschaftsminister Boris Rhein für Löwensteins Kandidatur stark gemacht.

Wiesmann lässt sich auch von Beckers Votum nicht beeindrucken: „Wer kandidiert, entscheidet nicht der Parteivorsitzende, sondern die Delegierten.“ Christian Falk, ehemaliger CDU-Fraktionschef im Nordend ist der Meinung, dass das Flügelschlagen der Partei nicht gut tue. „Die politische Willensbildung wird dadurch behindert. Es sollte sich der Kandidat mit den besseren Argumenten durchsetzen.“

Der CDU fehlen im politischen Wettbewerb qualifizierte Frauen. Angeblich sucht die Partei in Hessen für die Bundestagswahl noch geeignete Direktkandidatinnen. Die Bundestagsabgeordneten Charles M. Huber (Darmstadt-Dieburg), Franz Josef Jung (Groß-Gerau), Kristina Schröder (Wiesbaden), Peter Wichtel (Offenbach), Sibylle Pfeiffer (Lahn-Dill-Kreis) haben ihren Rückzug aus dem Parlament angekündigt. Sucht die Landes-CDU nun nach passenden Nachfolgern? Möglicherweise auch in Frankfurt? „Die Direktkandidatenfrage wird in den jeweiligen Wahlkreise diskutiert“, betonte Alexander Kurz, stellvertretender Sprecher der hessischen CDU. „Das wird nicht von der Landes-CDU gesteuert.“ Gleichzeitig weist Kurz daraufhin, dass eine Direktkandidatur wichtiger sei als ein Platz auf der Landesliste, denn: „Die CDU als Volkspartei bringt mehr Direktkandidaten in den Bundestag als über die Landesliste.“

Auch Erika Steinbachs Wahlkreis im Frankfurter Norden, Süden und Osten gilt als sichere Angelegenheit für einen CDU-Bewerber. Er deckt sich in Teilen mit Bettina Wiesmanns Landtagswahlkreis, den diese ebenfalls direkt gewonnen hat. Sie sagt daher auch selbstbewusst: „Ich kenne den Wahlkreis besser als Herr Löwenstein.“

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