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Zwei Beamte der Stadtpolizei sprechen eine Bettlerin auf der Zeil an. Die Kontrolle dieser Szene gehört zum Aufgabenbereich der Stadtpolizei, deren Beamte hier regelmäßig Streife laufen. 

Debatte

Bettler in Frankfurt: Zeil-Einzelhändler müssen Fäkalien und Abfall beseitigen

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Bettler auf der Zeil sorgen für Ärger bei den Einzelhändlern. Sie müssen oft Fäkalien und Abfall beseitigen. Verantwortliche der Stadt suchen nach Lösungen.

Frankfurt - In diesen Tagen vor Weihnachten fallen sie wieder vermehrt auf, die vielen Bettler und Obdachlosen auf der Frankfurter Zeil. Frank Diergardt, Sprecher des Vereins "Neue Zeil", teilt sie in drei Gruppen ein: diejenigen, die das Geld für sich erbeten, diejenigen, die Teil organisierter Kriminalität sind, und die Wohnsitzlosen, an denen sich wie an zurückhaltenden Bettlern niemand stört, solange sie ihre Lagerplätze sauber hinterlassen. 

Doch allzu oft müssten die Einzelhändler am Morgen Fäkalien und Abfall beseitigen. "In keiner anderen Großstadt stellt sich so ein Bild dar wie auf der Zeil", sagt Diergardt. Die Zustände auf der populären Einkaufsmeile würden er und die Geschäftsinhaber, die er vertritt, gerne ändern.

Bettler in Frankfurt: Engagierte Stadtpolizei

Ob die Stadt dafür schon genug tut, aber auch, wie man den Menschen besser helfen könnte, die in Notlagen sind und auf der Straße übernachten, war am Mittwochabend (04.12.2019) Thema der Diskussion "Bettelarm - Wie geht Frankfurt mit seinen Bettlern um?". Dazu hatte der Frankfurter Domkreis Kirche und Wissenschaft ins Haus am Dom eingeladen. 

Dabei betonte der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU), dass die Stadtpolizei bereits sehr engagiert gegen Menschen vorgehe, die unangenehm auffallen. Und dass diejenigen, die sich "mit dem Becher in der Hand" an Regeln hielten, das Recht zum Betteln hätten.

Frankfurt: Bettler und Obdachlose haben viele Probleme

Schwester Maria Goetzens, Ärztin und Leiterin der Elisabeth-Straßenambulanz, machte darauf aufmerksam, dass "viel passieren müsse, wenn jemand freiwillig draußen schläft". Die Hälfte der Menschen, die das auf sich nähmen, sei psychisch krank. Man brauche deshalb einen ganz anderen Ansatz der Sozialpolitik, um ihnen zu helfen. In anderen Ländern, etwa in Großbritannien, laufe das besser.

Auch Bruder Michael Wies von der Liebfrauenkirche schaute hinüber zu den Nachbarn. Das Housing-First-Konzept, nach dem Obdachlosen erst einmal eine feste Unterkunft besorgt wird, bevor man sich ihren anderen Problemen widmet, erziele beispielsweise in Finnland gute Erfolge. Allerdings bedürfe es für die Umsetzung eines solchen Plans einen "großen Player" wie die Bundesregierung. Unterkünfte wie etwa jene im Ostpark oder Schlafmöglichkeiten wie etwa in der B-Ebene am Eschenheimer Tor, das wurde durch Aussagen aus dem Plenum deutlich, stellten für viele keine Alternative dar.

Bettler in Frankfurt: An Essen mangelt es nicht

Hunger, betonte Wies, müsse keiner in der Stadt haben. "An Essen mangelt es nicht", sagte der Kapuzinermönch, dessen Kloster beim Franziskustreff ein tägliches Frühstück anbietet. Doch "gewisse Menschen nutzen die Attraktivität des Standorts Zeil". Die verschiedenen Interessen, die dabei in der enger werdenden Fußgängerzone aufeinandertreffen, müsse man ausbalancieren und der Frage nachgehen, welche Hilfe man bieten könne. "Wenn jemand eine gute Idee hat, kümmern wir uns gerne um diese", sagte Stadtrat Frank.

Goetzens regte an, einen runden Tisch zu organisieren, um kreative Einfälle für eine öffentliche Raumgestaltung zu schmieden, die der Diversität in der Gesellschaft Rechnung tragen. Fast alle Podiumsteilnehmer appellierten daran, einander mit Respekt zu begegnen. Es wurde allerdings auch deutlich, dass es bei einer solchen Diskussion sehr hilfreich wäre, auch mal jemanden zu Wort kommen zu lassen, der selbst von Armut, beziehungsweise Obdachlosigkeit betroffen ist.

Von Katja Sturm

Seit sechs Jahren kümmert sich der Verein Streetangel in Frankfurt um Obdachlose. Vor Weihnachten verteilen sie nützliche Geschenke an die Menschen auf der Straße. Ein großer Erfolg.

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