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Großeinsatz in der Silvesternacht: Viele feiern friedlich, einige suchen Krawall.

Silvester

Gut bewachte Partyzone: Tausende feiern am Mainufer und in der Innenstadt den Jahreswechsel

Mit einem Großaufgebot haben Sicherheitskräfte die Silvesterfeiern in der Innenstadt begleitet. Meistens blieb alles friedlich. Frankfurter und Gäste aus aller Welt begrüßten das neue Jahr. Doch drei Fälle massiver Gewalt trüben die Bilanz.

Er lässt?s krachen.

Geknallt wird früh. Schon kurz vor 22 Uhr schießen drei junge Männer am Baseler Platz stumpf Rakete um Rakete in den Frankfurter Abendhimmel. Selbst in der Innenstadt, auf dem Willy-Brandt-Platz, dem Roßmarkt, dem Opernplatz ist alles zu diesem Zeitpunkt aber ziemlich entspannt. Touristinnen machen Selfies vor der Alten Oper, die mit einem Wagen der Frankfurter Stadtpolizei im Bild noch etwas aufregender ausschaut. Auf der winterlich beleuchteten Freßgass’ sitzen viele Leute, von Heizpilzen gewärmt, draußen, essen etwas, trinken Bier, bringen sich langsam in Silvesterstimmung. Drei junge Frauen, die sich in Schale geworfen haben und sehr hohe Absätze tragen, diskutieren, ob sie für ihre Party nicht doch overdressed sind. Auf dem Goetheplatz tanzen zwei Mädchen, während andere aus ihrer Gruppe Raketen abfeuern.

Von der Hauptwache her kommt schon gut eineinhalb Stunden vor dem Jahreswechsel ein Höllenlärm. Es riecht nach Krachern. Obdachlose liegen vor den Eingängen der Kaufhäuser an der Zeil, in deren Mitte sich längst eine veritable Böllerzone etabliert hat. Ein kleines Mädchen hält sich an ihrer Mutter fest, macht aber dann „Oooh“, als der Himmel bunt leuchtet.

Auch in Zivil unterwegs

Die Polizei ist sehr präsent, auf allen größeren Plätzen in der Innenstadt stehen Mannschaftswagen. Anlaufstellen für die Feiernden sind eingerichtet. Eine mittlere dreistellige Anzahl an Beamten soll im Einsatz sein, teils als Polizisten zu erkennen, teils in Zivil. Schwere Betonklötze sollen verhindern, dass jemand in die Menge rasen kann.

Die Beamten haben die Lage im Griff.

Am diesmal deutlich kleineren Sicherheitsbereich geht es gegen 23 Uhr noch sehr unkompliziert zu. Keine Schlangen, man kommt direkt auf den Eisernen Steg, von dem aus es jetzt schon bunte Farben vor der Hochhausskyline zu sehen gibt. Drumherum knallt es, oben ist es vergleichsweise ruhig. Böller und Raketen sind auf der Brücke verboten. Viel Spanisch, Italienisch, Englisch ist zu hören. Dass Frankfurt Jahr für Jahr einen neuen Tourismusrekord aufstellt, ist nicht zu übersehen. Andrej ist aus Albanien angereist, um seine Schwester Juri, die an der Goethe-Uni Finanzwirtschaft studiert, zu besuchen. Eine Familie aus Oberösterreich will an Neujahr von Frankfurt aus nach Ägypten fliegen – und ist einen Tag früher gekommen, um hier zu feiern.

Gegen 23.30 Uhr zieht es plötzlich alle Richtung Main. Schon am Historischen Museum ist kaum noch ein Durchkommen. Dabei ist der Sicherheitsbereich auf und am Eisernen Steg da schon wegen Überfüllung geschlossen. Viele junge Leute sind unterwegs, aber auch Familien mit Kindern, ältere Paare. Am Mainkai ist es inzwischen so voll, dass einige versuchen, durch einen von der Polizei abgesperrten Bereich abzukürzen.

Es wird ungemütlicher

Es ist bei weitem nicht so neblig wie vorhersagt. Selbst die Antennen des Commerzbank-Towers sind noch zu sehen. Schlecht wird die Sicht erst, als es kurz vor Mitternacht immer lauter wird und immer bunter. Einige haben die Schals vorm Gesicht, weil es so stinkt. Als es dann so weit ist und begleitet von unzähligen Feuerwerksraketen das neue Jahr beginnt, fallen sich einige in die Arme. Weitaus mehr aber halten ihre Handys Richtung Himmel, machen Fotos vom Feuerwerk und von sich vor der illuminierten Skyline. Es wird ungemütlicher. Die Polizei mahnt nicht nur einmal, Kracher nicht vor oder auf Leute zu werfen, es gibt Schubsereien. Schon nach gut einer halben Stunde haben die meisten aber genug. Sie ziehen wieder zurück in die Stadt, Richtung Kneipe, Club oder S-Bahn. Kaum in der Straßenbahn, schlummern die ersten Feiernden weg.

von CHRISTOPH MANUS

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