Radklassiker Frankfurt-Eschborn

Ein bewegender Auftritt: Inklusionsrennen für Schüler

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40 bis 50 Schüler werden am 1. Mai in Frankfurt beim Inklusionsrennen antreten. Ein besonderer Moment – nicht nur für die Schüler.

Sie sind scheinbar ein Nebenschauplatz. Eine Randerscheinung, die nach kurzem Auftritt wieder von der großen Bühne verschwindet. Tatsächlich sind sie etwas ganz besonderes an diesem Tag. Alleine ihr Auftritt verdient Respekt und gibt dem eine große menschliche Wärme. „An einer so prestigeträchtigen Veranstaltung teilhaben zu dürfen, ist schon etwas außergewöhnliches“, sagt Simon Büchel. Der Lehrer der Frankfurter Panoramaschule ist nicht minder stolz auf diese Partnerschaft wie seine geistig beeinträchtigten Schüler, die am 1. Mai vor der Alten Oper auf das Rad steigen werden. Gemeinsam mit Schülern der Frankfurter Paul-Hindemith-Schule treten die Jugendlichen in Zweier-Teams beim Inklusions-Rennen an. Auch Schirmherrin Daniela Birkenfeld war schon bei der Austragung im vergangenen Jahr bewegt. „Ich finde das ganz prima. Es macht nicht nur den Kindern und Jugendlichen Freude, sondern auch mir viel Spaß“, sagte Frankfurts Sozialdezernentin.

Um 16.10 Uhr beginnt der große Auftritt. Drei Kilometer absolvieren die 40 bis 50 Schüler. Die Strecke führt rund um die Alte Oper, wo wenig später die Profis eintreffen werden. „Es geht nicht darum, wer der Schnellste ist“, betont Büchel. „Wir fahren in Teams. Ein Schüler von uns fährt mit einem Schüler der anderen Schule.“ Schon Wochen vorher treffen sich die Jugendlichen, wählen ihren Rennpartner aus und trainieren zusammen. „Die Idee ist, dass sie zusammen die Ziellinie überqueren.“

Freilich gibt es am Ende auch Platzierung und eine Siegerehrung. „Die Siegerehrung auf der Bühne an der Alten Oper ist auch etwas ganz besonderes. Aber die Platzierung ist eigentlich eher Nebensache“, so Büchel. Vor rund fünf Jahren waren beide Schulen vom damaligen Veranstalter Bernd Moos-Achenbach angesprochen worden, ob sie sich eine Teilnahme im Rahmenprogramm vorstellen können. Seitdem ist der 1. Mai in beiden Schulen zu einem besonderen Tag geworden.

„Eine Schülerin fragt mich zum Beispiel seit Herbst, wann es wieder soweit ist“, berichtet Büchel. „Das ist ein ganz besonderes Ereignis für uns, mit Presse und allem, was dazu gehört. Letztes Jahr hatten wir einen Termin mit John Degenkolb. Das sind Sachen, die in Erinnerung bleiben.“

Die geistige Behinderung der Schüler variiert stark. Mit manchen kann man sich gut unterhalten, mit anderen ist es schwierig bis unmöglich. „Wir haben relativ selbstständige Schüler und welche, die umfassend beeinträchtig sind“, erklärt Büchel. Wer am 1. Mai teilnehmen möchte, muss freilich über gewisse koordinative Fähigkeiten verfügen. „Man muss Fahrrad fahren können.“ Beide Schulen haben eigene Fahrrad-AGs. Jeweils 20 bis 25 Schüler wagen das Abenteuer vor großem Publikum. „Unsere ganz jungen Schüler vom ersten Schuljahr nehmen noch nicht teil. Eher ab der 4./5. Klasse aufwärts.“

Wie sehr die Veranstalter bereits mit den Schülern verbunden sind, zeigte das Jahr 2015. Als der Klassiker wegen Terrorgefahr abgesagt werden musste, wurde kurzerhand ein Ersatzrennen für die Jugendlichen organisiert. „Es fand auf dem Georgshof in Nied statt. Wir waren das einzige Rennen der Veranstaltung, das nachgeholt wurde“, sagt Büchel. Er weiß das umso mehr zu schätzen, weil das Inklusionsrennen „kein Wirtschaftsfaktor in diesem Rennen ist“. Dennoch spüre er, „ein Teil“ geworden zu sein. Die Schulen müssen auch keine Teilnahmegebühren bezahlen. „Wir werden quasi vom Veranstalter eingeladen.“

Seit Bernd Moos-Achenbach im vergangenen Jahr kürzer trat und „nur noch“ dem Organisations-Team angehört, wird der Klassiker von dem Tour-de-France-Veranstalter ASO geleitet. Und die neuen Veranstalter führen die kleine Tradition des Inklusionsrennens fort. Freilich werden am 1. Mai auch ambitionierte Schüler antreten. Einige von ihnen nehmen vom 14. bis 18. Mai an den Special Olympics Deutschland in Kiel teil. Das Radrennen ist eine willkommene Vorbereitung. „Mit unglaublich vielen schöne Erlebnissen“, so Büchel.

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