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3000 Europa-Befürworter sahen, wie in Erinnerung an die Unterzeichnung der Römischen Verträge ein Schlagbaum zersägt wurde.

Kundgebung auf dem Römerberg

Bewegung „Pulse of Europe“ erinnerte an die Römischen Verträge

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Mehr als 3000 Bürger sind gestern zur Kundgebung der europafreundlichen Bewegung „Pulse of Europe“ in die Frankfurter Innenstadt gekommen. In Erinnerung an die Unterzeichnung der Römischen Verträge zersägten die Europa-Befürworter symbolisch einen Schlagbaum.

Die Römischen Verträge waren ein Meilenstein auf dem Weg der europäischen Einigung. Im Gedenken an die Unterzeichnung, die sich am Samstag zum 60. Mal jährte, erinnerte die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ gestern an die positiven Folgen wie den Frieden und die Freizügigkeit in Europa. Als Symbol für das, was mit den Römischen Verträgen überwunden wurde, zersägten im Jahr 1957 geborene Europa-Befürworter bei der „Pulse“-Kundgebung gestern symbolisch einen Schlagbaum.

Bei einem Wetter, das mit angenehmen Temperaturen, Sonnenschein und blauem Himmel geradezu „römisch“ wirkte, versammelten sich nach Angaben eines Polizeisprechers 4500, nach Schätzung der Veranstalter 5000 Menschen auf dem Goetheplatz, um gemeinsam auf den Römerberg zu ziehen, diesen komplett zu füllen und zur Bildung einer Menschenkette zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Die Kundgebungsteilnehmer trugen Europa-Fahnen und -Ballons und mitunter auch Schilder auf denen Slogans wie „Yourope – Unser Puls für dich“ prangten.

In seiner Ansprache griff „Pulse of Europe“-Mitbegründer Daniel Röder die vereinzelten kritischen Stimmen auf, die von einer elitären, zwar kraftvollen, aber planlosen Bewegung sprechen. Röder rief dazu auf, die Begeisterung für Europa auch in Gesellschaftsschichten zu wecken, in denen es den Menschen nicht gut geht. Er betonte, dass es „Pulse“ nicht darum gehe, einen konkreten Plan für Europa zu entwerfen, sondern einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Politik Europa wieder ernst nimmt.

Erfreut zeigte sich Röder darüber, dass gestern erstmals auch in Skandinavien – nämlich in Schweden und Dänemark – Menschen für Europa auf die Straße gingen. In Polen sei für kommenden Sonntag die erste „Pulse“-Kundgebung geplant. Es gebe dort „viele Europäer“, sagte Röder, „das wird in diesen Tagen aber verschwiegen“.

Fester Bestandteil der europafreundlichen Kundgebungen ist das „offene Mikrofon“. Gestern sprach zunächst der frühe Schwimmweltmeister Michael Groß. Er erinnerte an die Zeit vor den Römischen Verträgen, in der die Freizügigkeit in Europa und eine gemeinsame Währung nur „ein Traum“ gewesen seien. Ein andere Redner betonte, dass die Vorzüge der EU von vielen als Selbstverständlichkeit betrachtet und nicht mehr wahrgenommen würden. Es sei mit Europa wie mit einer Hand, deren Wert man erst erkenne, wenn sie mal gebrochen sei.

Zum Abschluss seiner Ansprache wandelte der Redner mit französisch-niederländischen Eltern das berühmte Zitat des Frankfurter Mundartdichters Friedrich Stoltze ab und sagte: „Es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Europa sei!“

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