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Mit ganz viel Fingerspitzengefühl untersuchen Ulrich Rieger (rechts) und Stationsarzt Hani Halawani die operierte Hand von Bibi.

Ärzte operieren verbrannte Hände von Sechsjähriger

Bibi kann nach schlimmen Unfall wieder lachen

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Für Bibi aus Tadschikistan war die Reise nach Deutschland ein Glücksfall. Bei einem Unfall hatte sie an beiden Händen so starke Verbrennungen erlitten, dass sie ihre Finger kaum noch bewegen konnte. Hilfe fand sie im Markus-Krankenhaus, wo ein Expertenteam sie kostenlos operiert und der Sechsjährigen ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat.

Als Privatdozent Dr. Dr. Ulrich Rieger die Tür öffnet und das Krankenzimmer betritt, blicken ihn zwei große, dunkelbraune Augen an. Schüchtern schaut die kleine Bibi den großen Mann im weißen Kittel an, in vorsichtiger Erwartung was er heute mit ihr vorhat. Schließlich war es in den vergangenen Tagen meist kein gutes Zeichen, wenn der Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Markus-Krankenhaus der Sechsjährigen einen Besuch abgestattet hat.

„Wenn ich und meine Kollegen vorbeikommen, dann war es für Bibi meist schmerzhaft, weil wir den Verband wechseln, die Wunde kontrollieren und ihre Finger bewegen mussten. Deswegen hat sie immer Angst, wenn ein Weißkittel kommt“, erklärt Rieger. Er und seine Kollegen haben Bibi aus Tadschikistan an der rechten Hand operiert. Nach einem Unfall waren beide Hände so stark verbrannt und mittlerweile vernarbt, dass das kleine Mädchen ihre Finger kaum noch bewegen konnte. In sechs Wochen soll auch die linke Hand operiert werden.

Die Kosten für die Operation übernimmt das Markus-Krankenhaus. Nach Deutschland gekommen ist Bibi über die Kinderhilfsorganisation „Friedensdorf International“. „Sie holt kranke und verletzte Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten nach Deutschland, damit sie hier behandelt werden können“, erklärt Rieger.

Zwei bis drei Anfragen

habe das Krankenhaus pro Jahr. Welche Kinder operiert werden entscheiden die Ärzte von Fall zu Fall. „Wir schauen, was wir mit unserer Infrastruktur leisten können. Die Kinder müssen mindestens vier oder fünf Jahre alt sein, damit es keine Schwierigkeiten mit der Anästhesie gibt. Eine Kinderklinik haben wir am Markus-Krankenhaus leider nicht“, sagt der Experte.

Bibi hatte Glück – seit November ist sie jetzt in Deutschland. Ganz alleine. Nach Hause zurückkehren kann sie, wenn auch die zweite Operation Mitte Februar gut verläuft, wahrscheinlich im Frühsommer. Bis dahin ist ihre einzige Verbindung nach Hause das Telefon. Besuchen können ihre Eltern sie nicht – das ist zu teuer. Ihre Familie auf Zeit sind deswegen die Ärzte und Pfleger im Krankenhaus und die Mitarbeiter des Friedensdorfs. Die versteht sie mittlerweile recht gut und auch die ersten Brocken Deutsch spricht Bibi schon. Wie es zu den schweren Verbrennungen kam, darüber hat sie aber noch nichts erzählt.

Zwei Stunden dauerte die Operation an der rechten Hand des kleinen Mädchens. Dabei mussten Rieger und sein Team sehr genau vorgehen und zunächst die sich gebildeten Narbenstränge zwischen den Fingern abtragen. Auf die offenen Stellen wurde Haut von Bibis Oberschenkel transplantiert. Die muss jetzt anwachsen. Deswegen ist ihre Hand in Fäustlingsstellung verbunden. Nur für die tägliche Physiotherapie wird der Verband geöffnet. „Diese Übungen sind äußert schmerzhaft für Bibi. Sie müssen aber sein, damit sie möglichst bald wieder richtig greifen kann“, sagt Rieger, der sehr begeistert von seiner kleinen Patientin ist. „Sie ist zwar erst sechs Jahre alt, aber schon ein ganz großes Mädchen. Sie ist extrem tapfer“, findet er nur lobende Worte.

Verbrennt sich in Deutschland ein Kind so schlimm wie die Sechsjährige, wäre es nie zu diesen Problemen gekommen. Davon ist Rieger überzeugt, weil die Versorgung hier viel besser und schneller ist. Nur wenn nicht früh genug operiert wird, bildeten sich solche Narbenstränge, die die Beweglichkeit der Finger stark einschränken.

Bibi wird noch einige Tage in Frankfurt bleiben müssen. Bis die rechte Hand so gut verheilt ist, dass die Physiotherapie auch in Oberhausen, dem Sitz von „Friedensdorf International“, fortgeführt werden kann. Mitte Februar wird sie dann zurückkehren an den Main, damit ihre linke Hand operiert werden kann. „Wenn das geschafft ist, kann Bibi bald wieder nach Hause zu ihrer Familie fahren, und dort endlich all das tun, was ein kleines Mädchen in ihrem Alter gerne macht. Dazu gehören auch so einfache Dinge wie einen Ball fangen und werfen. Denn das blieb ihr bislang leider verwehrt“, sagt Ulrich Rieger.

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