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„Man wird schmecken, dass das Bier nicht mehr aus Frankfurt kommt“

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Von: Georg Leppert

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Hubert Gloss schätzt die Wasserhäuchen der Stadt.
Hubert Gloss schätzt die Wasserhäuchen der Stadt. © Holger Menzel

Der Wasserhäuschen-Lotse Hubert Gloss in Frankfurt ist schockiert über das Aus für die Binding-Brauerei. Er nennt es eine herzlose Entscheidung.

Frankfurt - Kaum einer kennt sich mit der Kultur an Büdchen so gut aus wie Hubert Gloss. Regelmäßig bietet der 65-Jährige Touren zu den Wasserhäuschen der Stadt an. Das Aus für Binding in Frankfurt war für Gloss ein harter Schlag.

Herr Gloss, wie haben Sie davon erfahren, dass Radeberger die Binding-Brauerei in Sachsenhausen aufgibt?

Ich habe es am Donnerstag im Radio gehört. Ich konnte es nicht fassen. Die Nachricht war ein absoluter Schock für mich. Ich bin immer noch total traurig und muss mich erstmal sammeln. Gleich habe ich eine Wasserhäuschen-Tour mit lauter Lehrerinnen und Lehrern aus Wiesbaden. Da muss ich gut gelaunt sein. Aber ich werde das Aus für Binding thematisieren. Wir trinken ja Binding auf den Touren.

Hat denn gar nichts darauf hingedeutet, dass es so kommt?

Ich sage mal so: Dass es in der Branche kriselt, war mir lange bekannt. Und es gab Gerüchte, dass sich etwas ändern könnte. Aber dass die ganze Brauerei dicht gemacht wird, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Wie bewerten Sie die Entscheidung von Radeberger?

Das ist eine herzlose Entscheidung, die getroffen wurde, damit die Aktionäre zufrieden sind.

Wasserhäuschen-Lotse: „Die Leute trinken dieses Bier, weil es aus Frankfurt kommt“

Zur Person

Hubert Gloss ist eigentlich Werbekaufmann. Regelmäßig bietet der 65-Jährige, der sich als „unbezahlter Markenbotschafter von Binding“ sieht, Touren zu den Frankfurter Wasserhäuschen an. Zu buchen im Internet unter: www.frankfurter-stadtevents.de

Aber es wird Binding doch weiterhin geben...

Binding ist eine Frankfurter Marke. Schauen Sie sich nur das Logo an. Der Adler. Wie die Stadt Frankfurt, wie die Eintracht. Die Leute trinken dieses Bier, weil es aus Frankfurt kommt.

Aber ein Binding, das woanders gebraut wird, schmeckt doch genau so wie ein Binding, das in Sachsenhausen gebraut wird, oder?

Das glaube ich nicht. Für ein Bier von Binding wird Frankfurter Wasser verwendet. Man wird schmecken, dass das Bier dann nicht mehr aus Frankfurt kommt. Im Übrigen ist das doch auch ökologisch nicht vertretbar: Man braut ein Bier in Dortmund oder Nürnberg und karrt es nach Frankfurt.

Was bedeutet das Aus der Brauerei für die vielen Frankfurter Wasserhäuschen, die Binding beliefert?

Für die ist das auch ein Schuss vor den Bug. Wie gesagt, die Leute wollen dort Frankfurter Bier trinken. Bekommen sie das nicht, trinken sie am Ende Whisky oder Sekt. Diese Tendenz gibt es ja schon.

Interview: Georg Leppert

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