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Bijan Blum

Frankfurter Clubgeschichte

Bijan Blum, der erste Resident-DJ im ehemaligen Dorian Gray

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Promis, nackte Haut und lange Partynächte: Im legendären Frankfurter Club Dorian Gray wurde einst ausschweifend gefeiert. Von Anfang an dabei und mittendrin im Disco-Rausch war DJ Bijan Blum, der einige Jahre den Sound der Diskothek im Flughafen vorgab.

Es ist der 28. November 1978, 24 Uhr. Das Dorian Gray feiert seine spektakuläre Eröffnung für geladene Gäste. Es wimmelt nur so vor Prominenten und Szenevolk. Alle sind dem Disco-Fieber verfallen. Die Stimmung ist euphorisch.

DJ Bijan Blum legt auf dem großen Floor nach der Lasershow die erste Platte auf: "You Make Me Feel" von Gay-Ikone Sylvester dröhnt über das mächtige Sound-System auf die Tanzfläche.

Blanker Hedonismus in Form von wilden Tanzgelagen und ausgefallenen, knappen Outfits bestimmen das frivole und schweißtreibende Party-Spektakel. Sex liegt in der Luft. An Morgen denkt keiner.

Bijan Blum bei der Arbeit im Dorian Gray, 1978.

Blum, ebenfalls vom Disco-Sound infiziert, ist der erste Resident-DJ in der Kult-Diskothek im Frankfurter Flughafen. Er ist jung, talentiert und charismatisch. Bis in die 1980er Jahre hinein wird er im "Gray" die feiernden Massen mit seinen Sets zum Tanzen bringen.

Doch Ende der 1980er Jahre verschwindet er plötzlich aus Frankfurts Party-Landschaft. Irgendwann macht dann sogar das Gerücht die Runde, er sei tot.

Der vergessene Held der frühen Frankfurter Clubszene

Einige DJs, die heute weltberühmt sind, schauen Blum in den Anfangstagen über die Schulter und lernen von ihm. Doch ihn hat man nahezu vergessen. Denn über das im Jahr 2000 geschlossene Gray existieren viele Geschichten. Blums Name kommt darin aber kaum vor.

In der Regel tauchen darin Leute wie der 1993 tödlich verunglückte Torsten Fenslau, DJ Dag, Talla 2XLC und Frankfurts Techno-König Sven Väth auf. DJs, die sich in der Diskothek Mitte der 1980er und in den 1990er Jahren einen Namen machen und mit dem Dorian Gray in Verbindung gebracht werden.

Allerdings werden die Weichen für viele Jahre Dorian Gray zwischen 1978 und 1985 gestellt. "Und jeder DJ, der später dort auflegte, partizipierte davon", sagt Blum. Das zu erwähnen, ist ihm besonders wichtig.

Disco-Extase und Techno-Raves: So war das wilde Leben im Frankfurter Dorian Gray

So enthemmt ging es 1979 im Gray ab. In den folgenden Jahren legten dort DJs wie Sven Väth, Torsten Fenslau, Ulli Brenner, DJ Dag, Mark Spoon, Björn Mulik und Andy Düx auf. © Joppen
Lasershow und Tänzerin, 1982. © Hans H. Kirmer
DJ Bijan Blum, Resident im Dorian Gray von 1978 bis 1986, bei der Arbeit. Das Foto wurde 1978 kurz nach der Neueröffnung am 28. November 1978 aufgenommen. © Bijan Blum
Lärmmessung vor der DJ-Kanzel, 1980. Der Club verfügte über ein zur damaligen Zeit außergewöhnliches Sound-System von Richard Long, ein Klang-Designer, der auch Diskotheken wie das Studio 54 und die Paradise Garage in New York technisch ausstattete. Druckvoller Bass und eine hohe Lautstärke mit großer Klarheit machten den besonderen Sound aus. © AMW
"Welcome to the Pleasuredome", 1979. In den Anfangszeiten tanzten die Gäste zu Disco, Funk und Soul durch die Nacht. Ab ca.1984 bestimmten Musikstile wie EBM, House, New Wave und Techno den Sound auf der Tanzfläche. Im kleinen Club lief ab 1992 vorwiegend "Black Music". © Ulla Reimer
Miss-Wahl im Gray, 1985. © Joppen
Elvis-Doppelgänger und Schönheit, November 1980. © FNP Archiv
Sven Väth (links) und feiernde Gäste auf einer Mottoparty angelehnt an den Film "Michail Strogoff, Kurier des Zaren", aufgenommen im März 1987. © Joppen
Badenixen auf der "Nacht in den Mai"-Party, 1986. © FNP Archiv
Tanzperformance, Aufnahmedatum unbekannt. © M. Grosse
"Miss Beach Party", 1985. © Joppen
Teilnehmerinnen für die Formel-1-Fete "Playmate Hunt 1985". Auf der Party wurden einst zehn Tonnen Sand "ausgerollt". © FNP Archiv
Welches Lied da wohl gerade lief? Es kam auf jeden Fall an. Aufnahmedatum unbekannt. © Ulla Reimer
"Biene Maja" auf einer Faschingsparty, 1982. © FNP Archiv
Jahresparty im Dorian Gray, 18. Dezember 1992. © Thomas Boersch
Feiernde Gäste, 1998. Im Jahr 2000 schloss das Gray. Die letzte Platte, die abgespielt wurde, war "Lovin' You" von Minnie Riperton. © FNP Archiv
Lambada-Einlage im Rahmen der Aktion "Null-Promillo", 1990. © Rafael Herlich
7. Geburtstag im Gray, 1985: Da springt schon mal eine halbnackte Frau aus einer überdimensionalen Torte. © FNP Archiv
Sänger Les McKeown und Polizisten auf der "Null-Promillo"-Party, 1990. © Herlich
Formel-1-Party, 1988. © Uwe Gerig
Kamele und nackte Haut gehörten zum guten Ton im Gray. Wie hier anlässlich der Geburtstagsfeier 1985. © Rafael Herlich
Gerd Schüler, einer der Macher des Gray, 1988. © Uew Gerig
Blitzlichtgewitter bei der "Wahl zur Miss Formel 1", Juli 1988. © Jochen Günther
Buffet-Freuden bei der "Formel 1-Party", Juli 1988. © Jochen Günther
Schicke Autos und schöne Menschen auf der "Formel 1-Party", Juli 1988. © Jochen Günther
Und immer wieder: Miss-Wahlen im Gray, 1986. © FNP Archiv
Das sieht ganz nach einer sportlichen Modenschau aus, 1985. © FNP Archiv
Wilde Tänzerinnen auf der Abi-Party im Gray, 1994. © FNP Archiv
"Play that funky music white boy"! Aufnahmedatum unbekannt. © Ulla Reimer
Bier trinkendes Monster auf einer Mottoparty, 1982. © FNP Archiv
Samba, Sand und glühende Sohlen: Beach-Party 1992. © Thomas Boersch
Aufnahme im Rahmen einer "Superparty" mit 1500 VIPs aus Politik, Wirtschaft und Sport, Oktober 1986. © Jochen Günther
Spanferkel, Clowns und schöne Frauen beim dreijährigen Bestehen des Dorian Gray, 1981. © FNP Archiv
Ein glücklicher Gewinner eines Preisauschreibens, der 1980 ein schwarzes Cabrio gewann. © Gerd Scheffler
Dickhäuter in der Disko, 1986. © FNP Archiv
Ehemalige Gray-Türsteher: Ralf, Torsten und Barry, 1987. © Claus Setzer
Star-Parade der "Keller Girls", 1986. © FNP Archiv
Heiße Outfits und Roller-Disko, Aufnahmedatum unbekannt. © Ulla Reimer
Dressman Jean Pierre als Bond samt Girls, 1986. © FNP Archiv
Das "Dorian Gray Auto", 1979. © FNP Archiv

Blum ist mittlerweile Anfang 60 und wohnhaft in Mannheim. Seine dunkle Haarpracht von einst ist einer Glatze gewichen. Ausgewaschene Jeans und ein lässig aufgeknöpftes Hemd bestimmen sein Outfit. Er wirkt sympathisch und erzählt gerne - vor allem über die Zeiten, die er früher im Dorian Gray erlebt hat.

Doch von dem einstigen Partyleben in Frankfurt ist heute nicht mehr viel übrig. Blum geht einer geregelten Arbeit in der Hausverwaltung nach. Er hat nicht wie andere seiner Kollegen die große Karriere hingelegt. Aber dennoch ist er mit dem was er macht glücklich, wie er sagt. Und so ganz ohne die Musik geht er ohnehin nicht durchs Leben.

Blums frühe DJ-Zeit

Blum wächst in Köln auf, drückt die Schulbank mit Erwin Bach (Ehemann von Tina Turner) und der in Frankfurt geborenen Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth. Nach der Schule macht er eine Ausbildung zum Textilkaufmann und arbeitet zunächst in diesem Beruf.

Doch auch die Musik fasziniert ihn – und zwar seit seiner Kindheit. Die Anlage seiner Eltern läuft auf Dauerbetrieb und er beginnt schon früh damit Schallplatten zu kaufen. "Dieses Musik-Gen hatte ich schon immer im Blut", sagt Blum. Bereits Anfang der 1970er Jahre fängt er an als DJ zu arbeiten.

Damals ist das professionelle Mixen von Musik mit Schallplatten in Diskotheken und Clubs allerdings ein noch äußerst ungewöhnlicher Job. DJs gibt es noch nicht wie Sand am Meer. David Guetta und andere gutbezahlte Weltstars werden erst viel später die Regler in die Hand nehmen und die Bühnen der Welt erobern.

„Mit 16 habe ich in Kölns ältester Studentendiskothek „Das Ding " angefangen. An der Tür hat seinerzeit der ehemalige Sportmoderator Wolf-Dieter Poschmann gestanden. Dann habe ich im 'Piccionaia' aufgelegt, damals einer der besten Clubs der Stadt.", sagt Blum.

Das ist Ralf Holl, der Musik-Mann bei Eintracht Frankfurt

Dann zieht es ihn nach Düsseldorf. Dort legt er bei der Neueröffnung vom seinerzeit angesagten „Malesh" auf und wird Resident-DJ. „Ich hatte als Kölner übrigens nie Probleme mit Düsseldorf“, erzählt Blum lachend.

Im „Malesh“ entdecken ihn schließlich die beiden Dorian-Gray-Gründer Gerd Schüler  und Michael Presinger. Die beiden Clubmacher finden für ihr Projekt vor allem vom New Yorker Studio 54  Inspiration. Monate vor der Eröffnung ziehen sie außerdem systematisch durch Deutschland, um sich in diversen Diskotheken DJs anzuhören und Ideen für ihren Flughafen-Feiertempel zu sammeln.

Eines nachts stehen Gerd Schüler und Michael Presinger zusammen mit Tom Esselborn, dem Besitzer des "Tiffany" in Mannheim, plötzlich neben Blums DJ-Pult. Sie sind absolut begeistert von seinem technischen Können und Musikgeschmack und bieten ihm einen Job im Gray an. Zunächst lehnt er jedoch ab. Aus Loyalität gegenüber seinem damaligen Arbeitgeber. Doch es kommt anders.

"Flucht" nach Frankfurt

Kurz darauf bekommt Blum, der sich ebenfalls bestens im Boxen und Karate versteht, in einer Düsseldorfer Szenekneipe Stress mit einem Polizisten in Zivil. Erst geht es ziemlich heftig verbal zur Sache. Am Ende knockt Blum den Beamten im Laufe des Tresen-Streits vom Hocker. Jetzt wird ihm der Boden im Rheinland zu heiß. Es riecht gewaltig nach Ärger. Doch ein Ausweg ist in Sicht.

Denn wenige Wochen später stehen Schüler und Presinger erneut bei Blum neben dem DJ-Pult. Ihre Hartnäckigkeit kommt wie gerufen. Den widrigen Umständen geschuldet und das Gesetz im Nacken, willigt Blum schließlich in das Angebot der „Gray“-Besitzer ein und zieht in die Mainmetropole.

Seine erste Bleibe in Frankfurt ist im Übrigen ein geschichtsträchtiges Domizil: Die ehemalige Wohnung der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt  in der Stiftstraße. 

Ein Leben am DJ-Pult

In Frankfurt fühlt sich Blum in seiner neuen Rolle als Entertainer auf Anhieb wohl. Auf dem großen Gray-Floor spielt er die „Hämmer“, wie er sagt. Die angesagtesten Scheiben eben. Import-Schallplatten aus den USA, die in Frankfurt seinerzeit gar nicht oder nur sehr schwer erhältlich sind. „Dafür bin ich extra nach Amsterdam und Paris gefahren und nach London geflogen", erinnert sich Blum.

Blum in seinem Element.

Tanzflächenfüller wie "Le Freak" von Chic, "Dancer" von Gino Soccio oder Instant Funks "I Got My Mind Up", das auf dem legendären Disco-Label "Salsoul Records" zuhause ist, sind nur ein paar seiner Lieblingsstücke, die er oft auflegt.

Er lässt in der Regel von 21 Uhr abends bis morgens um 8 Uhr Platten kreisen – und das in den ersten drei Monaten des Gray-Bestehens an sieben Tagen in der Woche. Ein wahnsinniges Pensum. „Du verdienst also heutzutage dein Geld als DJ wesentlich leichter, als wir seinerzeit“, sagt er.

Bilderstrecke: In diesen ehemaligen Frankfurter Clubs wurde einst abgefeiert

Feiernde Gäste im Dorian Gray, 90er-Jahre. Hier zog Ende der 80er-Jahre die Techno-Musik ein, vertreten durch DJs wie unter anderem Talla 2XLC, DJ Dag, Mark Spoon und Sven Väth. © FNP Archiv
Das "Larry's Inn" in Sachsenhausen, 1989, Ein Club, in dem vorwiegend US-Soldaten verkehrten. Hier lief Rap, Electro und Miami Bass. Mittwochs und sonntags gab es jede volle Stunde eine Viertelstunde lang Freibier. Ihr könnt Euch denken, was da los war... © FNP Archiv
Gut frisierte DJs im "Mackie Messer", einst ein Club in den 1980er-Jahren auf der Mainzer Landstraße (vorher Ecke Zeppelinallee, Ecke Bockenheimer Landstraße). © FNP Archiv
19.10.2004, Nacht der Clubs
Eingang vom "190 East", ein House-Club, der auf dem Union-Gelände lokalisiert war. Später zog dort das APT ein. Hier eine Aufnahme vom 19. Oktober 2004 anlässlich der Nacht der Clubs. © FNP Archiv
Der Club "Uns" (vorher "Sam Lord") auf der Kaiserstraße hatte drei Floors. Nach der Schließung eröffnete im Erdgeschoss der Orange Club. Hier eine Aufnahme vom 14. Oktober 2005. © FNP Archiv
Im "Unity", das von den Zeleke-Brüdern betrieben wurde, ging es einige Jahre hoch her. Vor allem donnerstags gab es lange Schlangen vor der Tür. Hier legten DJs wie Julian Smith und Shantel regelmäßig auf. © FNP Archiv
Frankfurts ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth als DJ bei "Frankfurt legt auf" am 17. Dezember 2010 im Club Nusoul auf der Sonnenmannstraße in Frankfurt. © FNP Archiv
Stefan Hantel alias DJ Shantel trat ebenfalls im Nusoul auf, hier bei der Record Release Party "Planet Paprika" am 18. September 2009. © FNP Archiv
Der Eingang vom "Maxim" in der Karlstraße. Hier lief Musik von Funk, HipHop über Elektronik bis hin zu Grunge, Rock und Pop. © FNP Archiv
"A Tribe Called Vibe" war eine Veranstaltungsreihe im "Maxim", die mittwochs mit groovigen Sounds rund um TripHop, Breakbeats und Acid Jazz lockte. © FNP Archiv
DJ Andy im "Maxim". Er gestaltete dort einige Zeit lang den Dienstag. © FNP Archiv
Sachs-Keller (Dezember 1985) war eine Zeit lang einer der angesagten Läden in Frankfurt. Wer erinnert sich noch an die ganzen Buden? © FNP Archiv
Andrang vorm Sinkkasten, Januar 1993. Der Sinkkasten war einer der ältesten Clubs in Frankfurt und ursprünglich in einem Gewölbe am Main gelegen. Später erfolgte der Umzug in die Brönnerstraße und löste den "Zoom" Club ab, so wie die Location auch heute wieder heißt. © FNP Archiv
DJ Jörg im Sinkkasten, Januar 1993. © FNP Archiv
"Freunde der Nacht", Nacht der Clubs 2005. Wie lange gab es den Laden noch mal gleich? © FNP Archiv
Der "Golden Gate Club" in der Karlstraße, Nacht der Clubs 2005. Die Adresse beherbergte bis 1997 das "Maxim", aktuell zieht dort der "Karlson Club" Nachtschwärmer an. © FNP Archiv
Hatte nur ein kurzes Intermezzo in Frankfurt, der Club "Goldfish" auf der Hanauer Landstraße. © FNP Archiv
In der alten Batschkapp wurde einst ausgiebig im "Idiot Ballroom" zu einem wilden Musik-Mix getanzt. Hier eine Aufnahme von 1996. © FNP Archiv
Das Living XXL dürfte vielen in Erinnerung sein. Dort wurde zu kommerzielleren Sounds ausgiebig gefeiert. 2013 schloss der Club nach 15 Jahren Betrieb. © FNP Archiv
Party im "Phoenix" im Großen Hirschgraben, 1993. Gegenüber vom Goethe-Haus gelegen, folgten in den Räumlichkleiten erst der "Whisper Club" und etwas später das "Monza". © FNP Archiv
Das Monza in seiner ursprünglichen Location im Großen Hirschgraben, April 2002. Später zog das Monza dann in die ehemaligen Räumen des Farben Jenisch auf der Berliner Straße. 2013 war dann Schluss. © FNP Archiv
Die Diskothek "o25" (Aufnahme von Mai 2002) in der Ostparkstraße war jahrelang Anlaufstelle für Freunde verschiedenster Musikrichtungen. In den alten Gemäuern sollte nach der Schließung nichts mehr so richtig klappen. Zuletzt eröffnete dort nach jahrelanger Renovierungsarbeiten das "Röderberg", das allerdings nach nur wenigen Monaten wieder dicht machte © FNP Archiv
Türsteher bei der Arbeit am Eingang vom "Uno" (in den 19080er Jahren einst unter dem heutigen Hugendubel gelegen). In den kleinen Club hereinzukommen galt als besonders schwierig. © FNP Archiv
Eingang vom Vogue, 1988, der Vorgänger vom Omen. Hier feierte Sven Väth lange Partynächte. Damals fielen hier eines Morgens plötzlich Schüsse aus einem Auto, drei Männer wurden von den Kugeln getroffen, der Schütze flüchtete. © FNP Archiv
Feiernde im Omen, Frankfurts weltbekannter Techno-Club um DJ Sven Väth eröffnete 1988. im Oktober 1998 wurde dort die letzte Platte gespielt. © FNP Archiv
Im März 1989 wurde das 50-jährige Baman-Jubiläum im Omen gefeiert. In der Nacht legte Sven Väth Platten aus den 60er und 70er Jahren auf. © FNP Archiv
Nach der Schließung des Omen war das U60311 bis 2012 Anlaufstelle für Fans elektronischer Musik. Hier eine Aufnahme von 2008. © FNP Archiv
DJ-Kanzel im U60311. © FNP Archiv
Der Frankfurter Club Cocoon, 19. Juli 2004. Hier feierte unter anderem Sven Väth lange Nächte. Nach der Schließung verließ der Star-DJ Frankfurt. © FNP Archiv
19.10.2004, Nacht der Clubs
Die gute alte Stereobar, wer kennt sie nicht. Eröffnet im Jahr 1997 haben dort viele Frankfurter wilde Nächte verbracht. Nachdem die ursprünglichen Betreiber den Keller-Club verkauft hatten, musste der Laden schließlich im Jahr 2016 schließen. © Heiko Rhode/FNP Archiv
Tanzfläche im "Biba"-Club in Alt-Sachsenhausen. © FNP Archiv
DJ Jürgen in der Schaltzentrale des "Heaven Seven", der Diskothek in der Zeilgalerie, 1993. © FNP Archiv
DJ Shantel beim Auflegen im "Lissania", unter der Woche einst eine Sprachschule. Im dritten Stock der Hausnummer 74 traf sich dort Anfang der 90er-Jahre alle zwei Wochen die Frankfurter "Szene", um zu Acid Jazz, Trip Hop und House abzufeiern. © FNP Archiv
Tanzende im "L.O.F.T. House" auf der Hanauer Landstraße. Der Club, von vielen Schwulen und Lesben besucht,  war auf mehrere Etagen angelegt, in dem mehrere tausend Gäste Platz hatten. © FNP Archiv
Wo ist das? Klar, im Funkadelic. Hier im Bild: Lady D mit den Geschäftsführern Kerim Saka, Andreas Malté und Thomas Weber anlässlich des sechsten Geburtstags des Clubs im Mai 1989. © FNP Archiv
DJ Michael Hohmann im alten "Funkadelic" in der Brönnerstraße, 25. Januar 1993. Seit 1998 befindet sich in den Räumen der Rock-Club "The Cave". © FNP Archiv
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kalbach, war das Funkadelic zuletzt in der Bleichstraße zuhause. Hier eine Aufnahme aus 2005. © FNP Archiv
Partygeschehen im Ostklub auf der Hanauer Landstraße, den einst Hans Romanov ins Leben gerufen hatte. Aufnahme von 1997. © FNP Archiv
Georg Kliviny im "Sky Fantasy" im Europaturm (Ginnheimer Spargel), Dezember 1989. © FNP Archiv
Laser-Spektakel in der Music Hall, 23. März 1985. Neben dem Dorian Gray galt das dort eingebaute Soundsystem als besonders druckvoll. Die Boxen unter der Bühne waren so groß, dass zwei Leute darin Platz hatten und sich unterhalten konnten (kein Witz!). © FNP Archiv
Party im Odeon, Oktober 1986. Hieß auch mal "Plastik". Heute befindet sich in dem Gebäude das "Le Panther". © FNP Archiv
Die Studio Bar unweit der Hauptwache, heute Mantis Roofgarden. © FNP Archiv
Lange Schlange vor dem alten Polizeipräsidium bei Nacht der Clubs 2004. © FNP Archiv

Vor allem die ausgeklügelte Sound-Anlage der Diskothek hat es Blum angetan. Nicht ohne Grund gilt das Dorian Gray seinerzeit als einer der modernsten Clubs der Welt. Mit verantwortlich dafür ist , einer der US-amerikanischen Klang-Designer schlechthin.Richard Long  sorgt mit seinem umfassenden Wissen in den späten 1970er Jahren ebenso maßgeblich für den Erfolg der weltbekannten New Yorker Diskotheken Studio 54 und Paradise Garage.

Nach und nach kommen Kollegen wie Ulli Brenner  und Michael Münzing  (Snap!) als Unterstützung ins Boot, die in den Folgejahren ebenfalls regelmäßig im Gray Platten auflegen. Dadurch kann sich der arbeitswütige Blum immerhin zwei Tage die Woche freischaufeln. Die nutzt er vorwiegend zum Platten kaufen. Zum Leidwesen seiner damaligen Freundin.

Bijan Blum tanzt mit Sven Väth.

Neben den lokalen DJs, die regelmäßig im Gray spielen, werden auch bald zunehmend Gast-DJs von außerhalb eingeladen. „In der Zeit, als ich die Neueröffnung im 'Aladdins' in Aschaffenburg übernahm und dort sechs Monate arbeitete, kam Peter Römer  aus dem Hamburger „Trinity ' als Ersatz für mich ins Dorian Gray. Der beste Mixer, der damals im Gray gestanden hatte“, schwärmt Blum von seinem Kollegen.

"Eine riesige Party" aber zu viele Baustellen

Blum feiert in den 1980ern mit der High Society und verdient für die damalige Zeit ziemlich viel Geld. "Mein Leben war damals einfach eine riesige Party. Ständig lernte ich Leute kennen und es wurde ausschweifend gefeiert", sagt Blum.

Er ist seinerzeit aber nicht nur als DJ erfolgreich. Unter anderem kann man Blum auch als Laiendarsteller auf der Leinwand sehen. Er steht mit Karl Dall, Helmut Fischer, Patrick Bach  und Uschi Glas  vor der Kamera und ist in Filmen wie „Mamma Mia - Nur keine Panik“ und „Drei und eine halbe Portion“ zu sehen. Eine Zeit, auf die Blum sehr gerne zurückblickt.

Innig mit Uschi Glas: Kinoplakat von "Nur keine Panik"

Und immer wieder die Musik. Neben seiner DJ-Tätigkeit sitzt Blum zwischen all seinen Jobs regelmäßig im Studio und nimmt Mixe für Plattenfirmen wie Ariola auf. Wie zum Beispiel die Non-Stop-Compilation "Super Disco Nights" von 1986, die damals dank der vielen bekannten Hits Platz 4. der deutschen LP-Charts erreicht.

Mitte der 1980er Jahre geht er dann sogar kurzzeitig unter die Clubmacher. Als Mitbetreiber und DJ des Frankfurter Untergrund-Clubs "Die Weise" feiert er einige Monate in der Innenstadt wilde Nächte. Der Laden gilt seinerzeit als Pendant zu dem "Dschungel" in Berlin, weil dort ebenfalls Musik läuft, die außergewöhnlich ist. Doch nach Diskrepanzen mit seinem damaligen Partner geht er wieder zurück ins Dorian Gray.

Doch nicht genug: Der adrette Blum ist Mitte der 1980er Jahre außerdem ein ziemlich gefragtes Model und jettet abwechselnd zwischen Deutschland, Paris und Mailand hin und her. Sehr viele Baustellen auf einmal. „Was mir damals gefehlt hat, war ein Manager. Einer, der die Fäden zieht“, sagt Blum.

Blum in Mailand, 1985.

1986 ist dann Schluss im Dorian Gray. Er zieht ins Ausland – vor allem der Model-Jobs wegen. Außerdem ist es nach dem langjährigen DJ-Marathon an der Zeit für ihn, die Akkus aufzuladen und sich anderweitig zu orientieren.

Im Mai 1989 arbeitet Blum dann für mehrere Monate in Paris im "Le Palace" als DJ. 1990 kommt er nochmal für kurze Zeit nach Frankfurt. Dann zieht sich der Deutsch-Iraner plötzlich komplett aus dem Frankfurter Party-Geschehen zurück. Die Gründe dafür sollen aber seine Privatsache bleiben.

Blum mit Karl Dall.

Nach seinem "Frexit" legt er weiterhin in Clubs wie dem "Tiffany" in Mannheim und auf anderen Partys außerhalb Frankfurts auf. Aber, was die Mainmetropole angeht: Aus den Augen, aus dem Sinn. Der Kontakt bricht ab. Alte Weggefährten denken sogar bald, er sei gestorben.

Überraschendes Comeback

Doch Totgeglaubte leben bekanntlich länger. 2011 meldet er sich bei Facebook an und geht somit wieder an die Öffentlichkeit. Viele der einstigen Bekannten und Freunde erfahren dadurch überhaupt erst, dass es ihn noch gibt.

Er schart alte wie auch neue Weggefährten um sich herum, spielt wieder auf „größeren“ Partys. Bei der Dorian-Gray-2.0-Bühne  im Rahmen des "World Club Dome" legt er dreimal hintereinander als Special Guest auf, spielt unter anderem in der Darmstädter Centralstation oder im Frankfurter Yachtklub. Die Leidenschaft für die Musik hat er nicht verloren. 

Am 30. November spielt Blum im Rahmen des 40-jährigen Geburtstags des Dorian Gray im Wiesbadener Alpha 3.

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