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Da hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gut lachen: Auf den 600 Fahrscheinautomaten der städtischen Verkehrsgesellschaft (VGF) ist derzeit sein Konterfei zu sehen.

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Bildschirmschoner der etwas anderen Art: Peter Feldmann wirbt für Nachtverkehr

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nutzt jede Chance für Werbung in eigener Sache. So auch jetzt in seinem Nebenjob als Bildschirmschoner bei der VGF.

600 Fahrkartenautomaten hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) aufgestellt. Auf allen ist derzeit der Oberbürgermeister zu sehen. Fast als sei noch Wahlkampf, strahlt Peter Feldmann die VGF-Kunden an, wenn diese gerade ihr Ticket lösen wollen. „Es handelt sich um Bildschirmschoner“, sagt VGF-Sprecher Bernd Conrads. Sie wechseln immer wieder mal, zuletzt etwa wies in der Adventszeit das Motiv eines Tannenbaums auf das bevorstehende Weihnachtsfest hin.

Jetzt der Oberbürgermeister: Auf dem Display der Automaten ist er in verschiedenen Versionen zu sehen. Mal umringt von schönen Frauen, ein anderes Mal als Fahrer einer Straßenbahn – in der er für den Frankfurter Nachtverkehr wirbt, der mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember auch auf Straßenbahnen und U-Bahnen ausgeweitet wurde.

 „Ich hätte keine Chance“

„Der Erfolg hat viele Väter“, meinte Annette Rinn lakonisch, die Fraktionsvorsitzende der FDP im Römer. „Eigentlich haben wir es erfunden, wir haben den ersten Antrag zum Nachtverkehr gestellt. Aber ich glaube nicht, dass ich eine Chance gehabt hätte, als Bildschirmschoner bei den Fahrkartenautomaten zu fungieren.“ Die Bilder erscheinen auf den Displays der VGF-Automaten nacheinander – so lange, bis jemand die Bildschirme berührt und der Schoner verschwindet.

Für den Fahrgastbeirat „pro Bahn“ ist der oberbürgermeisterliche Bildschirmschoner „verwunderlich“, wie Vorstand Wilfried Staub sagt. „Wenn da mit den Bildschirmschonern auf touristische Ziele hingewiesen oder über die Preisstruktur des RMV informiert wird, halte ich es für sinnvoll.“

Dagegen löste bei ihm und anderen Mitgliedern des Gremiums die Nachricht von den OB-Bildern Erstaunen aus. „Gut, er ist im Aufsichtsrat des Unternehmens. Aber er hat es doch nicht nötig, selbst für den Nachtverkehr zu werben“, findet Staub.

Vorbild USA?

Möglicherweise, vermuten andere Beobachter, habe sich Feldmann bei seinem letzten Aufenthalt in den USA von der dortigen Gepflogenheit inspirieren lassen, dass Besucher schon auf dem Flughafen vom Bürgermeister der betreffenden Stadt per Plakat begrüßt werden – und grüßt nun in kleinerem Maßstab vom Fahrkarten-Verkaufsautomaten.

Die VGF erklärte es gestern mit ganz und gar altruistischen Motiven des Oberbürgermeisters: „Wir machen mit den Spots Werbung für das neue RMV-Angebot ’Nachtverkehr’“, hieß es. „Als Vorsitzender des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) – und nebenbei prominentester Frankfurter – hat sich der Oberbürgermeister für diese gemeinsame Werbung zur Verfügung gestellt.“ Dies sei auch nicht zum ersten Mal geschehen, vielmehr sei Peter Feldmann schon seit 2017 in der Werbung für den Nachtverkehr zu sehen. „Nicht zuletzt, weil diese Angebotsausweitung Herrn Feldmann persönlich sehr am Herzen lag“, so Bernd Conrads von der VGF. „Das setzten wir auch nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 fort, um möglichst viele Nachtschwärmer auf die jetzt durchfahrenden U- und S-Bahnen aufmerksam zu machen.“

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