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Per Touchscreen durch Anne Franks Geschichte: neue Technik in der Bildungsstätte.

Lernlabor

Bildungsstätte Anne Frank hat ihre Ausstellung neu konzipiert

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Nach einjährigem Umbau eröffnet die Bildungsstätte Anne Frank kommende Woche ihr neues „Lernlabor“. Aus der alten Dauerausstellung ist eine digitale Mitmach-Schau geworden, die Jugendliche für politisches Engangement begeistern will.

Vor allem an Schulklassen und Jugendgruppen richtet sich die völlig neu konzipierte Dauerausstellung im Foyer der Bildungsstätte Anne Frank. „Es ist eigentlich gar keine Ausstellung mehr“, sagt Bildungsstättenleiter Meron Mendel bei einem ersten Rundgang. „Das ist ein Lernlabor, ein Experimentierfeld.“

Fast 1,5 Millionen Euro haben Konzeption und Umbau gekostet, ein Drittel davon kommt aus Demokratie-Förderprogrammen des Bundes und des Landes Hessen. Die feierliche Eröffnung ist für den 12. Juni geplant, an dem Anne Frank 89. Jahre alt geworden wäre.

Der kleinere Teil der Ausstellungsfläche ist ihrer Geschichte gewidmet. Sie wuchs in Frankfurt auf, floh mit ihrer jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten und schrieb, versteckt in einem Amsterdamer Hinterhaus, in Tagebuchhefte, die nach ihrem KZ-Tod gesammelt veröffentlicht wurden.

Die täuschend echt wirkende Kopie eines Anne-Frank-Tagebuchs aus Amsterdam liegt unter Glas in einem kleinen Schreibtisch. Die verschnörkelte Tintenschrift, die eingeklebte Zeichnungen, die originalgetreue Bindung machen den Anblick zu einem eindrücklichen Erlebnis. „Das ist unser einziges Exponat“, sagt Deborah Krieg, die für die neue Ausstellung verantwortlich ist. Denn das „Lernlabor“ will kein Geschichtsmuseum sein, sondern zum Mitmachen und Nachdenken bewegen.

Jeder Besucher bekommt ein tragbares Bildschirmgerät ausgehändigt, mit dem er sich an den Stationen anmelden kann, um Videos, Quizfragen und Denkanregungen zu erhalten. „Das Lernlabor gibt wenige Antworten, es stellt den Jugendlichen Fragen. Denn ihre Meinung zählt.“

Inhaltlich geht es der politischen Bildungsstätte um weit mehr als den Antisemitismus, der Nazizeit. Die interaktive Ausstellung soll für alle Phänomene „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ sensibilisieren, sagt Kuratorin Krieg. Die interaktive Ausstellung spannt daher einen weiten Bogen: von Holocaust bis „Hate Speech“, von Anne Franks Amsterdamer Versteck bis zur Homoehe, von den NS-Vernichtungslagern zu bettelnden Obdachlosen in der Frankfurter Fußgängerzone. „Wir wollen jungen Menschen den Glauben vermitteln: Ihr könnt was ändern“, fasst Bildungsstättenleiter Mendel das politpädagogische Ziel zusammen. Ein Ausstellungskapitel zu Migration und Asyl darf dabei auch nicht fehlen.

Begleitet wird die Neueröffnung von einer Kampagne auf Plakaten und Fahrkartenautomaten. Mit Slogans wie „Du entscheidest, wie gleichberechtigt unsere Stadt sein soll“ und Comics von Schwulen, Frauen, und Friedensaktivisten soll Anne Franks Erbe ins heutige Frankfurt übertragen werden.

Die Eröffnungsfeier am kommenden Dienstag ist in ein umfangreiches Programm zum Anne-Frank-Tag 2018 eingebettet. Als Ehrengäste sind die Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden Josef Schuster und sein muslimisches Pendant Aiman Mazyek eingeladen. Am Wochende darauf, 16./17. Juni, ist das „Lernlabor“ für das Publikum geöffnet. Als prominente Besucher angekündigt haben sich bereits der Rapper und Musikproduzent Moses Pelham sowie die Rabbinerin Elisa Klapheck.

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