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Wie sollen Schüler ins Internet? Darüber herrscht im Magistrat Uneinigkeit.

Digitalisierung

Bizarrer W-LAN-Streit im Magistrat

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Verzögerung statt W-LAN-Aufrüstung: Die Vorlage für den drahtlosen Zugang der Frankfurter Schulen ins Internet wurde im Magistrat zurückgestellt. Eine Einigung zwischen Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) und ihren CDU-Kollegen tut not.

Eigentlich sind sich die Koalitionsfraktionen aus CDU, SPD und Grünen einig: Sie wollen Frankfurter Schulen mit W-LAN ausstatten. Nur über den Weg ist man sich uneins.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) will die Rechner an ein geschütztes universelles pädagogisches W-LAN anschließen. 13 Schulen sollen damit zunächst ausgerüstet werden, danach die übrigen folgen. Bei diesem Modell müsste jeder Schüler einen festen Zugang bekommen – bei rund 90 000 Schülern ein Riesenaufwand. CDU-Fraktionschef Michael Prinz zu Löwenstein hält dagegen, dass bei dieser Variante 15 zusätzliche Stellen im IT-Amt der Stadt notwendig wären. Diese müssten erst einmal ausgeschrieben werden. Bis sie besetzt werden könnten, würde es dauern. Deshalb setzt die CDU auf ein offenes W-LAN, wie es etwa in den städtischen Museen und bei öffentlichen Netzen weit verbreitet ist.

Fünf Jahre dauert es

Webers Referent Clemens Bohrer verteidigt dagegen die geschlossene Variante. Ausgehend von den Pilotschulen sollten nach und nach alle 165 Schulen der Stadt an das pädagogische W-LAN angeschlossen werden. Als Vorteil sieht Bohrer, dass dann auch digitale Schulbücher und Arbeitsblätter versandt werden können. Nach den Pilotschulen sollen dann pro Jahr jeweils 30 weitere Schulen mit W-LAN ausgestattet werden. Bohrer räumte allerdings ein, dass es mindestens fünf Jahre dauern würde, bis die letzte Schule mit W-LAN ausgestattet sein würde.

„Viel zu langsam“

Der CDU geht das zu langsam. Ein geschlossenes, stadteigenes Netz sei „mit über 15 zusätzlichen Personalstellen, einer Einführungsphase von rund sechs Jahren und einem Finanzvolumen von rund acht Millionen Euro nicht nur teuer und personalintensiv, sondern auch sehr langwierig“, betont Löwenstein. So könne das Personal frühestens im Herbst nächsten Jahres eingestellt werden. Ein normaler W-LAN-Zugang reiche aus, damit Schüler sich auf den Plattformen einloggen könnten, um Software und digitale Inhalte für alle Unterrichtsfächer datenschutzkonform und völlig unabhängig von der Art der verwendeten Endgeräte zu nutzen. „Der Trend geht nach Aussage der Experten eindeutig in Richtung browserbasierter Lernsoftware“, erklärt Löwenstein.

Bildungsdezernentin Weber verteidigt dagegen den Pilotversuch und seine danach folgende Ausweitung, denn: „Damit können wir bestimmte technische Konfigurationen für die unterschiedlichen Schulgebäude testen, um die optimale Lösung finden zu können.“ Dass die mit dem Amt 16 (IT-Amt) und dem Amt 40 (Stadtschulamt) vereinbarte Lösung nun im Magistrat zurückgestellt wurde, versteht Weber nicht. Auch mit dem IT-Dezernenten Jan Schneider (CDU) sei die Magistratsvorlage abgestimmt. „Der einzige, der nicht einverstanden ist, ist Herr Löwenstein.“

Und was sagt IT-Dezernent Jan Schneider (CDU) zu dem bizarren Streit? „Wir sind Dienstleister und setzten das um, für das es eine politische Mehrheit gibt“, erklärt Schneiders Sprecher Günter Murr.

Kommentar von Thomas Remlein

„Zur Sacharbeit zurückkehren“: Das ist derzeit ein Running-Gag, wenn von Sozialdemokraten die Rede ist. In einer Koalition trifft der Spruch allerdings alle Partner. Staunend steht das Wahlvolk da, ob des nun seit Monaten währenden Streits um die Ausrüstung der Frankfurter Schulen mit W-LAN. Die Diskussion hat eine inhaltliche Tiefe erreicht, welche der normale Bürger nicht mehr versteht. Doch der erwartet Lösungen statt Diskussionen. Nicht immer geht Genauigkeit vor Geschwindigkeit. Gerade im Falle der Digitalisierung ist vermutlich eine schnelle Lösung besser als eine langsame. Bedauerlicherweise ist zwischen den beiden Antipoden Sylvia Weber (SPD) und Michael zu Löwenstein (CDU) sogar umstritten, welcher Weg der schnellere ist. Daher als Appell: Kehrt zur Sacharbeit zurück.

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