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Lange Haare, virtuose Soli: ?Blackberry Smoke?.

Rockkonzert

„Blackberry Smoke“ zelebrieren in der Frankfurter „Batschkapp“ grandios den Südstaaten-Sound

Mit ihrem sechsten Studioalbum „Find A Light“ im Gepäck macht das Southern-Rock-Ensemble „Blackberry Smoke“ in Frankfurt Station.

Southern Rock wurde zwar schon oft für tot erklärt, weilt aber definitiv noch unter den Lebenden. Und das durch Koryphäen wie „Lynyrd Skynyrd“, „Allman Brothers Band“, „Black Oak Arkansas“ oder „Molly Hatchet“ in den siebziger Jahren weltweit etablierte Subgenre riecht nicht einmal streng.

In der nahezu ausverkauften „Batschkapp“ duftet es hauptsächlich nach einem Gemisch aus deftig Gemalztem, herbem Aftershave und, ähm ja, kernigem Männerschweiß. Permanentes Fäusteballen, lautstarkes Mitsingen und penetrantes Stampfen fördert nun mal bei den XY-Chromosomen-Trägern erheblich die Transpiration. Ohnehin ist Herrenüberschuss angesagt – bis auf die eine oder andere liebliche Ausnahme. Southern Rock bleibt eine Männerdomäne. Zumal in der Spielart, wie es die 2000 in Atlanta, Georgia, gegründeten „Blackberry Smoke“ verstehen.

Da kamen fünf Jungs mit Haaren bis zum Hintern und üppigem Bartwuchs zusammen, um das Erbe der Pioniere anzutreten. Unmittelbar in die Vollen greift „Fire In The Hole“ zum Einstieg. Dynamisches Southern Rock-Flair paart sich da mit verhaltener Country-Rock-Attitüde und Memphis-Soul-Rudimenten – eine Blaupause für sämtliche weiteren Songs aus mittlerweile sechs Studioalben. Da zünden Rockriffs grantig, perlen die Keyboardnoten im instrumentalen Latin-Groove-Mittelteil, geraten zweistimmige Gitarrensoli packend und das voluminöse Stimmtimbre von Frontmann Charlie Starr erfährt luftigen Rückhalt per mehrstimmigem Harmoniegesang. Dominiert auf den Alben eher eine in Richtung Country Rock driftende Semiakustik, rocken sich „Blackberry Smoke“ in zwei Dutzend Songs delikat knusprig durchs Repertoire.

Famos im Boogie-Blues-Rock-Spannungsfeld funktionieren Kracher wie „Flesh And Bone“, „Nobody Gives A Damn“, „Waiting For The Thunder“ und „Six Ways To Sunday“. In ihrer rustikalen Machart erinnern diese Dampframmen allerdings nicht unbedingt an „Lynyrd Skynyrd“ oder „Allman Brothers Band“, sondern wesentlich mehr an die mittlerweile durch ewigen Bruderzwist zwischen Chris und Rich Robinson wohl endgültig entzweiten Kollegen von „The Black Crowes“ – gewissermaßen die Erben der Erstgeneration. Also die Southern-Rock-Variante mit britischen Querverweisen zu R ’n’ B-Rockern wie „Rod Stewart & The Faces“, „Humble Pie“ sowie die famose Mick-Taylor-Ära der „Rolling Stones“ von 1969 bis 1974.

Als Dreh- und Angelpunkt erweist sich Bühnenepizentrum Charlie Starr. Nicht nur, weil er sich ohnehin als Ausnahmevokalist profiliert. Sind es doch mehrheitlich seine Kompositionen, die das Salz in der Suppe ausmachen. Zudem behauptet der mit jedem Song seine antiken Gitarrenmodelle von Fender bis Gibson wechselnde Starr sich auch als wahrer Sechssaitenvirtuose mit inspirierten Soli und gelegentlichem Griff zum Bottleneck.

In die spirituelle Nähe der „Allman Brothers Band“ rücken „Blackberry Smoke“ beim knapp viertelstündigen, mit Improvisationen garnierten „Sleeping Dogs“ samt integriertem Beatles-Klassiker „Come Together“. Diverse weitere Songs darf das durchweg enthusiastisch gestimmte Publikum per Zuruf mitbestimmen. Zumindest wirkt das so, wenn Charlie Starr die Herrschaften dazu ermuntert. Ein Blick auf die Setlist zeigt indes: Sämtliche „Songwünsche“ stehen da schon Schwarz auf Weiß – Starr muss einfach so lange Zurufen lassen, bis der Wunsch mit geplantem Titel übereinstimmt. Echt putzig.

Im letzten Drittel geben „Blackberry Smoke“ mit „Restless“, „Run Away From It All“, „Ain’t Got The Blues“ und „One Horse Town“ noch einmal ordentlich Vollgas. Ein freundliches Nicken in Richtung des frühen Rod Stewart enthält gar „Like An Arrow“, wo Mr. Starr dessen „Gasoline Alley“ antippt. Mit den eindringlich ausgeloteten Glanzlichtern „Free On The Wing“ und „Ain’t Much Left Of Me“ findet der ausgiebige Ausflug in Südstaaten-Gefilde nach mehr als zwei Stunden auch noch sein grandioses Ende.

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